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Gesundheit

Telemedizin: Bringt die Ferndiagnose nur Vorteile mit sich?

von Paul Bandelin

Fortschritte in der Telemedizin, bei Gadgets und Apps ermöglichen bald Arztbesuche vom Sofa aus. Aber was kann die Online-Medizin schon heute, was nicht?

Zwei Frauenhände tippen an einem Laptop.
Laptop statt Wartezimmer: Die Telemedizin macht immer mehr Fortschritte. Foto: Shutterstock / vetkit

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Telemedizin Ärzte standortunabhängig machen kann
  • Wie Apps und und Gadgets bei der Ferndiagnose helfen können
  • Warum die Telemedizin bisher noch keine Vorteile gegenüber herkömmlicher Medizin bietet

Telemedizin macht Ärzte standortunabhängig

Kann Telemedizin in Zukunft den herkömmlichen Arztbesuch ersetzen? Digitale medizinische Hilfe hat einen enormen Sprung nach vorne gemacht. Die Geschwindigkeit, mit der Softwareentwickler die Kommerzialisierung digitaler Gesundheitsprodukte vorantreiben, übersteigt sogar das Tempo, in dem Forscher diese nachvollziehen können. Studien der vergangenen Jahre zeigen zumindest kein eindeutiges Ergebnis auf.

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Unter Strom! Mobilität wird elektrisch

Der Terminus Telemedizin beschreibt im Gesundheitswesen die Diagnostik und Therapie zwischen Arzt und Patient unter Überbrückung einer räumlichen Distanz mittels Telekommunikation. Eines der Hauptziele ist die Verbesserung der Gesundheit der Bürger durch eine schnellere und effektivere Verfügbarkeit relevanter Informationen.

Durch die Telemedizin ist medizinisches Fachwissen nicht länger an den Standort des Arztes gebunden, sondern weltweit verfügbar.

Wolfgang Loos, Vorstandmitglied der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin

Apps und Fitness-Smartwatch helfen der Telemedizin

Die Telemedizin könnte ein Schritt in die richtige Richtung sein, denn volle Wartezimmer mit langen Wartezeiten sind Alltag in deutschen Arztpraxen. Auf dem Land ist selbst der nächste Allgemeinarzt weit weg, und zu Fachärzten muss man Tagestouren planen. Insbesondere für ältere Patienten mit eingeschränkter Mobilität ist das problematisch.

Um das zu ändern, denkt die Bundesärztekammer laut über eine Lockerung des Verbots der Fernbehandlung nach. So bekämen Ärzte die Möglichkeit, über einen Videochat dem Patienten eine Diagnose zu stellen – ein großer Schritt ins Zeitalter der digitalen Medizin. Auch erfolgreiche Ferndiagnosen von Fachärzten sind so möglich.

Das neue System sähe vor, dass Patienten beispielsweise die beim Sport oder Spaziergang aufgezeichneten Daten ihrer Fitness Smartwatch oder anderer digitaler Helfer in Echtzeit an den Arzt übermitteln – etwa vernetzte Blutdruckmanschetten, Personenwaagen oder Insulin-Messgeräte in Kontaktlinsen.

Eine Frau in Sportkleidung schaut auf ihr Fitnessarmband.
Fitness-Daten direkt an den Arzt senden – so könnte die Telemedizin der Zukunft aussehen. Foto: Shutterstock / Artem Varnitsin

Es gibt aber auch kritische Stimmen

Kritiker sehen hier hingegen ein großes Problem in Sachen Datenschutz. Wieviele Daten darf das Gerät eigenständig an den Arzt versenden? Wo speichern die Geräte die sensiblen Daten? Ist es möglich, diese unterwegs abzufangen? Viele Fragen sind hier noch ungeklärt.

