Leben

Autonome Flugdrohnen: Der ADAC hebt bald mit Volocopter ab

von Dirk Kunde

Die Drohne ist mehr als ein Spielzeug für die Wiese hinterm Haus. In Zukunft transportiert sie Passagiere – erste Testflüge hat sie bereits hinter sich.

Drone Volocopter
Zimmer mit Aussicht: Große Drohnen zum Passagiertransport werden künftig zum Stadtbild gehören. Foto: Volocopter

Das erfahren Sie gleich:

  • Von der Vision zur Wirklichkeit: Drohnen sollen bald Passagiere befördern
  • In China hob jetzt der Quadrocopter ehang 184 zum ersten Mal mit einem Menschen darin ab
  • Dubai ist ein zentrales Testfeld für die drei wichtigsten Drohnen-Projekte

Die Fahrstuhltür zur Landefläche auf dem Dach öffnet sich, die Rotoren der Drohne drehen sich bereits – sie ist zum Einsteigen bereit. Eine Szene, wie sie früher in Zeitschriften und Büchern als Zukunftsvision beschrieben wurde, wird jetzt Wirklichkeit: Autonome Flugkabinen, die jedermann schnell und unkompliziert von A nach B bringen – und das ohne eigenen Pilotenschein.

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Mit Batterie und Elektroantrieb bringt sie den Passagier zum Ziel. Auch der ADAC will sich dieses System wohl bald zunutze machen.

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Die Hauptstadt des Drohnen-Hypes: In Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) leben rund zwei Millionen Menschen. Foto: Unsplash/prostoroman

Von Quadrocopter bis VTOL

Ein einheitlicher Name für die Transport-Drohne hat sich bislang nicht etabliert. Die einen sprechen von Quadrocoptern, also Fluggeräten mit vier Rotoren. Anderen benennen die Kategorie nach der Flugbahn: VTOL – Vertical Take-off and Landing. Sie alle eint der Kompromiss zwischen Gewicht und Flugzeit. Je mehr Batterieleistung und Personen an Bord, desto kürzer die Flugzeit. Dabei bestehen die Cockpits bereits aus leichten Materialien wie Kohlenstofffasern und Aluminium.

Sicherheit ist ein wesentliches Thema bei den Herstellern. Redundante Systeme an Bord sorgen beim Ausfall einer Batterieeinheit dafür, dass immer noch ausreichend Energie für eine sichere Landung vorhanden ist. Sollten tatsächlich alle Rotoren still stehen, haben die Drohnen Fallschirme an Bord. Die deutschen Entwickler von Lilium nennen einen Teil ihres Sicherheitskonzeptes „Flight Envelope Protection“. Der Computer verbietet Flugmanöver wie Rollen oder Loopings, die einen sicheren Flug gefährden könnten – ein ähnliches Konzept wie in den Passagierflugzeugen von Airbus.

Daimler ist an Bord: Volocopter

Mit seinem ersten unbemannten Testflug hat Ende September 2017 der Volocopter 2X eine fünfjährige Testphase gestartet. Das deutsche Unternehmen aus Bruchsal will in Dubai sein autonom fliegendes Lufttaxi (Autonomous Air Taxi) etablieren. „Wir sehen Dubai als Vorreiter für einen riesigen entstehenden Markt“, sagt Mitgründer Alexander Zosel.

Doch auch auf dem heimischen Markt könnte Volocopter Fuß fassen. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) hat das Wirken der jungen Firma offenbar mit Spannung verfolgt – und plant erste Tests mit den Flugdrohnen. Sie könnten in Zukunft Hubschrauber der ADAC Luftrettung ersetzen.

Die fliegen seit 1982 schwer erreichbare Stellen an und bergen Unfallopfer. Mit dem Volocopter 2X könnte das in Zukunft noch schneller gehen. „Ich glaube fest an das Potential für den flächendeckenden Einsatz des Volocopter als Notarztzubringer und freue mich, dass wir dies nun gemeinsam mit der ADAC Luftrettung systematisch validieren", so Volocopter-Chef Florian Reuter.

Der ADAC investiert insgesamt 500.000 Euro in die Machbarkeitsstudie. Über eineinhalb Jahre soll der Test des Volocopters erfolgen. Die wissenschaftliche Begleitung übernimmt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das bereits mit der ADAC Luftrettung zusammenarbeitet. „Der ADAC gehörte vor 50 Jahren zu den ersten in Deutschland, die den Einsatz von Rettungshubschraubern in einem Feldversuch getestet haben. Da ist es nur folgerichtig, dass wir jetzt die ersten sind, die die Luftrettung in Deutschland mit neuen Technologien in die Zukunft führen”, zeigt sich Frédéric Bruder, Geschäftsführer der ADAC Luftrettung, zuversichtlich.

Beim jüngsten Modell VC200 haben zwei Passagiere in der Kabine Platz. Über deren Köpfen rotieren 18 Propeller, die den Volocopter bis zu 30 Minuten in der Luft halten. Das Bundesministerium für Wirtschaft fördert das Projekt und über die Crowdfunding-Plattform Seedmatch kamen 1,2 Millionen Euro in die Kasse. Bei den Investoren der jüngsten Finanzierungsrunde über 25 Millionen Euro ist auch Daimler mit an Bord.

