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Elektromobilität

Test auf der A9: Die modernste Straße der Welt

von Christian Merten

Das gibt's nicht mal in Amerika: Auf der A9 wird das autonome Fahren in Hochgeschwindigkeit auf der Autobahn erprobt. Die ersten Tester sind begeistert.

Autobahn
Testgebiet: Die Autobahn eignet sich für die ersten Erprobungen des autonomen Fahrens besser als Landstraßen oder Innenstädte. Foto: Shutterstock / hydebrink

Das erfahren Sie gleich:

  • Auf der A9 fahren Autos autonom im realen Straßenverkehr
  • Gleichzeitig wird ein neuer Mobilfunkstandard getestet
  • Es ist die erste volldigitalisierte und vollvernetzte Straße der Welt

Das Auto auf der linken Spur fährt autonom

Der Fahrer der kleinen Ente schaut entgeistert. Er wird von einem Auto überholt, dessen Fahrer überhaupt nicht auf die Straße schaut. Seine Hände liegen nicht am Lenkrad, aber sein Fahrzeug hält genau die Spur. Wie kann das sein? Ganz einfach: Das überholende Auto fährt autonom.

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Das Lenkrad fährt wie von Geisterhand nach vorn.

Sie sind schon mitten unter uns und längst im Test auf der Autobahn: die selbstfahrenden Autos. Auf der A9 zwischen München und Nürnberg werden sie im Alltagsverkehr ausprobiert. Ein Test für die Zukunft von Elektroautos und anderen Fahrzeugen. Bei diesem pilotierten Fahren, bei dem die Autos immer noch ein Lenkrad für den Notfall haben, erkennt das mit Kameras, Lasersensoren und Radargeräten ausgerüstete Fahrzeug automatisch, wenn es auf die Autobahn fährt. Ein Tastendruck aktiviert dann den Autopiloten, und das Lenkrad fährt wie von Geisterhand ein wenig nach vorn. Der Test auf der A9 kann beginnen.

Selbst ein Stau ist nicht mehr so nervig

Nur wenn das Auto die Autobahn verlässt oder andere Situationen es erfordern, informiert eine freundliche Frauenstimme, dass der Fahrer in wenigen Sekunden wieder selbst fahren soll. Bis dahin könnte er eigentlich auf der Teststrecke schlafen oder fernsehen, wenn es erlaubt wäre. Doch auch das im Mai beschlossene Gesetz zum autonomen Fahren schreibt vor, dass der Fahrer eines Elektroautos oder anderen Fahrzeugs jederzeit fähig sein muss, die Kontrolle zu übernehmen. Das gilt ebenfalls für den Test auf der A9. Dennoch sollen die Fahrten absolut entspannt sein, berichten die ersten Teilnehmer über den Test. Selbst ein Stau oder Stop-and-Go-Verkehr ist nicht mehr so nervig - das Anfahren und Anhalten übernimmt ja der Computer.

Die Probefahrten starten am Flughafen München und führen eine Stunde lang über das Digitale Testfeld Autobahn (DTA), welches das Bundesverkehrsministerium gemeinsam mit dem Freistaat Bayern, dem Verband der Automobilindustrie (VDA) und dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (Bitkom) vor knapp zwei Jahren auf der A9 eröffnete.

Die erste volldigitalisierte Straße der Welt

Wirtschaft und Forschung nutzen die 160 Kilometer lange Teststrecke für Entwicklungen und Erprobungen von Technologien sowohl für das automatisierte und vernetzte Fahren als auch für die intelligente Infrastruktur. Dafür benötigen sie nun kein abgeschlossenes Testgelände mehr; ihre Erprobungen finden im Alltagsverkehr unter Realbedingungen statt. Auch Schnellladesäulen für Elektroautos sind an der Autobahn aufgebaut worden.

Beim Test geht es auch um neuen Mobilfunk

Die Schwerpunkte der Tests auf der A9 bilden die Car-to-Car- und Car-to-Infrastructure-Kommunikation in Echtzeit mithilfe der aktuellsten Übertragungstechniken. Auch der künftige Mobilfunkstandard 5G, der als Nachfolger von LTE viel mehr Bandbreite und schnellere Datenübertragungen ermöglicht, soll auf der Strecke zum Einsatz kommen. „Das Digitale Testfeld Autobahn ist die erste volldigitalisierte und vollvernetzte Straße weltweit für das automatisierte Fahren“, sagte Bundesminister Alexander Dobrindt im Oktober bei der Präsentation der ersten Zwischenbilanz seiner Teststrecke.

Schon seit November rollen dort spezielle Lkw-Kolonnen, bei denen das erste Fahrzeug auch die folgenden steuert. Das Geodaten-Unternehmen Here hat die Teststrecke dafür zentimetergenau in einer digitalen HD-Karte erfasst, mit der sich automatisierte Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor oder Elektroautos höchst präzise über die Fahrbahn steuern lassen. Und an den Fahrbahnrändern der A9 rund um das Autobahndreieck Holledau stehen zusätzlich spezielle Landmarkenschilder, die ein bisschen wie Zielscheiben aussehen und nicht mit herkömmlichen Verkehrszeichen zu verwechseln sind. Daran können sich die Sensoren der Autos bei dem Test exakt orientieren.

Wir wollen mit dem Prädikat 'tested on German Autobahn' wahrgenommen werden.

Seit Anfang des Jahres erproben außerdem Vodafone, Bosch und Huawai auf einem Teilabschnitt der A9 bei Allershausen den neuen Mobilfunkstandard LTE-V2X. Er ermöglicht auf der Teststrecke den direkten und verzögerungsfreien Austausch von Informationen zwischen Fahrzeugen, ohne dass die Daten vom Mobilfunknetz übertragen werden müssen. Vernetzte Autos könnten damit beispielsweise Meldungen über Geschwindigkeit, Position und Spurwechsel an alle Fahrzeuge im Umkreis von 320 Metern senden. Das soll den Verkehrsfluss optimieren und das Unfallrisiko auf der Autobahn senken.

„Unser Anspruch ist es, international mit dem Prädikat 'tested on German Autobahn' wahrgenommen zu werden“, sagt Alexander Dobrindt. Denn das können amerikanische Unternehmen bisher nicht bieten, auch wenn sie beim autonomen Fahren vielleicht schon weiter sind. Auf der A9, die zu den am meisten befahrenen Straßen in Bayern gehört, hat der Bundesverkehrsminister genau die richtige Teststrecke für diesen Zweck. Und die kleine Ente muss sich keine Sorgen machen, wenn sie mal wieder von einem Fahrer überholt wird, der sein Lenkrad gar nicht benutzt. Schon beim nächsten Mal könnte es auch ein Elektroauto sein.

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