Elektromobilität

Tanken, Essen und Einkaufen: Ladesäulen auf dem Kundenparkplatz

von
Alexander Kraft

Das Elektroauto ist ideal für Kurzstrecken zum Einkaufen und Essen gehen. Um den Anreiz zu erhöhen, bieten Läden Ladestationen auf ihrem Parkplatz an.

Eine Ladesäule aus der Nahaufnahme vor einer Aldi-Filiale. Aldi Süd will den Netzausbau vorantreiben.
Gratis und schnell: Aldi Süd stellt entlang der Autobahnen Ladestationen auf – und verschenkt Strom. Foto: ALDI SÜD

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Aldi Süd Elektroauto-Ladestationen aufstellt
  • Wieso Kunden davon doppelt profitieren
  • Was sich der Einzelhandel von dem Engagement verspricht

Das Elektroauto ist ideal für Kurzstrecken zum Einkaufen und Essen gehen. Um den Anreiz zu höhen, bieten immer mehr Läden Ladestationen auf ihrem Parkplatz an.

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Die noch fehlende flächendeckende Ladeinfrastruktur zählt zu den Hauptargumenten von Kritikern der Elektromobilität. Um dieses zu entkräften und gleichzeitig ein wenig Imagepflege zu betreiben, rüsten große Einzelhandelsketten ihre Supermärkte mit Ladestationen aus.

Kunden können während des Einkaufs ihr Elektroauto auf dem Parkplatz mit Strom versorgen – häufig sogar kostenlos. Welche Firmen schon jetzt dabei sind, verrät aio.

Lidl: Hunderte neue Ladestationen geplant

Aktuell ist das Angebot an Ladestationen bei Lidl noch überschaubar. Rund 30 Ladesäulen stehen deutschlandweit an Filialen und in den Logistikzentren zur Verfügung, 20 weitere entstehen gerade. Doch der Ausbau soll jetzt Fahrt aufnehmen. Wie das Unternehmen bestätigt, sind 400 neue Ladesäulen geplant. Sie sollen schon bis März 2020 fertiggestellt sein.

„Um die Mobilitätswende in Deutschland voranzubringen, müssen wir den Menschen die Sorge vor einer begrenzten Reichweite nehmen. Daher ist der flächendeckende Ausbau unserer Ladeinfrastruktur ein entscheidender Faktor für den Erfolg von Elektrofahrzeugen und eine Investition in die Mobilität von morgen“, erklärt Wolf Tiedemann, Geschäftsleiter Zentrale Dienste bei Lidl Deutschland.

Maximal 50 Kilometer sollen künftig zwischen zwei Ladesäulen der Kette liegen, im Durchschnitt sollen es sogar nur etwa 20 Kilometer sein. Lidl will somit "das größte Ladesäulennetz im deutschen Lebensmittelhandel" aufbauen. Der Strom soll zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammen und mit bis zu 50 Kilowatt ins Auto kommen.

Rewe: Ladestationen im ganzen Land

Die Supermarktkette Rewe will Besitzern eines Elektroautos einen zusätzlichen Anreiz zum Einkauf bieten. Im vergangenen Jahr kündigte das Unternehmen an, gemeinsam mit Fastned an vier Standorten rund um Frankfurt kleine Stromtankstellen mit je vier Ladesäulen aufzustellen.

Sollte das Pilotprojekt mit den Schnellladern (maximal 50 kW) Anklang finden, wollen die Partner das Netz in Mitteldeutschland weiter ausbauen. Im Mai 2018 bestätigte Rewe ein ähnliches Vorhaben für den Norden.

Im Rahmen des EU-Projekts “FAST-E” sollen 20 schnelle Ladesäulen auf die Parkplätze der Märkte kommen – in Kooperation mit Allego. Die ersten Stationen stehen in den niedersächsischen Städten Walsrode und Hilter.

In München und Stuttgart gibt es bereits Märkte, die probehalber mit Ladestationen ausgestattet sind.

Aldi Süd: Discounter schafft Ladeinfrastruktur

Anfang August 2018 weihte Aldi Süd vor dem Supermarkt im hessischen Seeheim-Jugenheim die erste von insgesamt 28 geplanten 50-kW-Schnellladestationen ein.

"Elektromobilität ist alltagstauglich und bietet viele Vorteile. Ich bin überzeugt, dass mehr Fahrer umsteigen würden, wenn es ein dichteres Ladenetz gäbe. Die Initiative von Aldi Süd bringt uns ein Stück weiter auf unserem Weg zu einem klimafreundlichen Verkehrssystem", sagte Mathias Samson, Staatssekretär im hessischen Wirtschaftsministerium, während der Eröffnung.

Grün unterwegs von Düsseldorf nach München

Aldi Süd baute die 28 Ladestationen entlang der Autobahnen A3, A5, A6, A7, A8 und A9, um eine maximale Fahrzeit von fünf Minuten von einer Abfahrt aus zu gewährleisten. Dadurch kommt der Netzausbau nicht nur dem Wochenendeinkauf zugute, sondern auch auf Langstrecke, etwa beim Urlaub mit dem Elektroauto. Das Ziel war, dass der Abstand zwischen jedem Supermarkt mit Ladestation maximal 160 Kilometer beträgt.

