Technik

Testfahrten im Dreiländereck: Autonome Autos üben Grenzübertritt

von
Paul Bandelin

Wenn autonome Autos auf unseren Straßen zur Normalität werden sollen, müssen sie auch Staatsgrenzen überqueren können. Das ist schwieriger, als es klingt.

Vor einem leicht bewölkten Himmel ragt eine Verkehrsampel heraus. Sie zeigt gelb.
Ampel ist nicht gleich Ampel: Verschiedene Bestimmungen in den einzelnen Staaten machen den Grenzübertritt für autonome Auto so kompliziert. Foto: Shutterstock / pongpinun traisri

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum autonome Autos jetzt auch grenzüberschreitend getestet werden
  • Welche Schwierigkeiten die unterschiedlichen Straßenverkehrsordnungen der einzelnen Staaten machen
  • Wie die in den Testfahrten gesammelten Daten zur Optimierung der Fahrzeugprogrammierung dienen

Bevor autonome Autos flächendeckend über unsere Straßen rollen können, müssen sie lernen, mit verschiedenen Hürden umzugehen. Es geht dabei nicht nur darum, Hindernisse sicher zu erkennen und richtig auf sie zu reagieren. Autonome Fahrzeuge müssen beispielsweise auch einen Grenzübertritt schaffen können. Und das heißt: Die Technik muss mit verschiedenen Verkehrsregeln und Verkehrszeichen umgehen können.

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Um das zu untersuchen soll bis Ende 2019 am Dreiländereck zwischen Deutschland, Frankreich und Luxemburg ein digitales Testfeld entstehen. Auf diese Zusammenarbeit einigten sich zuerst der damalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und sein französischer Amtskollege Alain Vidalies im September 2017, später meldete auch Luxemburgs Verkehrsminister François Bausch Interesse an dem Bündnis an.

Da es in jedem Land unterschiedliche Auffassungen dazu gibt, wie autonomes Fahren ablaufen soll, wollen die beteiligten Wissenschaftler eine eigene Informationsplattform erstellen. In dieser sollen die verschiedenen Strukturen zusammenlaufen.

Autonome Autos agieren zwischen den Ländern

Das Testgebiet erstreckt sich über rund 150 Kilometer: Von Saarbrücken über das westfranzösische Metz und den Südosten Luxemburgs reicht das Gelände bis nach Merzig im Süden des Saarlandes.

Wir müssen lernen, verkehrstechnisch eine gemeinsame Sprache zu sprechen.

Horst Wieker, Leiter der Forschungsgruppe Verkehrstelematik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes

Horst Wieker von der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes nennt das Testfeld gegenüber der Presseagentur dpa "in Europa einmalig". In Merzig und dessen näherer Umgebung existiert bereits seit 2013 eine Teststrecke, allerdings im kleineren Maßstab.

Keine einheitliche Straßenverkehrsordnung

Unterschiede in der Straßenverkehrsordnung gibt es von Land zu Land, und diese komplexen Variablen zu verarbeiten, ist die eigentliche Krux bei der Entwicklungsarbeit. Es muss ein System geschaffen werden, das alle Verkehrsregeln eines jeden Landes beherrscht und das auch weiß, wann der Grenzübertritt erfolgt ist und sich die Regeln ändern.

Beispielsweise gilt weltweit in über 50 Ländern Linksverkehr, der für Fahrzeuge eine besondere Schwierigkeit darstellt, die für Länder mit Rechtsfahrgebot hergestellt und programmiert wurden.

Ein weiteres Beispiel sind Ampelsysteme. Klar ist: Bei einer roten Ampel muss überall gehalten werden, fragt sich nur wo. Mancherorts muss das Fahrzeug vor der weißen Begrenzungslinie zum Stillstand kommen, in anderen genau auf der Linie, weil sonst die Induktionsschleife nicht funktioniert, und in wieder anderen darf das Auto die Linie auch leicht übertreten.

Zudem gibt es nicht überall auf der Welt die in Deutschland und Europa üblichen Gelbphasen. Kurzum: Die eine universelle Straßenverkehrsordnung gibt es nicht.

Innenaufnahme eines autonomes Autos auf der Autobahn.
Hände weg: Autonome Autos sollen künftig in jeder Situation komplett selbständig fahren können. Foto: dpa

Unwägbarkeiten trotz vieler Testfahrten

Äußerlich macht das Testfeld nicht viel her, denn die relevanten Abläufe geschehen alle im Hintergrund. Dort sitzen die Experten zusammen und werten die gesammelten Daten aus.

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Diese geben sie dann an die Fahrzeughersteller weiter, um die nächsten Testfahrten dahingehend zu optimieren. Ein Teil der Testfahrten besteht auch aus Bremsübungen oder Einfädeln in den fließenden Verkehr.

Auch wenn die Tests auf dem vorgesehenen Gelände erfolgreich verlaufen sollten, ist die Eingliederung autonomer Autos in den Straßenverkehr mit vielen Unwägbarkeiten verbunden – vor allem in den Fällen, in denen autonome Autos auf von Menschen gesteuerte Fahrzeuge oder Fußgänger treffen. Es wird also noch viele Testfahrten geben müssen, bevor autonome Autos wirklich zum Alltag auf unseren Straßen gehören.

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