Elektromobilität

Tempolimit: In Österreich fahren Elektroautos bald schneller

von Roland Kontny

Österreich lässt Elektroautos auf rund 440 Kilometer Straßen schneller fahren. Das Ziel: Elektromobilität attraktiver machen.

Dicht an dicht auf der Autobahn.
Kritiker befürchten, eine Sonderregel für Elektroautos könnte zu gefährlichen Situationen im Verkehr führen. Foto: Shutterstock / hallojulie

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum auf einigen Strecken in Österreich strenge Tempolimits bald nur noch für Benzin- und Dieselfahrzeuge gelten
  • Welche weiteren Vorteile E-Autos künftig in dem Land haben sollen
  • Welche Argumente Gegner bringen – welche Befürworter der Lufthunderter

Beim E-Golf sind es 140 km/h, bis zu 160 km/h im BMW i3 und 144 km/h beim Nissan Leaf – Elektroautos sind nicht für ihre hohen Endgeschwindigkeiten bekannt. Um die Reichweite zu optimieren, sind die Fahrzeuge normalerweise elektronisch abgeregelt. Nur wenige Ausnahmen wie der Jaguar I-Pace S, das Tesla Model X und der kommende Audi e-tron erreichen 200 km/h und mehr.

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Die in vielen europäischen Ländern geltenden Geschwindigkeitsbegrenzungen ärgern Fahrer solcher Fahrzeuge deshalb nicht unbedingt – vielmehr sind sie meist entspannt unterwegs um Energie zu sparen.

Höheres Tempolimit für Elektroautos in Österreich

Dennoch sollen sie bald auf rund 440 Kilometern österreichischen Autobahnen und Schnellstraßen an allen benzingetriebenen Sportwagen und drehmomentstarken Dieselmodellen vorbeiziehen. Das entspricht etwa 20 Prozent des entsprechenden Straßennetzes. Bereits zum Jahreswechsel soll die Regelung in Kraft treten.

Das österreichische Ministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus hat durchgesetzt, dass sich Fahrer von Elektroautos nicht an Tempolimits halten müssen, die wegen zu hoher Schadstoffbelastung zeitweise gelten sollen. Für die Regierung ist das eine faire Regelung, aber auch ein zusätzlicher Anreiz für den Umstieg zur Elektromobilität im Land

Strengere Tempolimits für Benzin- und Dieselmotoren

Grundlage für diese Limits auf Tempo 100 statt der eigentlich erlaubten 130 km/h ist das "Immissionsschutzgesetz Luft", kurz IG-L. Ist die Luft auf bestimmten Autobahn-Abschnitten zu schlecht, sind nicht mehr die maximal in Österreich zulässigen 130 km/h erlaubt, sondern nur noch 100 km/h.

Wer sich dann mit zu hoher Geschwindigkeit erwischen lässt, muss für die gleiche Überschreitung mehr als üblich zahlen – immerhin geht es um die Luft und damit um die Gesundheit. Angezeigt werden die zeitweisen Beschränkungen mit computergesteuerten Schildern, die neben dem Tempolimit zusätzlich den Hinweis "IG-L" anzeigen. Im Volksmund hat sich in Österreich der Begriff des "Lufthunderter" etabliert.

Tempolimit 100 – das Verkehrsschild am Straßenrand mahnt zu langsamen Fahren.
Zum Schutz von Mensch und Umwelt gelten in Österreich strenge Tempolimits. Auch für E-Autos. Ab 2019 könnte sich das ändern. Foto: Shutterstock / Pakorn Jarujittipun

Nachhaltigkeitsministerin plant weitere Vorteile

Der Vorstoß der Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger ist Teil eines geplanten Pakets von Vorteilen für Fahrer von Elektroautos. Zudem sind laut eines Ministeriumssprechers "Vorteile in parkraumbewirtschafteten Zonen der Innenstädte" im Gespräch. Ziel: Steigerung der Attraktivität von E-Autos – für bessere Luft.

Der Weg zur Erreichung der Klimaziele führt nicht über Verbote, sondern über Anreize. Wir wollen mit unseren Vorhaben die Menschen davon überzeugen, dass es sich in mehrfacher Hinsicht auszahlt, auf ein E-Fahrzeug zu wechseln

Elisabeth Köstinger (ÖVP), Nachhaltigkeitsministerin in Österreich

Ins Rollen gebracht hat diese Entwicklung Dr. Christian Schöffthaler aus Imst (Tirol). "Als Jurist habe ich mich sofort gefragt, warum das Tempolimit auch für mich in meinem E-Auto gelten soll, das doch überhaupt keine Schadstoffe ausstößt", erinnert sich der Rechtanwalt an das Jahr 2014, als die ersten Tiroler Lufthunderter-Abschnitte kamen.

Schon damals nahm er Gerichtstermine seiner Mandanten in der Umgebung mit seinem Renault Zoe wahr. Problem nur: Das IG-L stammt noch aus einer Zeit, in der die Elektromobilität eine Nische in der Nische war – deshalb unterscheidet es nicht zwischen Verbrennungsmotor und E-Antrieb.

Neuregelung auch auf europäischer Ebene?

Schöffthaler lässt sich daraufhin "durchaus bewusst, aber ohne zu rasen" blitzen, um den Rechtsweg beschreiten zu können. In den folgenden Jahren argumentiert er sich durch die Instanzen – bis heute ohne endgültiges Ergebnis. Bisher ist das Verfassungsgericht seiner Begründung nicht gefolgt. Aber es geht ihm auch nicht um möglichst schnelles Fahren.

"Viele Menschen haben das Gefühl, dass man sich gegen überbordende, aber nicht wirklich sinnvolle staatliche Regelungen wehren müsse", fasst er den Großteil der Meinungen zusammen, die ihn seit Bekanntwerden seines Rechtsstreits erreicht haben. Darum klagt er derzeit vor dem Verwaltungsgerichtshof wegen Verstoßes gegen das europäisches Recht; Ausgang ungewiss. Schöffthaler rechnet mit einem Urteil bis zum Frühjahr 2019.

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Mehr Gefahren bei zwei Tempolimits gleichzeitig?

Kritiker befürchten, dass unterschiedliche Tempolimits für Autos mit Verbrennungsmotoren und E-Antrieben zu gefährlichen Situationen führen könnten. Die Befürworter sehen das anders: Zum einen gebe es noch gar nicht so viele Elektroautos, als dass deren höheres Tempo ins Gewicht fiele. Zum anderen seien Fahrer von E-Autos in der Praxis eher an der Optimierung der Akku-Reichweite als an möglichst schnellem Fahren interessiert.

So oder so: In Österreich hängen E-Autos also wahrscheinlich schon in ein paar Monaten den Verbrenner ab – zunächst allerdings nur bei dicker Luft auf rund 440 Kilometern Autobahn.

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