Leben

Uber & Co.: Mitfahrdienste verschlechtern Unfallstatistiken

von Carola Franzke

Eine Studie aus den USA besagt: Mitfahrdienste wie Uber und Lyft führen zu mehr Verkehrstoten. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

Ein Uber-Auto holt einen Mitfahrer ab.
Per App eine Mitfahrgelegenheit rufen: Mit Uber und Lyft ist das ganz einfach. Doch die Folgen für die Umwelt und Sicherheit im Verkehr sind gravierend. Foto: Shutterstock / Jacob Lund

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie groß der Einfluss von Mitfahrdiensten wie Uber auf den Verkehr ist
  • Welche Folgen das hat – auch in Hinblick auf die Zahl der Verkehrstoten
  • Warum Uber und Co. die Unfallstatistiken deutlich messbar verschlechtern

Eine gemeinsame Studie der Universität von Chicago und der Rice Universität in Houston untersuchte die Folgen von Mitfahrdiensten wie Uber und Lyft auf den Straßenverkehr, insbesondere auf die Unfallstatistiken.

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Das Fazit der drei Autoren überrascht zunächst: Sie kommen zu dem Schluss, dass sich jeweils nach dem Markteintritt von Mitfahrdiensten die Anzahl der Verkehrstoten in den betreffenden Städten um zwei bis drei Prozent erhöht. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

Uber & Co.: Mitfahrdienste beeinflussen den Verkehr

Die drei Forscher John Barrios, Yael Hochberg und Livia Yi gingen den Ursachen nach und stellten fest, dass mit der Verbreitung von Services wie Uber und Lyft auch der Verkehr insgesamt zunimmt. Menschen nutzen die Mitfahrdienste anstelle von Bus und Bahn, mehr Autos legen längere Wege zurück, und es gibt mehr Staus. Als weitere Folge der Mitfahrdienste steigen die Zulassungszahlen für Autos und auch die Abgasbelastung in Städten.

Eine Vielzahl an Leerfahrten trägt massiv dazu bei, denn auf der Suche nach neuen Passagieren sind die Fahrer häufig ziellos unterwegs. In New York beispielsweise legt ein Fahrer 4,5 Kilometer zwischen zwei gebuchten Touren zurück. 40 bis 60 Prozent ihrer Zeit sind die Fahrer damit beschäftigt, den nächsten Fahrgast zu finden.

Auswertung der Unfallstatistiken

Die Experten konnten zeigen, dass sich diese negativen Effekte besonders in Städten zeigten, in denen die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und Fahrgemeinschaften vor dem Markteintritt der Mitfahrdienste bereits stark verbreitet waren. Sie führen das auf einen Substitutionseffekt zurück: Fahrgäste nutzen Uber statt Bus und Bahn. Auch in großen Städten mit vielen Autobesitzern traten die beschriebenen Folgen besonders auf.

Als letzte und sicherlich gravierendste Auswirkung des gestiegenen Verkehrsaufkommens wurden in den untersuchten Städten anhaltende und schließlich steigende Unfallzahlen beobachtet. Die Wissenschaftler zogen für ihre Untersuchung die Statistiken der National Highway Traffic Safety Administration heran, also offizielle Zahlen der US-Bundesbehörde für Straßen- und Fahrzeugsicherheit in Washington, D.C.

Die Aufzeichnungen über mehrere Jahre verglichen die Forscher mit dem beginnenden Service der Mitfahrdienste Uber und Lyft in den untersuchten Städten und setzten die Unfallzahlen ins Verhältnis zu den zurückgelegten Kilometern. Beispielsweise in San Francisco stieg die Unfallquote nach dem Uber-Launch 2010 in die Höhe.

Mehr Verkehrstote – weniger durch Alkohol

Die Untersuchung der drei Wissenschaftler Barrios, Hochberg und Yi ist keinesfalls die erste Studie, die sich mit den Folgen der Mitfahrdienste für Unfallstatistiken und Verkehrstote befasst.

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Allerdings kommen sie zu einem anderen Schluss als die bisherigen Studien, die sich üblicherweise auf Unfälle im Zusammenhang mit Alkohol und alkoholisierten Fahrzeugführern konzentrieren. Die Zahl solcher Unfälle sinkt üblicherweise, wenn ein Mitfahrdienst in einer Stadt den Service aufnimmt. Die Studie von Barrios, Hochberg und Yi stellt diesen Effekt zwar auch fest, aber bei der Gesamtbetrachtung kommen sie zu einem Anstieg der Verkehrstoten, Fußgänger wie Passagiere in Fahrzeugen. Und das macht bei zwei bis drei Prozent immerhin etwa 1100 Verkehrstote im Jahr.

Die drei Autoren der Studie finden es jedoch noch zu früh, um sicher festzustellen, ob es sich hier um kurz- bis mittelfristige Anpassungsschwierigkeiten handelt oder um eine langfristige Auswirkung der Mitfahrdienste und des damit steigenden Verkehrsaufkommens.

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