Technik

Tauben-Drohne fliegt in China – und spioniert Bürger aus

von
Paul Bandelin

Spionage 2.0: China beschattet seine Bürger jetzt mit Drohnen, die wie Tauben aussehen – und beim Fliegen einen ebensolchen Eindruck vermitteln.

Ein Schwarm Tauben in der Luft.
Tauben sind kein ungewöhnlicher Anblick in Städten – so fliegen Drohnen in Tauben-Optik unerkannt. Foto: Shutterstock / Kabin

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie China seine Bürger neuerdings aus der Luft ausspioniert
  • Welche Hightech-Ausrüstung die Drohnen beim Fliegen an Bord haben
  • Warum die Regierung so Minderheiten wie die Uiguren unter Kontrolle halten will

Datenschützer können sich in China gar nicht vor Hiobsbotschaften und neuen Techniken für die Spionage retten. Staatspräsident Xi Jinping und seine Regierung denken sich immer gewieftere Methoden aus, um die Bürger des Landes auszuspionieren – etwa mit Datenbrillen für Polizisten.

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Der neuste Coup der chinesischen Zentralregierung ist die Bespitzelung der eigenen Bürger durch taubenähnliche Drohnen. In bis zu sechs unterschiedlichen Regionen gab es bereits Tests mit einigem Aufsehen – denn warum sollen nur Bäume spionieren dürfen.

China spioniert Bürger filmreif aus

Insgesamt soll es sich um Drohnen von 30 Regierungs- und Militärbehörden handeln, entwickelt unter dem Decknamen "Dove". Sie sind in der Lage, die Bewegungen einer realen Taube nachzuahmen – mit nur geringen Abweichungen. Dazu zählen auch riskante Manöver, die andere unbemannte Luftfahrzeuge nicht vollziehen können.

Obwohl die Tauben-Drohnen noch in der Testphase sind, können sie fast lebensechte Flugbewegungen durchführen wie etwa einen Sturzflug oder den Aufwärtsflug im Stile eines echten Vogels. Der große Vorteil der Flugobjekte ist, dass sie fast komplett geräuscharm operieren und ihr Äußeres realen Tauben nahezu 1:1 ähnelt – so sind sie am Himmel nur schwer bis gar nicht auszumachen.

Die Tauben haben ein hohes Potenzial, um flächendeckend auch in der Zukunft genutzt zu werden.

Yang Wenqking, Professor an der Northwestern Polytechnical University Xian

Drohnen fliegen mit viel Hightech an Bord

Entwickelt haben die ungewöhnliche Taube Forscher an der Northwestern Polytechnical University mit Sitz in Xian. 30 Minuten kann sie ihr Gewicht von etwa 200 Gramm in der Luft halten. Hinzu kommen allerdings noch schwere Gerätschaften: Mit an Bord sind eine HD-Kamera, GPS sowie ein zentrales Steuersystem. 40 Kilometer pro Stunde schafft die Taube, die auf eine Flügelspannweite von 50 Zentimetern kommt, maximal.

Die Technologie befindet sich allerdings noch in den Kinderschuhen. Die Tauben sind bisher weder für weite Strecken nutzbar, noch können sie in starken Winde fliegen. Darüber hinaus beobachteten die Forscher einen Leistungsabfall bei ungemütlichen Witterungsbedingungen wie Regen oder Schnee. Der fehlende Anti-Kollisions-Mechanismus führte zudem zu einigen Schwierigkeiten beim Tiefflug. Hier könnte das Albatros-Projekt des MIT zu einer Verbesserung der Technik inspirieren.

Minderheiten wie Uiguren kontrollieren

Die Tageszeitung South China Morning Post aus Hongkong berichtete, dass in der Testphase besonders Teile der Region Xinjiang unter Beobachtung standen. Dort lebt die muslimische Minderheit der Uiguren, die von der chinesischen Regierung aufgrund ihres wiederkehrenden Strebens nach Autonomie mit Argusaugen betrachtet wird.

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Was für die Behörden in Peking derzeit noch wie ein Traum klingt, könnte sich durchaus als Bumerang erweisen: Das Design ist nämlich so ausgefuchst, dass es selbst hochsensible Radaranlagen täuschen kann. Somit könnte es in den falschen Händen eine ernsthafte Bedrohung für die eigenen Luftverteidigungssysteme werden.

Um das zu unterbinden, forschen Ingenieure derzeit an einem holographischen Radar, das Flugobjekte dreidimensional abbilden kann. Die Chinesen sind sich offenbar hier selbst einen Schritt voraus. Bei der Abwehr finden sie ja möglicherweise Inspiration in den USA oder in Japan.

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