Dubai als Testgebiet

Doch Volocopter ist nicht das einzige Unternehmen, das in den Vereinigten Arabischen Emiraten erstmals Fuß fasste. Auch andere Firmen testen in Dubai – hier will man nicht nur beim Hausbau hoch hinaus. Die Roads and Transport Authority (RTA) möchte bis zum Jahr 2030 ein Viertel aller Reisenden in autonomen Vehikeln durch die Vereinigten Arabischen Emirate transportieren – auf dem Boden und in der Luft. Zwei von drei fortgeschrittenen Drohnenprojekten sollen in Dubai starten. Wir stellen hier diese Projekte vor.

ehang 184: Erster Flug mit Passagier geglückt

Die Drohne ehang 184, die der chinesische Hersteller als Autonomous Aerial Vehicle (AAV) bezeichnet, ging jetzt erstmals mit einem Passagier an Bord in die Luft. Das selbstfliegende Luft-Taxi hob für ein Video der Entwickler auf dem ehang-Testgelände ab. Unter anderem mit dem Gründer des Unternehmens an Bord. In dem kurzen Film können Zuschauer sowohl den Flug als auch den Insassen beobachten.

In der Vision des Herstellers bestellt der Passagier zukünftig die Drohne per App zum Landeplatz. Nach der Landung besteigt er die Kabine, mitnehmen kann er maximal einen kleinen Koffer. Die gesamte Zuladung ist auf 100 Kilogramm begrenzt. Auf dem Touch-Display gibt der Fluggast sein Ziel ein. Der Rechner ermittelt die Flugbahn, die man als umgedrehtes U beschreiben kann: Die ehang 184 steigt mit ihren vier Doppel-Rotoren senkrecht auf, fliegt mit bis zu 60 km/h horizontal zum Ziel und landet senkrecht.

Momentan fliegt der Quadrocopter nur mit einer Person, in Zukunft sollen aber zwei Fluggäste im ehang 184 Platz haben. Außerdem wollen die Drohnenhersteller den Passagieren die Möglichkeit geben, nicht nur passiv im Luft-Taxi zu sitzen: Denn sie sollen in späteren Entwicklungsschritten auch per Steuerknüppel in den Flug eingreifen können. Ob dann eine Fluglizenz notwendig ist, wie es mit der Sicherung des Luftraums aussieht oder mit der Regelung für alkoholisierte „Piloten“, das bleibt noch abzuwarten. In jedem Fall sieht sich das Unternehmen als Vorreiter in einer Entwicklung hin in Richtung autonomes Fliegen.

Mit 36 Jet-Turbinen: Lilium

Ebenfalls aus Deutschland kommt die Idee für Lilium. Im Wettbewerb um die Lufthoheit geht das Start-up aus Gilching bei München einen anderen Weg: Hier steuert ein Pilot das Flugobjekt. Außerdem setzen die Entwickler auf starre Flügel, in die kleine Rotoren samt Motoren verbaut sind. Insgesamt 36 Jet-Turbinen bringen Lilium zum Fliegen. Beim Start wird die Kraft über bewegliche Klappen in den vier Flügeln nach unten gelenkt. Auf Flughöhe drehen die Klappen in eine horizontale Position und sorgen für Vorwärtsschub. Für den notwendigen Auftrieb sorgen im Flugbetrieb die Flügel, genau wie bei einem normalen Flugzeug.

Auch Lilium ist als Flug-Taxi konzipiert. Der Pilot bringt bis zu fünf Passagiere – in der finalen Ausbaustufe – bis zu 300 Kilometer weit. Nach einem erfolgreich Jungfernflug in Bayern ist der erste bemannte Flug für 2019 vorgesehen. Zu den Investoren des Start-ups zählt auch Frank Thelen. “Für mich repräsentiert Lilium den Pioniergeist, den Deutschland braucht, um weiterhin weltweit führend im Bereich Mobilität zu bleiben”, sagt der Investor und Jurymitglied der TV-Show “Die Höhle der Löwen”.

Nach 15 Minuten ist der Passagier am Flughafen

Aber zurück zum Drohnenflug vom Anfang: Sekunden nach dem Fingertipp auf das Ziel “Flughafen” auf dem Touchscreen hebt die Drohne ab. Sie steigt vom Dach des Jumeirah Lake Towers senkrecht nach oben und nimmt dann direkten Kurs auf den nordöstlich gelegenen Flughafen.

Im Inneren hört man gedämpft das Surren der Rotoren. 15 Minuten später setzt die Drohne sanft auf dem Landeplatz am Rande des Flughafens auf. Der Testbetrieb in Dubai zeigt: Die Drohne ist wirklich erwachsen geworden.

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Doch wozu die lange und aufwändige Forschung?

Die Anbieter sehen die Flugobjekte als möglichen Ausweg aus dem Verkehrskollaps in Ballungsräumen: Die Drohnen benötigen wenig Platz für Starts und Landungen, ein Parkhausdach genügt. Sie sind leiser als Helikopter und fliegen emissionsarm. Einige Konzepte verzichten sogar auf den Piloten und machen den Computer zum Captain.

Der Passagier gibt sein Ziel in ein Tablet ein, und die Drohne erledigt den Rest. Die Nachteile: Fliegen viele Drohnen über den Städten, wird man es deutlich hören. Außerdem ist der Luftraum nicht unendlich groß, staatliche Stellen müssen daher sowohl Luftstraßen als auch Landeplätze festlegen.

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