Zukünftig können Elektroauto-Fahrer beispielsweise von Düsseldorf nach München ausschließlich mit Aldi-Süd-Grünstrom fahren.

Florian Kempf, Leiter Energiemangement bei Aldi Süd

"Mit den neuen Ladesäulen statten wir die Hauptverkehrsrouten durch West- und Süddeutschland flächendeckend mit Elektrotankstellen aus", sagt Kempf, "so lässt es sich auch mit dem Elektroauto gut reisen."

Schnell, kostenlos und nachhaltig

Mit einer Leistung von 50 kW sind die Ladestationen zudem in der Lage, je nach Fahrzeugtyp den Akku innerhalb von 30 Minuten für 200 Kilometer Reichweite aufladen – eine Zeitspanne, die sich sowohl bei Urlaubsfahrten verschmerzen lässt als auch beim Einkauf.

Die in Kooperation mit Innogy aufgestellten Ladestationen unterstützen zudem alle gängigen Anschlüsse: Combined Charging System (CCS), Chademo sowie den Typ-2-Stecker. Seit Ende 2018 stehen die 28 neuen Ladepunkte und erhöhen die Gesamtzahl auf insgesamt 81.

Eine Karte zeigt, wo überall in Süddeutschland Aldi Süd die Ladestationen aufstellen will.
Nur in Süddeutschland: Aldi Nord plant derzeit keinen Aufbau von Ladestationen. Foto: ALDI SÜD

Den Strom dafür stellt Aldi selbst her: Jeder Supermarkt, der mit einer Ladestation auf dem Parkplatz ausgestattet ist, produziert den grünen Strom mit Hilfe einer Photovoltaikanlage auf dem Dach selbst.

Kunden profitieren im doppelten Sinne davon: zum einen, weil der Strom dort wirklich öko ist, und zum anderen, weil das Tanken kostenlos und ohne Registrierung funktioniert. Einzige Einschränkung: Die Ladestation kann nur während der Öffnungszeiten benutzt werden.

Ob und wann Aldi Nord nachzieht, steht derweil noch nicht fest. Ein Grund für die Zurückhaltung ist die aktuell noch vorherrschende Vielzahl an verschiedenen Ladesystemen.

Ikea: Möbelhaus baut Ladestationen

Auch das schwedische Möbelhaus Ikea engagiert sich im Bereich der Nachhaltigkeit. Bis 2020 soll vor jedem der 53 in Deutschland stehenden Einrichtungshäuser eine Ladestation auf dem Parkplatz verfügbar sein.

37 Häuser sind bereits mit einer Stromtankstelle ausgestattet. Dabei setzt das Unternehmen auf Schnellader, die innerhalb der Einkaufszeit wieder einen großen Teil der Energie auffüllen sollen. Auch bei Ikea lädt der Kunde während seines Aufenthalts kostenlos Strom aus Solarenergie.

Kaufland zieht nach

Neben Aldi Süd und Ikea wollen auch andere Läden den Ausbau der Ladeinfrastruktur vorantreiben. Die Einzelhandelskette Kaufland hatte es dabei eilig: Seit Februar stehen an den Filialen 100 Schnellladestatonen mit 50 kW Ladesleistung für Elektroautos. Gespeist, natürlich, mit nachhaltigem Strom aus erneuerbaren Energiequellen.

Doch damit nicht genug, denn laut dem Unternehmen sollen bis Ende 2020 weitere 100 Schnelllader folgen. Die muss Kaufland allerdings ohne Förderung bauen, die es für die ersten 100 Stationen noch vom Staat gab.

EnBW und Hagebau planen gemeinsam

Die Baumarkt-Kette Hagebau plant zusammen mit Energie Baden-Württemberg (EnBW) den Bau von 100 Schnellladesäulen. Sie sollen deutschlandweit auf den Parkplätzen der Filialen stehen. Erste Stromtankstellen gehen bei Hagebau und Werkers Welt noch in diesem Jahr ans Netz. Zu einem späteren Zeitpunkt sind auch Ladesäulen bei Baumärkten in Österreich angedacht.

"Für die Unternehmen lohnt sich das Engagement beim Thema Elektromobilität auf jeden Fall. Es stärkt das Image. Die Marke wirkt dadurch jugendlicher und umweltfreundlicher", zitiert heise.de den Marketing-Experte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU.

Burger und Strom tanken bei McDonald’s

Die US-amerikanische Fastfood-Kette McDonald’s kommt ihren Kunden bald mit einer neuen Technologie entgegen. Gemeinsam mit der Vattenfall-Tochter Nuon plant das Unternehmen Ladesäulen für Elektroautos direkt vor dem Restaurant.

Elektromobilität

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Ende 2018 fiel der Startschuss in den Niederlanden. 168 Filialen bekommen eine Stromtankstelle spendiert, an der Kunden ihre Fahrzeuge während des Essens aufladen. Weil es sich um Schnellladesäulen handelt, sollen die Autos innerhalb kurzer Zeit neuen Saft bekommen – zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien.

Geplant sind zwei Ladesäulen pro Filiale. Die einzige Voraussetzung: Es muss ein McDrive-Schalter vor Ort sein. In Deutschland erprobt McDonald’s die Säulen bereits seit ein paar Jahren in Städten wie Berlin, München und Köln. Eine bundesweite Abdeckung ist in Zukunft denkbar.

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