Elektromobilität

Strompreise: Elektroautos könnten die Kosten senken

von Thomas Pitscheneder

Die steigende Anzahl an Elektroautos treibt die Kosten für die Kilowattstunde Strom in die Höhe? Laut einer Studie soll das Gegenteil der Fall sein.

Electrical Transmission Tower; Shutterstock ID 769047616; Jobnummer: 23966; Bestellt durch: Carina; Kunde: Audi/aio Foto: Shutterstock / Logan Yang

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Elektroautos die Stromkosten senken könnten
  • Wie der Strompreis 2019 zunächst in die Höhe klettert
  • Welche Faktoren die Preise beeinflussen

Einer der großen Vorteile der Elektromobilität ist, dass die Fahrzeuge nicht mehr an den Ölpreis gebunden sind. Klettert Superbenzin also mal wieder über die 1,50 Euro pro Liter, zucken Fahrer eines Elektroautos nur locker mit der Schulter. So einfach ist es aber meist doch nicht, denn auch elektrisch betriebene Fahrzeuge sind schwankenden Preisen ausgesetzt. Das beginnt schon bei den öffentlichen Ladesäulen und setzt sich an der heimischen Steckdose fort.

Grund dafür ist der instabile Strompreis in Deutschland. Zwar liegt die Kilowattstunde weit unter vergleichbaren Mengen Benzin, ein wenig Unsicherheit ist aber beim Aufladen immer dabei. Zu Unrecht?

Fraunhofer-Institut: Elektroautos könnten Strompreise senken

Laut dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (Fraunhofer ISI), könnten Elektroautos dafür sorgen, dass die Strompreise in Deutschland sogar sinken. Dafür rechnen die Forscher etwas in die Zukunft, genauer ins Jahr 2030. Laut dem Institut ist zu diesem Zeitpunkt mit 4 Millionen Elektrofahrzeugen zu rechnen. Die erzeugen einen zusätzlichen Nettostrombedarf von rund 12 TWh.

Auf dieser Basis fallen an einigen Punkten natürlich zusätzliche Kosten an. So müssten Kraftwerke etwa mit höheren variablen Kosten rechnen. Außerdem steigen durch die regionalen Unterschiede mancherorts die Netznutzungsentgelte. Doch andere Posten sollen das schnell Überkompensieren.

Besonders zu beachten seien laut Fraunhofer-Institut die Fixkosten zum Betreiben der Stromnetze. Diese machen einen großen Teil der Gesamtkosten aus. Hängen mehr Elektroautos am Netz, fließt mehr Strom durch die Leitungen. Das sorgt für eine bessere Auslastung, was die spezifischen Entgelte senkt. Bei den Haushalten äußert sich das durch geringere Stromkosten.

Ladevorgänge müssen gewisse Bedingungen erfüllen

Damit das funktioniert, muss das Ladesystem optimiert sein. Die oft in Studien gefürchtete Spitze in der Nachfrage gegen 18 Uhr darf es dann nicht geben. Laden die Fahrzeuge zu großen Teilen gleichzeitig, kann es nicht nur zu Ausfällen im Stromnetz kommen, sondern eben auch zu höheren Kosten.

Dafür sollen sich die Fahrer nicht etwa mit ihren Nachbarn absprechen, wer sein Auto wann an die Steckdose hängt. Vielmehr soll das Netz selbst die Stromverteilung intelligent steuern. So käme es laut den Forschern zu einer Optimierung. Die Autos hängen zwar alle gleichzeitig am Netz, das Lastmanagement steuert jedoch die Ladevorgänge individuell. So ist das Auto am Morgen vollständig aufgeladen, ohne das Netz zu überlasten.

Es hat sich gezeigt, dass in der Regel die entgeltsenkenden Effekte überwiegen und in Summe die Strompreise für deutsche Haushalte um bis zu vier Prozent gesenkt werden können.

Martin Wietschel, Studienautor am Fraunhofer-Institut ISI

Die Folge: Es sind keine zusätzlichen Investitionen für einen Ausbau notwendig. Außerdem laden die Fahrzeuge dann, wenn Strom günstig zur Verfügung steht. Auch das drückt die Preise wieder.

