Technik

Tanken wir bald alle Ameisensäure?

von Alexander Cohrs

Die Brennstoffzelle kommt nicht in Fahrt, weil die Lagerung von Wasserstoff kompliziert ist. Studenten aus Holland wollen das Problem mithilfe von Ameisensäure lösen – flüssiger Energie fürs Elektroauto.

Tanken wir bald alle Ameisensäure?
Der Weg in die Zukunft? Ameisensäure ist der Abwehrstoff einer bestimmten Ameisenart – wird aber für die industrielle Nutzung chemisch hergestellt. Foto: Pixabay/diego_torres

Das erfahren Sie gleich:

  • Elektroautos könnten bald so einfach wie Verbrenner betankt werden
  • Fahrzeuge tanken Ameisensäure statt Wasserstoff
  • Noch in diesem Jahr soll ein Bus mit Ameisensäure laufen

Holländer setzen auf Ameisensäure

Bei den Holländern hängt ein Bus an der Wand. Also, genau genommen ist es vielleicht gerade mal ein Zehntel eines Busses, den das „Team Fast“ der TU Eindhoven hier präsentiert, aber immerhin. Die Heckklappe lässt sich öffnen, und dahinter kommt ein imposantes Gebilde aus Schläuchen und Rohren zum Vorschein.

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Dieses Gebilde könnte die Energieprobleme der Menschheit lösen oder, wenn es eine Nummer kleiner sein soll, zumindest dem Elektroauto zum Durchbruch verhelfen. Der Schlüssel dazu ist: Wir könnten künftig Ameisensäure in unsere Fahrzeuge tanken.

Wenn Sie jetzt denken: „Ameisenwas?“, dann haben Sie Recht. Es geht um Ameisensäure, die tatsächlich etwas mit Ameisen zu tun hat – eine bestimmte Ameisenart benutzt es als Abwehrstoff gegen Angreifer. Viel wichtiger aber ist: Mit der Ameisensäure könnten Elektroautos so unkompliziert betankt werden wie Verbrenner und eine ähnlich hohe Reichweite haben.

Das Problem mit dem Wasserstoff

"Elektroautos betanken“ klingt erst mal seltsam, weil wir alle bei Elektroauto an Akkus denken. Dabei ist das ja nur die Art des Energiespeichers; Elektroautos können genauso gut mit einer Brennstoffzelle betrieben werden, die die Energie an Bord erzeugt, indem ein Brennstoff wie Wasserstoff mithilfe eines Oxidationsmittels wie Sauerstoff in Energie umgewandelt wird. Problem daran: Wasserstoff ist leicht entflammbar und muss unter großem Druck gespeichert werden. Die Tankstellen sind teuer und daher rar. „Wir haben bei uns in Eindhoven eine Wasserstofftankstelle“, sagt Teammanager Max Aerts (26) vom Team Fast, „die hat 2,5 Millionen Euro gekostet und schafft gerade mal zwei Fahrzeuge am Tag.“

Tijn Swinkel und Max Aerts von derTU Einhoven
Ausstellungsstück: Techniker Tijn Swinkels (l.) und Industriedesigner Max Aerts präsentieren die Apparatur, mit der Wasserstoff für die Brennstoffzelle gewonnen wird. Foto: aio

Neues Futter für die Brennstoffzelle

Die Lösung der Studenten: Statt gasförmigen Wasserstoff tanken die Fahrzeuge einen Stoff, der zu 99 Prozent aus Ameisensäure besteht und von den Holländern "Hydrozine" genannt wird. Dieser Energieträger wird an Bord in Wasserstoff umgewandelt. Kernstück dieser Erfindung ist der sogenannte Reformer, der so schnell arbeitet, dass er jede Minute 1000 Liter Ameisensäure umwandeln könnte. Vorteil: Kein Gas muss gelagert und nichts unter hohem Druck gespeichert werden. „Es könnten sogar an den Tankstellen die gleichen Tanklager benutzt werden wie für Diesel oder Benzin“, sagt Techniker Tijn Swinkels (21).

Derzeit kostet Ameisensäure rund 50 Cent pro Liter, wird meist aber noch nicht nachhaltig hergestellt, sondern aus Erdöl produziert – damit wäre für die Umwelt also noch nichts gewonnen. „Aber es kann auch aus Biogasprodukten erzeugt werden“, sagt Aerts, „dann wird es zu einer grünen Energie.“

Weil die Energiedichte des neuen Kraftstoffes viel geringer als Diesel ist (100 Liter reichen für etwa 100 Kilometer), bräuchten Fahrzeuge relativ große Tanks – deshalb denken die Studenten aus Eindhoven vor allem an Busse und Lkw. Aerts: „Für den Einsatz in großen Fahrzeugen sind Batterien zu teuer und Wasserstoff zu kompliziert. Hier passt Ameisensäure perfekt.“

Noch in diesem Jahr will das Team Fast einen mit Ameisensäure laufenden Bus präsentieren. Also einen ganzen Bus – nicht nur ein Zehntel an der Wand.

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