Technik

Tracking, Sensoren, AI: Digitale Technik ergänzt den Hausarzt

von Ji-Hun Kim

Künstliche Intelligenz kann bei der Diagnose von Krankheiten eine ähnlich hohe Genauigkeit erreichen wie Ärzte. Apps entwickeln sich damit zu Gesundheitsberatern.

Tracking, Sensoren, AI: Digitale Technik ergänzt den Hausarzt
Hausarzt am Handgelenk: Wearables entwickeln sich von Fitnesstrackern zu Diagnosegeräten. Foto: Unsplash/crew

Das erfahren Sie gleich:

  • Die Digitalisierung verändert die Medizin radikal
  • Apps erkennen Hautkrebs und helfen bei Diabetes
  • Chatbots übernehmen die Erstberatung

Apps helfen in der Schwangerschaft

Wieviel bin ich diese Woche gelaufen? Wie schnell war ich? Wieviele Kalorien habe ich diesen Monat zu mir genommen? Werde ich mit dieser Kalorienbilanz endlich abnehmen? Digitale Technik wie Smartphones, Apps und Wearables wie Smartwatches gehören heute für viele sportliche Menschen zum aktiven Alltag dazu. Gelaufene Schritte, Rennradrouten und der Puls werden wie selbstverständlich über lange Zeiträume getrackt. Auf dem Markt gibt es mittlerweile unzählige Ernährungsberater und Trainingsprogramme für Mobilgeräte. Alles im Namen der Gesundheit.

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Vorbei die Zeiten des Jogger-Seemannsgarn der 1980er Jahre.

Aber auch werdende Mütter nutzen immer häufiger Apps, um den Verlauf der Schwangerschaft möglichst akkurat aufzuzeichnen und zu analysieren. Nicht nur digital-affine Mediziner sehen in solchen Technologien gute Möglichkeiten, Menschen zu einer besseren Gesundheit zu verhelfen. Denn: Tracker und Apps lassen sich schwer täuschen. Vorbei die Zeiten des Jogger-Seemannsgarn der 1980er Jahre, als es noch gerne hieß: „Ich bin heute 30 Kilometer in zwei Stunden gelaufen. Wirklich! Vielleicht waren es sogar 32…“

Das Smartphone als Hausarzt

Auch jenseits der bekannten Fitness- und Gesundheits-Apps wie Runtastic, Nike+ und Co. ist das Thema Health und mobiles Leben zum wichtigen Trendthema geworden. Die Entwicklungen sind vielschichtig, und Zukunftsforscher stellen sogar schon die Frage: Kann das Smartphone meinen Hausarzt ersetzen?

Das Smartphone als Hausarzt
Für alle Sinne: Das Sence kann das Befinden seines Besitzers erkennen – und diese Info beispielsweise an Freunde oder Familie weitergeben. Foto: Facebook/planexta

Dass man bei Menschen nicht nur Puls und Schritte zählen, sondern auch Emotionen messen kann, zeigt zum Beispiel das Wearable Sence. Hier wird auf Basis persönlicher Messdaten analysiert, wie das Befinden der jeweiligen Person ist. Bei Bedarf kann man per App den Freunden und auch dem Partner mitteilen, dass man heute nicht sonderlich gut drauf ist. Damit könnten Streits verhindert werden, und man soll zusätzlich lernen, emotional eine bessere Balance zu finden. Anderes Smartphone-Zubehör wie der Sensor Mint widmen sich der Atemkontrolle. Hier soll anhand der Konzentration von Schwefelverbindungen im Atem herausgefunden werden, ob der User unter Mundgeruch oder vielleicht sogar an Parodontose leidet.

Diabetes unter Kontrolle

Mit dem Anspruch, ein Lifestyleprodukt zu sein, möchte One Drop das Leben von Diabetikern vereinfachen. Im Gegensatz zu klassischen Lösungen, die immer ein wenig zu sehr nach Krankenhaus aussehen, soll One Drop auch in der edlen Handtasche einen stylishen Eindruck hinterlassen. Mit diesem System kann nicht nur simpel und dauerhaft der Blutzuckerspiegel gemessen und kontrolliert werden. Auch errechnet die App Zeitpläne für die Medikation und erinnert den Nutzer per Nachricht daran, die Tabletten nicht zu vergessen. Daten können mit der weltweiten Community verglichen und ausgetauscht und individuelle Diätpläne angepasst werden. Gleichzeitig soll Apple laut Medienberichten an eigenen Blutzucker-Sensoren arbeiten, die möglicherweise in Zukunft in der Apple Watch zum Einsatz kommen. Das Besondere hier: Dem Patienten soll mit dieser Technologie sogar die komplizierte und schmerzhafte Blutabnahme abgenommen werden. Stattdessen analysieren Lichtsensoren das Blut unter der Haut.

