Elektromobilität

E-Auto als Gebrauchtwagen kaufen: Was muss ich beachten?

von Leonie Butz

E-Autos liegen preislich noch deutlich über Dieseln oder Benzinern. Lohnt es sich, ein Elektroauto als Gebrauchtwagen zu kaufen? Die wichtigsten Tipps.

Ein alter Stromanzeiger von General Electric; der Zeiger zeigt auf 400 Volt.
Die Leistung des Akkus ist das wertvollste Gut: Wer einen elektrischen Gebrauchtwagen kaufen will, der muss bei der Batterie ganz genau hinschauen. Foto: Unsplash/Thomas Kelley

Das erfahren Sie gleich:

  • Ob ein altes E-Auto noch genug Leistung bringt
  • Wie sich feststellen lässt, ob der Akku noch in Ordnung ist
  • Wie Sie die passende Werkstatt für den Gebrauchtwagencheck finden
  • Wo Sie günstige Elektroautos als Gebrauchtwagen kaufen können

Bei einem gebrauchten E-Auto ist vor allem eine Frage entscheidend: Wie sieht es mit der Kapazität des Akkus aus? Viele Autohersteller versprechen bei ihren Wagen einen minimalen Leistungsverlust – auch nach etlichen tausenden Kilometern.

Aber wie sieht die Realität aus? Hier beginnt das Problem: Da das moderne Elektroauto noch sehr jung ist, die Elektromobilität noch in den Anfängen steckt, gibt es kaum vergleichbare Dauertests. Doch ein paar Erkenntnisse lassen sich trotzdem schon gewinnen.

Kann ein E-Auto auch im Langzeittest überzeugen?

Der ADAC machte in den vergangenen Jahren mehrere Langzeittests – und die Ergebnisse sind sehr positiv.

Beim Nissan Leaf (1. Generation) stellten sie lediglich einen Verlust von elf Prozent Akkuleistung fest, von 24,4 kWh auf 20,1 kWh. Die Reichweite sank von 113 auf 93 Kilometer – und das nach:

  • 6 Jahren Testzeitraum
  • 92.500 gefahrenen Kilometern

Ein ähnliches Ergebnis beobachtet der ADAC beim BMW i3 mit Range Extender im Langzeittest. Die Kapazität des Akkus sank von 106 Kilometer Prüfstandsreichweite zu Testbeginn auf zuletzt 99 Kilometer.

  • 4 Jahre Testzeitraum
  • 78.000 gefahrene Kilometer

Negativ bewertete der ADAC den Verschleiß der Reifen: Bereits nach 14.000 Kilometern war der erste Winterreifensatz abgefahren.

Bei den Langzeittests hat sich außerdem gezeigt, dass Verschleißteile beim E-Auto sehr viel weniger in Mitleidenschaft gezogen werden. Insbesondere die Bremsen werden dank der Rekuperation – oder Energierückgewinnung – kaum beansprucht.

Defekte und Auffälligkeiten beim BMW i3:

  • 14.000 km: Winterreifen abgefahren
  • 35.700 km: Türsensor und Tankdeckel defekt
  • 64.700 km: Ladekabel defekt
  • 65.947 km: Federbeinlager-Austausch

Defekte und Auffälligkeiten beim Nissan Leaf:

  • 37.590 km: Achsmanschette nach Marderbiss erneuert
  • 62.239 km: reduzierte Rekuperation an kalten Tagen
  • 72.393 km: 12-V-Starterbatterie defekt
  • 83.572 km: teilweise reduzierte Rekuperation

Der ADAC dazu: "Sind also bald neue Batterien fällig? Nicht zwingend. Die kritische Grenze von 70-80 Prozent je Hersteller der ursprünglichen Kapazität ist bei beiden Fahrzeugen noch nicht erreicht."

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Langzeittests des Tesla Model S. Auch nach langem Gebrauch ist die Leistung des Akkus weniger problematisch als angenommen:

Selbst nach 240.000 Kilometern überstieg der Leistungsverlust bei 900 Tesla-Fahrern des holländisch-belgischen Tesla Motors Clubs bei kaum einem Auto 20 Prozent.

Fazit: Der Akku ist das wertvollste, aber auch ein stabiles Gut im E-Auto. Auch nach langem, intensivem Gebrauch bringt er noch mindestens 80 Prozent Leistung. Ist der Akku im Gebrauchtwagen in Ordnung, spricht also nichts gegen den Kauf eines gebrauchten E-Autos.

Ist der Akku beim Gebrauchtwagen noch in Ordnung? Fünf Tipps

1. Bei der Probefahrt auf einen vollen Akku bestehen

Wer sich ein E-Auto als Gebrauchtwagen kaufen will, sollte immer zuerst auf den Akku schauen. Die Reichweite können Sie bereits während der Probefahrt selbst testen.

Hans Duschl vom ADAC rät, die Probefahrt immer mit einem vollen Akku zu machen. So lässt sich die Reichweite zu Beginn und in der Entwicklung während der Fahrt recht gut einschätzen.

2. Über die Garantie für den Akku informieren

Informieren Sie sich vor dem Kauf in jedem Fall beim Hersteller, wie es mit der Garantie bei Ihrem Wunsch-Auto aussieht. Mit einem defekten Akku greift auch bei einem Gebrauchtwagen die Garantie – falls der Hersteller eine gibt.

Dazu der ADAC: Im Fall des Nissan Leafs (1. Generation mit 24 kWh-Batterie) liegt die Garantie bei fünf Jahren oder 100.000 km. Für den Leaf mit 30 kWh-Batterie und das aktuelle Modell gelten acht Jahre oder 160.000 km. BMW gewährt acht Jahre und 100.000 Kilometer auf die Batterie des i3.

