Elektromobilität

Tanken am Supermarkt: Nicht nur Aldi und Rewe bauen Ladestationen

von Alexander Kraft

Das Elektroauto ist ideal für den Einkauf beim Supermarkt um die Ecke. Um den Anreiz zu höhen, bieten immer mehr Läden Ladestationen auf ihrem Parkplatz an.

Eine Ladesäule aus der Nahaufnahme vor einer Aldi-Filiale. Aldi Süd will den Netzausbau vorantreiben.
Gratis und schnell: Aldi Süd stellt entlang der Autobahnen Ladestationen auf – und verschenkt Strom. Foto: ALDI SÜD

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Aldi Süd Elektroauto-Ladestationen aufstellt
  • Wieso Kunden davon doppelt profitieren
  • Was sich der Einzelhandel von dem Engagement verspricht

Die noch fehlende flächendeckende Ladeinfrastruktur zählt zu den Hauptargumenten von Kritikern der Elektromobilität. Um dieses zu entkräften und gleichzeitig ein wenig Imagepflege zu betreiben, rüsten große Einzelhandelsketten wie Edeka, Kaufland und Aldi Süd ihre Supermärkte mit Ladestationen aus. Kunden können während des Einkaufs ihr Elektroauto auf dem Parkplatz mit Strom versorgen – häufig sogar kostenlos.

Laden vor dem Laden: Der Parkplatz wird zur E-Tankstelle

Anfang August 2018 weihte Aldi Süd vor dem Supermarkt im hessischen Seeheim-Jugenheim die erste von insgesamt 28 geplanten 50-kW-Schnellladestationen ein.

"Elektromobilität ist alltagstauglich und bietet viele Vorteile. Ich bin überzeugt, dass mehr Fahrer umsteigen würden, wenn es ein dichteres Ladenetz gäbe. Die Initiative von Aldi Süd bringt uns ein Stück weiter auf unserem Weg zu einem klimafreundlichen Verkehrssystem", sagte Mathias Samson, Staatssekretär im hessischen Wirtschaftsministerium, während der Eröffnung.

Grün unterwegs von Düsseldorf nach München

Aldi Süd plant, die 28 Ladestationen entlang der Autobahnen A3, A5, A6, A7, A8 und A9 zu bauen, um eine maximale Fahrzeit von fünf Minuten von einer Abfahrt aus zu gewährleisten. Dadurch kommt der Netzausbau nicht nur dem Wochenendeinkauf zugute, sondern auch auf Langstrecke, etwa beim Urlaub mit dem Elektroauto. Das Ziel soll sein, dass der Abstand zwischen jedem Supermarkt mit Ladestation maximal 160 Kilometer beträgt.

Zukünftig können Elektroauto-Fahrer beispielsweise von Düsseldorf nach München ausschließlich mit Aldi-Süd-Grünstrom fahren.

Florian Kempf, Leiter Energiemangement bei Aldi Süd

"Mit den neuen Ladesäulen statten wir die Hauptverkehrsrouten durch West- und Süddeutschland flächendeckend mit Elektrotankstellen aus", sagt Florian Kempf, Leiter Energiemanagement bei Aldi Süd, "so lässt es sich auch mit dem Elektroauto gut reisen."

Schnell, kostenlos und nachhaltig

Mit einer Leistung von 50 kW ist die Ladestation zudem in der Lage, je nach Fahrzeugtyp den Akku innerhalb von 30 Minuten für 200 Kilometer Reichweite aufladen – eine Zeitspanne, die sich sowohl bei Urlaubsfahrten verschmerzen lässt als auch beim Einkauf. Die in Kooperation mit Innogy aufgestellten Ladestationen unterstützen zudem alle gängigen Anschlüsse: Combined Charging System (CCS), Chademo sowie den Typ-2-Stecker.

Bis Ende 2018 sollen die 28 neuen Ladepunkte stehen und damit die Gesamtzahl auf insgesamt 81 erhöhen.

Eine Karte zeigt, wo überall in Süddeutschland Aldi Süd die Ladestationen aufstellen will.
Nur in Süddeutschland: Aldi Nord plant derzeit keinen Aufbau von Ladestationen. Foto: ALDI SÜD

Den Strom dafür stellt Aldi selbst her: Jeder Supermarkt, der fortan mit einer Ladestation auf dem Parkplatz ausgestattet wird, produziert den grünen Strom mit Hilfe einer Photovoltaikanlage auf dem Dach selbst.

Kunden profitieren im doppelten Sinne davon: zum einen, weil der Strom dort wirklich öko ist, und zum anderen, weil das Tanken kostenlos und ohne Registrierung funktioniert. Einzige Einschränkung: Die Ladestation kann nur während der Öffnungszeiten benutzt werden.

Ob und wann Aldi Nord nachzieht, steht derweil noch nicht fest. Ein Grund für die Zurückhaltung ist die aktuell noch vorherrschende Vielzahl an verschiedenen Ladesystemen.

Der Einzelhandel entdeckt die Elektromobilität

Aldi Süd ist dennoch bei weitem nicht der einzige Supermarkt, der im großen Stil Ladestationen aufstellt.

Auch das schwedische Möbelhaus Ikea engagiert sich im Bereich der Nachhaltigkeit. Bis 2020 soll vor jedem der über 50 in Deutschland stehenden Einrichtungshäuser eine Ladestation auf dem Parkplatz verfügbar sein. Zwei Drittel davon sind schon jetzt geschafft. Auch bei Ikea lädt der Kunde während seines Aufenthalts kostenlos Strom aus Solarenergie.

Die Einzelhandelskette Kaufland hat es sogar noch eiliger: Bis Anfang 2019 plant das Unternehmen rund 100 50-kW-Schnellladestationen für Elektroautos. Gespeist, natürlich, mit nachhaltigem Strom aus erneuerbaren Energiequellen.

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Neben Aldi Süd und Kaufland wollen auch Rewe und Lidl den Ausbau der Ladeinfrastruktur vorantreiben. Rewe hat bereits 50 Ladestationen aufgestellt, bei Lidl sind es bislang neun. Allerdings lautet auch bei dem direkten Aldi-Konkurrenten das Ziel, jede neu eröffnete Filiale von vornherein mit einer Lademöglichkeit auszustatten.

Eine Ladestation auf einem Parkplatz von Kaufland. Geplant sind 100 Stück bis 2019.
Kaufland setzt ebenfalls auf Nachhaltigkeit: Bis 2019 will die Kette 100 Ladestationen installieren. Foto: Kaufland

"Für die Unternehmen lohnt sich das Engagement beim Thema Elektromobilität auf jeden Fall. Es stärkt das Image. Die Marke wirkt dadurch jugendlicher und umweltfreundlicher", zitiert heise.de den Marketing-Experte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU.

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