Diabetis unter Kontrolle
Nur ein Tropfen: Das One Drop hilft bei Diabetis, in dem es den Blutzuckerspiegel misst und den Nutzer an seine Tabletten erinnert. Foto: One Drop

HIV-Test per USB

Forscher am Imperial College London haben gemeinsam mit der Firma DNA Electronics ein USB-Device entwickelt, das in der Lage ist, kleinste Blutproben auf HIV zu testen – und das in gerade mal 20 Minuten. Wenn auch die Messergebnisse noch nicht ganz so akkurat sind wie bei klinischen Tests, könnte so eine Technologie gerade in Entwicklungsgegenden wie in Afrika einen enormen Beitrag zur medizinischen Analyse und Versorgung leisten. Diese Konzepte zeigen, dass die Verbreitung von Smartphones und Tablets den Zugang zur bis dato aufwendigen und kostspieligen Medizintechnik demokratisieren kann. Gerade für dünn besiedelte Areale mit schlechter medizinischer Grundversorgung gibt es hier großes Potential. Dass ein Smartphone auch ohne zusätzliche Hardware imstande ist, medizinische Messungen durchzuführen, beweist das Unternehmen Senosis aus Seattle. Unter der Leitung von Professor Shwetak Patel von der University of Washington wurden hier Apps entwickelt, die nur mit Hilfe der Smartphone-Kamera Gelbsucht bei Kindern diagnostizieren oder auch den Hämoglobingehalt im Blut messen können, um mögliche Anämien zu feststellen zu können.

Hautkrebs-Screening mit der App

Neben den oben beschriebenen neuartigen Messtechnologien spielt derzeit das Thema AI in der Entwicklung medizinischer Lösungen eine wichtige Rolle. Aber inwiefern ist künstliche Intelligenz in der Lage, medizinische Hilfeleistungen anzubieten? Wissenschaftler an der Stanford University haben einen AI-Algorithmus trainiert, der Hautkrebs erkennen kann. Basis ist eine über 130.000 Bilder große Datenbank, und Mediziner bestätigen, dass die Diagnosegenauigkeit sich bereits mit denen von menschlichen Ärzten vergleichen lässt. Es ist eine mobile App geplant, mit der teure Screenings und lange Terminvorläufe beim Dermatologen minimiert und vor allem eine aktive Früherkennung ermöglicht werden soll.

Updates

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Google will die Symptome erkennen, die zu einer Erblindung führen können.

Google arbeitet mit der britischen Gesundheitsbehörde NHS an einem ähnlichen System. In diesem Forschungsprojekt, das mit Googles AI DeepMind durchgeführt wird, geht es darum, möglichst früh Symptome zu erkennen, die zu einer Erblindung führen können. An der University of North Carolina arbeitet man gemeinsam mit IBM und dem Supercomputer Watson an einer AI-basierten Krebsdiagnose. Auch dort ist man sich über das Potential gewiss. Es wird verlautet, dass bereits heute der Computer zu 99 Prozent mit den Diagnosen professioneller Onkologen übereinstimmt.

Chatbots für die Erstberatung

Werden Menschen in Zukunft dadurch wirklich weniger zum Arzt oder ins Krankenhaus gehen? Durchaus möglich. Schon heute gibt es mit dem Chatbot Your.MD eine medizinische Erstberatung, die auf einer künstlichen Intelligenz basiert. Symptome können geschildert werden, der Chatbot fragt nach, analysiert und kann gegebenenfalls erste Ratschläge erteilen oder auch den sofortigen Gang zum Arzt empfehlen. Solch eine Methode dürfte immer noch sinnvoller sein als die im Regelfall unvernünftige Suchmaschinen-Selbstdiagnose, auch als Internet-Hypochondrie bekannt. Woebot ist ebenfalls ein Chatbot, der allerdings für psychologische Hilfestellungen zuständig ist. Der Messenger soll helfen, wenn man mal einen schlechten Tag hatte oder die Laune seit Tagen einfach nicht besser werden will. Umso länger man mit Woebot kommuniziert, desto besser lernt er auch den Gesprächspartner kennen und kann so individuell auf eine Person zugehen und eine richtiggehende Beziehung aufbauen. Einige Psychologen glauben sogar, dass eine AI neutraler mit Menschen umgeht, was im Rahmen einer psychologischen Behandlung durchaus von Vorteil sein könnte. Menschliche Faktoren wie mangelnde Sympathie oder fehlende Aufmerksamkeit des Therapeuten spielen hier nämlich keine Rolle.

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