Mehr Autos durch niedrigere Ladeleistung kompensieren

Ein nicht unwesentlicher Aspekt bei der Betrachtung ist die Ladeleistung der Fahrzeuge. Das Fraunhofer-Institut ISI fertigte seine Berechnungen auf Basis von von 3,7 kW, 11 kW und 22 kW an. Laut Studie sind selbst bei ungesteuertem Laden bis 11 kW keine zusätzlichen Investitionen ins Netz notwendig. Erst darüber hinaus kommt es zu zusätzlichen Kosten.

Als Handlungsempfehlung für die Politik nennen die Forscher deshalb eine Begrenzung der maximalen Ladeleistung auf 11 kW. Das kann auch bei einer höheren Marktdurchdringung hilfreich sein. Natürlich gilt das nur für private Haushalte, nicht für das öffentliche Ladenetz. Das war nicht Gegenstand der Betrachtung, weshalb auch keine höheren Ladeleistungen als 22 kW auftauchen. Die seien laut Institut auch in Zukunft ans Mittelspannungsnetz angeschlossen.

Zunächst höhere Strompreise im Jahr 2019

Bevor es aber zu sinkenden Strompreisen durch Elektroautos kommen kann, gehen die Kosten für Privathaushalte in die Höhe. Dafür verantwortlich ist etwa ein zusätzlicher Posten, der den Preis negativ verändert. So kommt eine neue Offshore-Umlage, die Windkraftanlagen auf hoher See finanzieren soll.

Doch auch die bisherigen Kosten steigen zum Teil. Der Einkauf von Energie aus nicht erneuerbaren Trägern ist künftig teurer. Genauer geht es um Gas und Kohle, die hohe CO2-Gebühren beeinflussen. Außerdem ist mit steigenden Netzentgelten zu rechnen. Laut dem Vergleichsportal Verivox bezahlen Haushalte in Deutschland im kommenden Jahr rund 0,4 Prozent mehr für die Kilowattstunde. Der tatsächliche Wert könnte regional noch viel höher liegen.

So setzt sich der Strompreis zusammen

Die Kosten für die Endverbraucher sind beim Strompreis von einer Vielzahl an Faktoren abhängig. Im Blick hat diese die Bundesnetzagentur. In einem Monitoringbericht für das Jahr 2017 schlüsselt die Behörde die Verursacher der Kosten auf – ausgehend von einem Stromverbrauch zwischen 2500 und 5000 kWh pro Jahr.

Strompreis in Deutschland zum 1. April 2017
Die Grafik zeigt, wie sich der Strompreis im Jahr 2017 zusammengesetzt hat. 2019 kommt es zu tiefgreifenden Änderungen, die Auswirkungen auf den Preis haben. Foto: Bundesministerium der Finanzen

Größter Posten ist das Nettonetzentgelt in Kombination mit den Kosten für die Abrechnung mit 23,4 Prozent. Dieser Anteil fließt über den Versorger an den Netzbetreiber. Direkt dahinter liegt mit 23 Prozent die EEG-Umlage. Sie errechnet sich aus der Differenz zwischen den Einnahmen aus dem Verkauf und der zu leistenden Vergütung, also den Ausgaben. Indirekt fließt das Geld also an die Erzeuger von Ökostrom.

Die Energiebeschaffung und der Vertrieb verursachen Kosten für die Versorger – zusätzlich rechnen sie eine Marge auf. Zusammen macht der Posten 21,5 Prozent aus. Natürlich geht die Bereitstellung von Strom nicht am Staat vorbei, der 16 Prozent Umsatzsteuer eintreibt und zusätzliche 6,9 Prozent an Stromsteuer nimmt.

An die Gemeinden bezahlen die Versorger eine Konzessionsabgabe in Höhe von 5,4 Prozent. Damit erkaufen sie sich das Recht, die für die Versorgung der Verbraucher notwendige Leitungen zu verlegen und dafür öffentliche Wege zu nutzen.

Die Einspeisung von Strom aus Anlagen der Kraft-Wärme-Kopplung sorgt für eine Umlage in Höhe von 1,5 Prozent. Weitere 1,3 Prozent macht die Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV), also die Ermittlung der Nutzungsentgelte für die Durchleitung von Strom durch die Netze, aus. Die Kosten für regelmäßige Messungen und den Betrieb von Messstellen tragen Kunden mit 1,1 Prozent mit. Kaum ins Gewicht fällt die Umlage für abschaltbare Lasten in Höhe von 0,02 Prozent.

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