Die so gewonnenen Informationen kann der Telemediziner nutzen, um im Zusammenspiel mit einem (wenn nötig) persönlichen Beratungsgespräch eine Diagnose zu erstellen. Der Vorteil: Für viele kleine Probleme wäre kein Termin mehr in der Praxis nötig und alle Beteiligten würden viel Zeit sparen.

Laut einer Studie der Beratungsfirma PWC könnten E-Health-Anwendungen das Gesundheitssystem jährlich um bis zu 40 Milliarden Euro entlasten. Auch deshalb will die Bundesregierung in die Telemedizin investieren und sie voranbringen.

Medizin online bestellen

Bekommt der Patient seine Diagnose ohne das Haus zu verlassen per Videochat, ist die Online-Bestellung der nötigen Medizin die logische Folge. Zwar gibt es deutschlandweit knapp 20.000 Apotheken – was einer auf rund 4.000 Einwohner entspricht – aber auch hier drückt in spärlich bevölkerten Landstrichen der Schuh. Nicht nur Ärzte, sondern auch Apotheken sind weit weg. Da verspricht die steigende Zahl von Online-Apotheken Abhilfe. Diese bieten auch nicht verschreibungspflichtige Medikamente an – und das oft zu besseren Preisen.

Neben den monetären Vorteilen gibt es allerdings auch Nachteile, und die liegen in der fehlenden persönlichen Beratung. Während der Patient mit dem Apotheker jederzeit ein aufklärendes Gespräch führen kann und nochmal Einnahmehinweise bekommt, ist das bei der Online-Version oft nicht der Fall. Zudem muss der Patient noch die Wartezeit für die Medikamente einplanen.

Keine Vorteile für die Ferndiagnostik

Exemplarisch für die Vielzahl von Studien zu dem Thema steht eine Untersuchung. Wissenschaftler haben darin über Jahre erfasst, ob es möglich ist, eine Retinopathia pigmentosa nur anhand eines Fotos des Auges zu diagnostizieren. Bei der vererbbaren Augenkrankheit verursacht eine spontane Mutation eine Netzhautdegeneration. Diese zerstört Photorezeptoren und zeiht im schlimmsten Fall Blindheit nach sich.

Für eine valide Diagnose müssen die Strukturen des Auges untersucht und Muster bestimmt werden. Der Arzt sondiert mittels eines Vergrößerungsgerätes die Augen. Alternativ – wie in der Studie geschehen – sichtet er die durch eine Weitwinkelkamera aufgenommenen Fotos.

Das Ergebnis: unentschieden. Die Telemedizin schnitt nicht besser oder schlechter ab als die Untersuchung vor Ort. In einigen Fällen machte der Arzt Fehler und übersah Hinweise auf eine drohende Erkrankung. In anderen Fällen war es nicht möglich, auf den Fotos die Krankheit zu diagnostizieren, da Außenbereiche des Auges nicht gänzlich erfasst wurden. Es bleibt also wie beim echten Arztbesuch auch ein bisschen Zufall im Spiel. Schließlich kommen Fehldiagnosen auch im persönlichen Gespräch vor.

Auch andere digitale Hilfsmittel wie spezielle Gesundheits-Apps sind mit Vorsicht zu genießen. Eine Untersuchung hat etwa gezeigt, dass Erinnerungsapps nicht unbedingt dafür sorgen, dass Patienten pünktlich ihre Medizin einnehmen. Wer über solche Hilfsmittel nachdenkt oder sie entwickelt, muss sich darüber im Klaren sein, dass diejenigen, die darauf angewiesen sind, eventuell gar nicht in der Lage sind, sie zu bedienen – etwa, wenn jemand unter Demenz leidet.

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Das gilt eben auch für den Arztbesuch per Videochat. Wenn die Alternative gar keine medizinische Betreuung lautet, ist die Telemedizin mit immerhin brauchbarer Trefferquote vorzuziehen.

Wie smart die Medizin der Zukunft wird, das lesen Sie ebenfalls bei aio.

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