3. Auch in der Garage altert ein Akku

Neben dieser zyklischen Alterung bei der Nutzung kommt beim Lithium-Ionen-Akku auch die kalendarische Alterung hinzu, die selbst ohne Nutzung eintritt. Ein E-Auto also, das lange in der Garage gestanden hat, leidet ebenfalls unter verminderter Leistung und einem Reichweitenverlust, der langsam aber kontinuierlich fortschreitet.

4. Unbedingt die Vorgeschichte checken

Eine Kontrolle der Vorgeschichte und des lückenlos geführten Scheckheftes bei qualifizierten Werkstätten ist dringend erforderlich. Denn ohne gute Dokumentation wird es bei einem defekten Akku schwer, die Garantie geltend zu machen.

5. Immer eine Gebrauchtwagenuntersuchung machen lassen

Auf eine Gebrauchtwagenuntersuchung sollten Interessenten trotzdem nicht verzichten. Neben den Standard-Untersuchungen der Mechanik, also Bremsen oder Stoßdämpfer, kommt beim E-Auto eben auch die Leistung des Akkus hinzu.

Wie finde ich eine passende Werkstatt für den Gebrauchtwagen-Check?

Für den Gebrauchtwagencheck ist in jedem Fall eine Fachwerkstatt im Bereich Hochvolt-Technik nötig, so rät Christian Hieff vom ADAC. Spezielle Ausstattungen und besonders geschulte Mitarbeiter sind für die Arbeit an und Untersuchung von Elektroautos dringend erforderlich.

Zwei Maulschlüssel vor schwarzem Hintergrund.
Auch ein E-Auto braucht Pflege: Spezielle Fachwerkstätten checken neben der Mechanik auch die Hochvolt-Technik. Foto: Unsplash/Matt Artz

Beim Finden einer Werkstatt, so schätzt Christoph Gelzer von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH, sollte es aber keine großen Probleme geben. Die Autobauer investierten schließlich ordentlich in Werkstätten, in denen sie ihren Kunden mit geschulten Mechatronikern helfen können – dort ist das Auto in jeden Fall in guten Händen.

Fazit: Im Zweifel sollte der Autohersteller Rat wissen, wo eine entsprechende Werkstatt zu finden ist. Dann ist auch in jedem Fall sichergestellt, dass es sich um eine Fachwerkstatt mit den notwendigen Fachkenntnissen handelt.

Dekra: Akkutest im Schnellverfahren

Um Akkutests in Werkstätten zu optimieren, stellte die Dekra auf dem EVS 30 (Electric Vehicle Symposium 2017) ein Schnellverfahren zur Prüfung der Leistungsfähigkeit vor.

Diese sei zwar nicht so präzise wie eine herkömmliche Laboranalyse, sie biete dem Sachverständigen vor Ort aber eine vernünftige Einschätzung über den Zustand des Akkus. Derzeit ist das Verfahren noch in der Testphase. Im Laufe des Jahres sollen erste Dekra-Standorte mit dem System arbeiten.

Bis dahin ist für die Einschätzung der Leistung eine langwierige Untersuchung nötig, in der Mechaniker die Batterie völlig entladen, sie dann voll laden und auf einer langen Fahrt leer fahren – im Labor oder auf der Straße.

Gebrauchte E-Autos unter 10.000 Euro

Günstige Kleinwagen gibt es bei der Online-Plattform AutoScout 24 bereits für weniger als 10.000 Euro. Bei den Oberklasse-Wagen bewegen sich die Preise jedoch bei bis zu 90.000 Euro und mehr (Stand: 12. Juni 2018):

  • Der Smart Fortwo ist bereits für 6670 Euro erhältlich.
  • Das günstigste Angebot für den Citroën C-Zero liegt bei 6990 Euro.
  • Der Renault Zoe lässt sich bereits ab 7990 Euro als Gebrauchtwagen kaufen.
  • Den BMW i3 gibt es gebraucht ab 19.055 Euro.
  • Der Tesla Model S beginnt gebraucht bei 46.440 Euro, der Tesla Model X bei 87.000 Euro.

Wertverlust und Markt schwer einschätzbar

Da das E-Auto als solches noch in den Kinderschuhen steckt und derzeit enorme Entwicklungsschritte macht, können auch Experten schlecht einschätzen, wie sich der Markt in Zukunft entwickelt.

Bisher liegt der Wertverlust bei Elektroautos ungefähr bei rund 50 Prozent nach vier Jahren – das ist vergleichbar mit einem Wertverlust bei Diesel- und Benzinautos.

Fazit

Wer gerne ein E-Auto fahren möchte, sich aber bei den aktuellen Preisen für Neuwagen lieber zurückhält, für den ist ein Gebrauchtwagen sicher das Richtige.

Der Akku eines Elektroautos ist sehr langlebig und bietet auch nach einigen Jahren und gefahrenen Kilometern noch eine gute Leistung. Zusätzlich sind Verschleißteile wie Bremsen beim E-Auto meist besser in Tank als beim Diesel oder Benziner.

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Zeigt der umfassende Test in der Werkstatt also, dass der Akku in Ordnung ist und sind das Auto sowie dessen Vorgeschichte lückenlos gecheckt, dann spricht nichts gegen einen Gebrauchtwagen.

Wer sich nicht sicher ist, ob der Gebrauchtwagen das Richtige ist – oder ob Leasing oder ein Neuwagen doch eher eine Option sind – für den haben wir eine Entscheidungshilfe für die einzelnen Varianten.

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