Leben

Tiny Houses: Minimal-Urlaub am Tegernsee

von Sabine Franz

Immer mehr Menschen träumen vom radikal reduzierten Wohnen. Wer dieses Lebenskonzept erst mal testen will, kann jetzt Urlaub im Tiny House machen.

Tiny Houses: Minimal-Urlaub am Tegernsee
Unterkunft auf der grünen Wiese: "Max" ist das erste Tiny House in Deutschland und steht derzeit in Rottach-Egern am Tegernsee. Foto: Daniel Glasl

Das erfahren Sie gleich:

  • Deutschlands erstes mobiles Ferienhaus
  • Nachhaltiger Urlaub auf 15 Quadratmetern
  • Tiny Houses werden immer beliebter

Der Almwagen am Tegernsee

Kleines Haus, große Wirkung. Deutschlands erster Almwagen steht seit kurzem am Tegernsee in Rottach-Egern bereit für Urlauber. Sein Erfinder Daniel Glasl ist bereits ein gefragter Gastgeber. Max, so heißt sein Holzhaus, ist 15 Quadratmeter groß und eines der sogenannten Tiny Houses. Gedacht ist es als Kontrast zu großen teils überdimensionierten Hotelanlagen. Max ist autark, mobil und damit ein Mini-Hotelzimmer der ungewöhnlichen Art. Zwei Gäste können hier naturnah und unabhängig Urlaub machen – reduziert und heimelig. Auf rund sechs Metern Länge und 2,50 Metern Breite. Mit viel Holz, hübschen Fensterläden und Blumenkästen. Es gibt eine kleine Küche samt Herd und Kühlschrank, Tisch und Hockern, es gibt ein King-Size-Bett, dazu Schwedenofen, komfortable Dusche und WC. „Kleine Heimat“ hat Glasl entsprechend die Website getauft. Und ja, W-Lan gibt’s natürlich auch in der Hütte – per Ökostrom.

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Auf die Idee kam der Tegernseer, als er selbst ein Jahr lang auf 25 Quadratmetern wohnte und damit Dreiviertel seiner bisherigen Wohnfläche aufgab. Von seinen 35 Umzugskartons öffnete er in dieser Zeit nur fünf. „Ich hab gemerkt, wie wenig ich brauche. Und ich habe mich intensiv mit der Thematik Downsizing und Tiny House befasst.“ Der 40-Jährige beschloss, eines bauen zu lassen und touristisch zu nutzen. Mobil musste es sein, weil Glasl keinen Baugrund besitzt.

Der Strom wird in der Hochleistungsbatterie im doppelten Boden des Wohnwagens gespeichert.

Beim österreichischen Anbieter WW Wohnwagon gab er den Max nach seinen Wünschen in Auftrag. Kosten: rund 100 000 Euro. Dafür erhielt er ein maßgeschneidertes, ausgeklügelt autarkes Smart Home im Miniaturformat. Alles ökologisch und qualitativ hochwertig. Biogebeizte Fichten- und Lärchenlatten, Wärmedämmung aus Schafwolle. Strom produziert die Photovoltaikanlage auf dem Dach, gespeichert wird der Strom in der Hochleistungsbatterie im doppelten Boden des Wohnwagens. Für warmes Wasser – rund 460 Liter im Kreislauf – sorgt neben der Photovoltaikanlage der Holzofen. Heizung und andere Verbraucher lassen sich per Apps für Heizungs-System und Photovoltaik-System aus der Ferne steuern. Energieverbrauch und –produktion hat der Gastgeber also immer im Blick. Das Brauchwasser wird über eine Grünkläranlage gereinigt. Bei der Trockentoilette hört man zwar kein „Flutsch“ der Spülung, doch der Urin wird ebenfalls über die Grünkläranlage gereinigt, Fäkalien kompostiert. Geruchsbelästigung? Kein Thema.

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Motto in den Tiny Houses: Luxus einteilen

Seine Gäste sind bunt zusammengewürfelt, vom langhaarigen Hippie bis zum Doktor, der mal seine Ruhe haben will. Viele möchten probewohnen, die meisten bleiben drei Tage, buchen über AirBnB und hinterlassen begeisterte Bewertungen. Gemeinsam ist allen, dass sie gerne mal wieder in natürlichen Materialien leben möchten, sich eine Rückzugszone inklusive Geborgenheit wünschen. Und Ungewöhnliches ausprobieren möchten. Natürlich gehört zur Reduktion auch Verzicht auf sonst Selbstverständliches. „Den Luxus einteilen“, nennt das Glasl. Denn wer 20 Minuten duscht, verbraucht fast das komplette Wasser. Dann muss erst wieder aufgefüllt werden. Auch die Stromerzeugung ist wetterabhängig. Schlechtes Wetter bedeutet weniger Strom. Glasl weiß noch nicht, wie die Elektroversorgung im Winter klappen wird, er braucht Ruhephasen für den Wagen, in denen dieser sich auflädt. Eine Vollauslastung ist dann vielleicht nicht möglich.

Locationwechsel am Tegernsee

Zunächst hatte Daniel Glasl häufigere Standortwechsel für seinen Max geplant. Doch nach dem ersten Umzug aus der Wiese hat er Respekt davor. Max bringt mehr als 3,8 Tonnen auf die Wage, gezogen hat er ihn mit einem Unimog. Höchstgeschwindigkeit: 25 km/h, deshalb will er im Raum Tegernsee, Bad Wiessee wechselnde Stellplätze wahlweise mit Berg- oder Seeblick, am Waldrand oder auch mal im Ort finden. Wichtig ist Glasl in jedem Fall, der Natur die Stellfläche nicht unwiderruflich abzutrotzen. Auf dem Platz, auf dem der Max zuletzt stand, wuchsen nach seinem Abtransport üppige Pflanzen. Der Grund: Das durch die Grünkläranlage gereinigte und dann abgelassene Wasser ist sehr nährstoffreich und bietet beste Wachstumsbedingungen fürs Grün. Glasl: „Innerhalb eines Monats hat man nicht mehr gesehen, dass dort mal ein Ferienhaus gestanden hat.“

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