Technik

Autonome Autos: Hier fahren sie bereits durch Deutschland

von Christian Merten

In Deutschland wird an mehreren Standorten autonomes Fahren im öffentlichen Raum getestet – sogar auf der Autobahn und durch die Innenstadt.

Autobahn
Testgebiet: Die Autobahn eignet sich für die ersten Erprobungen des autonomen Fahrens besser als Landstraßen oder Innenstädte. Foto: Shutterstock / hydebrink

Das erfahren Sie gleich:

  • Wo in Deutschland bereits autonome Autos unter realen Bedingungen fahren
  • Wieso der neuen Mobilfunkstandard 5G dabei eine zentrale Rolle spielt
  • Wie autonome Autos miteinander kommunizieren, um den Verkehrsfluss zu optimieren

Sie sind schon mitten unter uns und längst im Test auf der Autobahn: selbstfahrende Autos. Auf der A9 zwischen München und Nürnberg fahren sie bereits seit Jahren probeweise im Alltagsverkehr – ein Test für die Zukunft von Elektroautos und anderen Fahrzeugen.

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Bei diesem pilotierten Fahren, bei dem die Autos immer noch ein Lenkrad für den Notfall haben, erkennt das mit Kameras, Lasersensoren und Radargeräten ausgerüstete Fahrzeug, wenn es auf die Autobahn fährt.

Ein Tastendruck genügt und das Fahrzeug schaltet den Autopilot ein. Der bremst, beschleunigt und lenkt dann vollautomatisch. In Düsseldorf gelingt das jetzt auch auf einem Teilstück der Autobahn – und sogar in der Innenstadt.

KoMoD: Autonome Teststrecke bei Düsseldorf

Bis zum vollautomatisierten Verkehr ist es noch ein weiter Weg. Zuvor braucht es unzählige Test-Stunden der Systeme. Nicht zuletzt aufgrund der hierzulande großen Automobilindustrie bemüht sich die Bundesregierung um eine Unterstützung solcher Forschungen.

Frisch in Betrieb genommen hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) eine neue Teststrecke in Düsseldorf. Auf einem Teilstück zwischen Meerbusch und Düsseldorf sind auf der A57 ab sofort autonome Autos unterwegs. Der Projektname: Kooperative Mobilität im digitalen Testfeld Düsseldorf (KoMoD).

Auch durch die City sollen sie rollen. Dafür brachte der Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen (Straßen.NRW) an mehreren Ampelanlagen Sensor-Boxen an. Sie kommunizieren mit den Fahrzeugen und geben etwa Informationen zur aktuellen Ampelschaltung weiter.

Selbst ein Stau ist nicht mehr so nervig

Nur wenn das Auto die Teststrecke verlässt oder andere Situationen es erfordern, informiert eine Frauenstimme, dass der Fahrer in wenigen Sekunden wieder selbst fahren soll. Bis dahin könnte er eigentlich schlafen oder fernsehen, wenn es erlaubt wäre.

Doch auch das im Mai 2017 beschlossene Gesetz zum autonomen Fahren schreibt vor, dass der Fahrer eines Elektroautos oder anderen Fahrzeugs jederzeit fähig sein muss, die Kontrolle zu übernehmen. Das gilt ebenfalls für die Tests auf der A9 und A57.

Dennoch sollen die Fahrten absolut entspannt sein, berichten die Teilnehmer über die Probefahrten. Selbst ein Stau oder Stop-and-Go-Verkehr ist nicht mehr so nervig – das Anfahren und Anhalten übernimmt ja der Computer.

A9: Erste Teststrecke für autonome Fahrten

Die A9 gilt als eine der ersten öffentlichen Straßen für autonome Fahrzeuge weltweit. Die Probefahrten starten am Flughafen München und führen eine Stunde lang über das Digitale Testfeld Autobahn (DTA), welches das Bundesverkehrsministerium gemeinsam mit dem Freistaat Bayern, dem Verband der Automobilindustrie (VDA) und dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom) vor knapp drei Jahren eröffnete.

Wirtschaft und Forschung nutzen die 160 Kilometer lange Teststrecke für Entwicklungen und Erprobungen von Technologien sowohl für das automatisierte und vernetzte Fahren als auch für die intelligente Infrastruktur.

Dafür benötigen sie nun kein abgeschlossenes Testgelände mehr; ihre Erprobungen finden im Alltagsverkehr unter Realbedingungen statt. Auch Schnellladesäulen für Elektroautos sind an der Autobahn zu finden.

5G: Es geht auch um den neuen Mobilfunk

Die Schwerpunkte der Tests auf der A9 bilden die Car-to-Car- und Car-to-Infrastructure-Kommunikation in Echtzeit mithilfe der aktuellsten Übertragungstechniken. Auch der künftige Mobilfunkstandard 5G, der als Nachfolger von LTE viel mehr Bandbreite und schnellere Datenübertragungen ermöglicht, soll auf der Strecke zum Einsatz kommen.

Das Digitale Testfeld Autobahn ist die erste volldigitalisierte und vollvernetzte Straße weltweit für das automatisierte Fahren.

Ex-Bundesminister Alexander Dobrindt im Oktober 2017

Schon seit November 2017 rollen dort spezielle Lkw-Kolonnen, bei denen das erste Fahrzeug auch die folgenden steuert. Das Geodaten-Unternehmen Here hat die Teststrecke dafür zentimetergenau in einer digitalen HD-Karte erfasst, mit der sich automatisierte Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor oder Elektroautos höchst präzise über die Fahrbahn steuern lassen.

Analog und Digital im Zusammenspiel

An den Fahrbahnrändern der A9 rund um das Autobahndreieck Holledau stehen zusätzlich spezielle Landmarkenschilder, die ein bisschen wie Zielscheiben aussehen und nicht mit herkömmlichen Verkehrszeichen zu verwechseln sind. Daran können sich die Sensoren der Autos bei dem Test exakt orientieren.

Updates

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Seit Anfang 2017 erproben außerdem Vodafone, Bosch und Huawai auf einem Teilabschnitt der A9 bei Allershausen den neuen Mobilfunkstandard LTE-V2X. Er ermöglicht auf der Teststrecke den direkten und verzögerungsfreien Austausch von Informationen zwischen Fahrzeugen, ohne dass die Daten vom Mobilfunknetz übertragen werden müssen.

Vernetzte Autos könnten damit beispielsweise Meldungen über Geschwindigkeit, Position und Spurwechsel an alle Fahrzeuge im Umkreis von 320 Metern senden. Das soll den Verkehrsfluss optimieren und das Unfallrisiko auf der Autobahn senken.

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