Elektromobilität

Studie: Warum Windenergie und Ökostrom langsames Laden mögen

von
Manuel Berkel

Schnellladen ist zwar komfortabel, doch nun zeigt sich: Langsames Stromzapfen hilft besser, möglichst viel Ökostrom in die Akkus von E-Autos zu bekommen.

Windräder zwischen Feldern.
Windräder liefern Ökostrom für Haushalte oder E-Autos. Foto: Shutterstock/aaltair

Das erfahren Sie gleich:

  • Wieso Wissenschaftler Fans von Normallladesäulen und Windenergie sind
  • Warum Ökostrom und Schnellladesäulen nicht zusammenpassen
  • Weshalb chinesische Forscher besonders Taxis und Busse elektrisch machen wollen, um Stickoxide zu reduzieren

Um Ladesäulen läuft derzeit ein regelrechtes Wettrennen: Wie lassen sich möglichst schnell möglichst viele Stationen aufstellen? Gemessen werden die Erfolge vor allem am Ausbau von Schnellladern ab 50 kW.

Vollelektrischer Fahrspaß

Jetzt für Audi e-tron News registrieren

Jetzt kostenlos anmelden

audi.de/DAT-Hinweis

Die hohen Leistungen sorgen dafür, dass ein Ladestopp nicht zur Halbtagsbeschäftigung wird, sondern kaum länger dauert als der Halt an einer Tankstelle. Doch eine Studie im renommierten Fachmagazin Nature Energy legt nun nahe, dass ständiges Schnellladen für die Elektromobilität nicht die beste Option für den Klimaschutz wäre.

Schnellladen steigert den CO2-Ausstoß

Laden mit hohen Leistungen lässt den CO2-Ausstoß der stromliefernden Kraftwerke signifikant ansteigen. Das schreibt das Forscherteam der US-Eliteuni Harvard sowie zweier Hochschulen in Peking und Xi’an.

Besonders eine Erkenntnis für die untersuchte Region Peking überrascht. Der negative Effekt des Schnellladens auf das Klima verstärkt sich sogar noch, wenn der Anteil von Ökostrom im Energiemix steigt. Es würde also zumindest in dieser Hinsicht nichts bringen, immer mehr Windräder und Solaranlagen aufzustellen.

Normalladen sollte Standard bleiben

Auf Deutschland lassen sich die Ergebnisse allerdings nur zum Teil übertragen. Bekannt ist, dass Laden bei niedrigeren Leistungen für das Stromnetz verträglicher ist.

Gesteuertes Normalladen ist die bessere Variante zur Integration von erneuerbaren Energien.

Peter Kasten vom Öko-Institut in Freiburg

Peter Kasten, Öko-Institut in Freiburg.
Peter Kasten, vom Öko-Institut in Freiburg, ist gegenüber der Studie skeptisch. Foto: Peter Kasten/Öko-Institut e.V.

Aber auch die Erkenntnisse der chinesischen Wissenschaftler zum Zusammenhang zwischen Ladegeschwindigkeit und CO2-Ausstoß bestätigt der Freiburger Forscher.

Für das ungesteuerte Schnellladen müssen vermehrt fossile Kraftwerke angeschmissen werden.

Peter Kasten

Normalladen solle deshalb der Standard sein und sich das Schnellladen wirklich nur auf Autobahnfahrten oder andere dringende Fälle beschränken, meint Kasten. Allein schon wegen der Preisunterschiede dürfte sich diese Nutzung aber schon von selbst einstellen.

Öffentlicher Nahverkehr wartet auf Elektrobusse

Andere Ergebnisse der chinesisch-amerikanischen Studie sieht Kasten kritischer. So schreiben die Forscher, dass die Umstellung von Taxis und Bussen auf Elektrofahrzeuge der zweiteffektivste Weg sei, die umstrittenen Stickoxide (NOx) zu reduzieren – nach strengeren Abgasstandards für Kohle- und Gaskraftwerke.

Gerade bei Bussen gebe es aber sehr viel günstigere Wege, die NOx-Werte zu senken als eine schnelle Elektrifizierung, sagt Kasten.

Elektromobilität

Updates abonnieren und Dossier "E-Mobility" gratis erhalten.

Moderne Euro-6-Busse halten die Grenzwerte für Stickoxide ein und sind sogar sauberer als viele Pkw.

Peter Kasten

Vor Kurzem hatte zum Beispiel die Berliner BVG angekündigt, in den nächsten Jahren bis zu 950 solcher Busse anschaffen zu wollen. Allerdings sollen weniger Dieselbusse eingekauft werden, falls Elektrobusse schneller auf den Markt kommen. Für ältere Busse der Normen Euro 4 und 5 sei die Nachrüstung mit einem SRC-Katalysator eine preisgünstige Möglichkeit, den Stickoxid-Ausstoß zu senken, berichtet Kasten – so kämen sie dann auch weiterhin durch Zonen mit Diesel-Fahrverbot.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.

Schließen