Gesundheit

Supermarktketten sagen dem Zucker den Kampf an

von Leonie Butz

Überzuckerte Ernährung ist ungesund. Deshalb wollen Supermarktketten weniger Zucker nutzen. Der Weg zu neuen zuckerreduzierten Produkten ist aber noch lang.

Süßigkeiten: WHO fordert weniger Werbung und weniger Zucker
Werbung für Süßigkeiten richtet sich oft direkt an Kinder. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert deshalb eine Regulierung des Marketings für ungesunde Lebensmittel. Foto: Unsplash/Sylvanus Urban

Das erfahren Sie gleich:

  • Einige Supermarktketten wollen weniger Zucker in Eigenprodukte packen – aber mit Einschränkung
  • Denn besonders Kinder lassen sich von Werbung für süße Naschereien viel zu leicht ködern
  • Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert Restriktionen für die Werbung

Weniger Zucker und weniger Geschmack?

Weniger Zucker und weniger Geschmack? Zu viel Zucker, zu viel Fett. Unsere Ernährung ist oft ziemlich ungesund. Wie sich das auf uns – und besonders auf unsere Kinder – auswirkt, zeigte jüngst eine Untersuchung der WHO. In Europa sind 15 Prozent der Kinder übergewichtig, rund sieben Prozent sind adipös. Das fand die Organisation gemeinsam mit dem Imperial College London heraus. Demnach hat sich die Zahl der fettleibigen Kinder zwischen fünf und 19 Jahre in den vergangenen 40 Jahren mehr als verzehnfacht. Es besteht also dringender Handlungsbedarf. Etwas gegen den Bewegungsmangel unserer Gesellschaft zu tun ist nur der halbe Weg – auch unsere Essgewohnheiten müssen sich ändern.

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Einige deutsche Supermarktketten haben deshalb marketingwirksame Kampagnen entwickelt, um ihre Eigenprodukte zu verschlanken. Weniger Zucker und weniger Salz soll dann in Fertigprodukten und Naschereien landen. Rewe will deshalb noch in diesem Jahr 100 neue Eigenmarken-Produkte mit weniger Zucker einführen. Aber auch Lidl will in den Eigenmarken den Zucker um 20 Prozent verringern. Edeka und Aldi ziehen nach und wollen ebenfalls verschlankte Produkte anbieten. Bei Rewe geht die Umstellung mit einer Werbekampagne einher, die Kunden Varianten eines Schokoladenpuddings mit unterschiedlichen Zuckergehalt testen lassen. Der Geschmacks-Gewinner landet im Regal – und da ist es dem Unternehmen auch egal, wenn die Variante mit dem meisten Zucker gewinnt. Weniger Zucker ja, aber nicht auf Kosten des Geschmacks.

WHO fordert Verbot für Werbung an Kinder

Und der Geschmack ist eben das, woran sich die Konsumenten gewöhnt haben. Und kommt der dann mit ansprechender Werbung einher, ist das Risiko einer ungesunden Ernährung für Kinder gleich um ein Vielfaches höher. Unternehmen werben mit Comicfiguren und Stars oder regen mit Spielzeug in den Packungen das Kaufinteresse an. Mini-Spiele, lustige Hashtags zum Teilen in sozialen Netzwerken oder Sponsoring von Veranstaltungen: Süßigkeiten-Werbung ist überall. Gerade Kinder haben oft Schwierigkeiten, sich dieser zu entziehen. So zeigte vor zwei Jahren eine Studie der britischen Medienaufsichtsbehörde Ofcom, dass nur rund 16 Prozent der acht- bis elfjährigen Werbung bei Google oder YouTube von echten Inhalten unterscheiden können.

Dabei sind rund 73 Prozent der Lebensmittel für Kinder laut der Ernährungstabelle aid des Bundesverbraucherministeriums ungesund und überzuckert. Ende 2017 veranstaltete die WHO gemeinsam mit dem National Institute of Public Health in Slowenien deshalb einen Workshop. Dort formulierte sie ein Vorgehen gegen auf Kinder abzielendes Marketing. Die Veranstaltung steht im Zusammenhang mit mit dem „Europäischen Aktions-Netzwerk zur Reduzierung des Werbedrucks auf Kinder“, das die WHO 2008 gründete. Aus dem Treffen entwickelten sich Forderungen nach klaren Richtlinien zur Regulierung von Werbung sowie mehr Ressourcen für Untersuchungen zu digitalem, an Kinder gerichtetem Marketing. Außerdem bemängelte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) irreführende Gesundheitsversprechen auf überzuckerten Snacks. Sie fordern ein Verbot solcher gesunden Anstriche für Lebensmittel ab einer gewissen Menge an Zucker, Salz oder Fett.

Weniger Werbung, weniger Zucker
Verbraucherschützer fordern bereits seit Jahren eine Lebensmittelampel, die auf den ersten Blick erkennen lässt, ob das Essen gesund ist oder nicht. Foto: Unsplash/Patrick Fore

Die umstrittene Lebensmittelampel

Neben weniger Werbung fordern Verbraucherschützer deshalb vor allem die zügige Durchsetzung der Lebensmittelampel. Sie soll mit grünen, gelben und roten Angaben zu Fett, Zucker und Salz in der Nahrung leicht verständliche Angaben zur Gesundheit der Lebensmittel geben. Dabei gehe es nicht darum, Äpfeln oder Wasser eine Lebensmittelampel zu verpassen. Das betonte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, gegenüber der dpa. Vielmehr wolle man bei fertigen Lebensmitteln die oft verworrenen Angaben simpler gestalten und vereinheitlichen. Die deutsche Lebensmittelwirtschaft steht dieser Vereinfachung jedoch kritisch gegenüber, da sich aus den Einzelwerten nicht zwangsläufig auf die Gesundheit der Produkte schließen ließe.

Mit einigen Ländern arbeitet die Weltgesundheitsorganisation sogar bereits an Restriktionen für das Marketing bei Kindern.

In anderen Ländern ist der Kampf gegen Zucker in der Ernährung bereits weiter fortgeschritten. „Wir haben bereits einige ermutigende Erfolge erzielt“, so einer der WHO-Europa-Chefs, Dr João Breda. „Es ist möglich, Hersteller zu weniger Zucker in ihren Produkten zu bringen. Etwa durch spezielle Label oder Steuererhöhungen für überzuckerte Lebensmittel.“ Mit einigen Ländern arbeitet die Weltgesundheitsorganisation sogar bereits an Restriktionen für das Marketing bei Kindern.

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