Elektromobilität

Studie: Selbstfahrende Autos schaffen auch Probleme

von Marten Zabel

Welche Probleme werden selbstfahrende Autos möglicherweise aufwerfen? Forscher haben analysiert, was auf die Gesellschaft zukommt.

Kind auf dem Rücksitz eines Autos.
Zeit zum Entspannen: Im autonomen Auto muss sich niemand mehr um den Verkehr kümmern. So könnten sogar Kinder eigenständig von A nach B kommen. Foto: Shutterstock / Ole_CNX

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie selbstfahrende Autos den Verkehr sicherer machen und Lebenszeit spenden sollen
  • Was laut einer Studie die gesellschaftlichen Nachteile der Technologie sind
  • Wie autonome Autos die Zersiedelung beschleunigen könnten

Autos ohne eine Person am Steuer, die aktiv in das Geschehen eingreift, sind immer wieder Gegenstand von Diskussionen. Eine gemeinsame Studie mehrerer Universitäten zeigt auf, wie sich die Einführung autonomer Fahrzeuge voraussichtlich auf die gesamte Gesellschaft auswirkt.

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Neben den vielerorts gepriesenen Vorteilen der Technologie, die etwa das Leben der Reisenden erleichtern soll, haben sich dabei auch klare Nachteile herausgestellt.

Selbstfahrende Autos und ihre Auswirkungen

Die hängen vor allem mit der steigenden Nutzung von Autos durch mehr Menschen sowie einer geringeren Hemmung, regelmäßig auch weite Fahrtwege zurückzulegen, zusammen.

Weniger Staus, keine Parkplatzsuche, geringere Unfallrisiken und eine höhere Effizienz – das sind die erwarteten Vorteile der Revolution, an deren Ende nicht länger Menschen, sondern Computer das Auto steuern. Wie die Forscher der TU Wien, der BOKU Wien und der Universität Leeds feststellen, könnten Nachteile einige dieser Vorteile aber auch direkt wieder ausgleichen.

Zum Beispiel dürfte eine Gesellschaft, in der auch kleine Kinder alleine Autofahren können, deutlich mehr Wege mit dem Pkw zurücklegen.

Autonome Fahrzeuge werden mehr genutzt

Für die Stadt Leeds haben die Forscher die Sache am Computer bereits modelliert. Dabei zeigen sich einige Schlüsselwerte, die wohl eher negativ als positiv zu werten sind: Können Autos autonom fahren, legen die Menschen pro Person in der Simulation zwischen 30 und 40 Prozent mehr Kilometer damit zurück. Im Gegenzug sinken die mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt Strecken um fünf bis 20 Prozent.

Diese Tendenz bedeutet, dass durch die selbstfahrenden Autos letztlich doch mehr Energie in den Verkehr fließen muss, als es bislang der Fall ist. Dabei wäre das im Falle von Elektroautos weniger dramatisch als bei Verbrennern – der Strom muss aber auch irgendwo entstehen und stammt schließlich nicht direkt aus der Steckdose. Auch der bei Kindern bereits jetzt vorhandene Bewegungsmangel dürfte sich verstärken, wenn das Fahrrad neben dem Auto für den Schulweg schlichtweg das weniger attraktive Fortbewegungsmittel darstellt.

Blick über mehrere kleine Ortschaften.
Die Zersiedelung ist ein gesellschaftliches Problem, das autonome Fahrzeuge noch weiter verschlimmern könnten. Foto: Shutterstock / riekephotos

Steigerung der Zersiedelung

Der zweite Problemkomplex in Sachen selbstfahrende Autos ist die Zersiedelung: Viele Konzepte zeigen das autonome Fahrzeug als rollendes Wohnzimmer oder mobiles Büro. Das dürfte laut den Forschern dazu führen, dass der Wohnort künftig noch weiter vom Arbeitsplatz entfernt liegen darf, da die Menschen eine lange Pendelzeit nicht mehr als anstrengende Belastung betrachten. Für die Wohnpreise mag das ein Segen sein; die Zersiedelung des ländlichen Raums, wo der nächste Nachbar weit weg ist und ein motorisiertes Zurücklegen von immer weiteren Strecken erfolgt, ist allerdings ein Problem.

Updates

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Die vorhergesagte massive Steigerung des Verkehrsaufkommens durch selbstfahrende Autos hat aus Sicht der Forschung ebenso wenig eine einfache Lösung, wie die anderen Nachteile der Technologie. Weitere internationale Forschungsarbeiten sollen Details liefern und aufzeigen, wo Politik und Gesellschaft sich schon einmal darauf vorbereiten müssen mit neuen Umständen umzugehen.

Eine Weiterentwicklung des rechtlichen Rahmens dürfte genauso notwendig sein, wie moralische Regeln zur Nutzung autonomer Fahrzeuge. Denn jeder Weg, den Menschen aus eigener Kraft zurücklegen, anstatt sich einem motorisierten Fahrzeug anzuvertrauen, ist gut für die Gesundheit. Schon jetzt heißt es unter Gesundheitsexperten, Sitzen sei das neue Rauchen – das ändert sich nicht, wenn mehr Menschen noch mehr Wege ohne Muskelkraft zurücklegen.

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