Leben

Strom vom Balkon – mit einer Mini-Solaranlage

von Leonie Butz

Mit einer Mini-Solaranlage auf dem Balkon lässt sich Geld sparen, und der erzeugte Strom ist grün. Noch bis vor kurzem waren die Anlagen offiziell nicht erlaubt.

Strom vom Balkon – mit einer Mini-Solaranlage
Der Balkon als Energiequelle: In vielen Mietshäusern hatten Bewohner bisher nicht die Möglichkeit, eigene Mini-Solaranlagen anzubringen. Foto: Unsplash/Brandon Griggs

Das erfahren Sie gleich:

  • Strom auf dem Balkon selber erzeugen – dem stand bisher eine veraltete DIN-Norm im Weg
  • Mini-Solaranlagen sind jetzt offiziell erlaubt, aber nicht alle Stromversorger ziehen bisher mit
  • Eine Norm für die einfache Bedienbarkeit fehlt noch

Eine Solaranlage auf dem Balkon?

Raus aus der Stadt – am Wochenende geht es zu Freunden in eine rund 40 Kilometer entfernte Gemeinde. Auf dem Weg liegen Felder, Wiesen, ja sogar einige Wälder. Aber das wirklich besondere an der Strecke sind die kleinen Dörfer, in denen gefühlt jedes zweite Haus eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach hat. Geht das vielleicht auch in der Stadt? Ohne eigenes Haus, in einer Mietwohnung?

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Zwischen 20.000 und 30.000 dieser Anlagen sind derzeit in Deutschland in Betrieb.

Mini-Solaranlagen können ohne aufwändige Installation auf dem heimischen Balkon Strom erzeugen. Aufgestellt erinnern sie an überdimensionierte, fast menschengroße iPads. Integrierte Wechselrichter machen aus dem in der Anlage erzeugten Gleichstrom einen Wechselstrom mit 230 Volt – also wie aus der Steckdose. Über normale Steckdosen leiten sie Strom in den Haushaltsstromkreis – der die entsprechende Menge an Strom vom Stromanbieter ersetzen kann. Das spart Stromkosten und macht die verbrauchte Energie grüner. Je nach Lage produziert die Anlage 150 bis 250 Kilowattstunden Strom – mit dieser Menge kann eine Waschmaschine ein Jahr lang bis zu viermal pro Woche laufen. Rund 43 bis 73 Euro lassen sich so im Schnitt sparen. Überschüssige Energie, die nicht sofort gebraucht wird, fließt ins öffentliche Netz. Zwischen 20.000 und 30.000 dieser Anlagen, so schätzen Experten, sind derzeit in Deutschland in Betrieb.

Die Krux mit der deutschen DIN-Norm
Die neue DIN-Norm macht es möglich: Auch auf dem Balkon einer Mietwohnung dürfen Bewohner zukünftig Mini-Solarpanels aufstellen. Foto: Shutterstock / humphery

Die Krux mit der deutschen DIN-Norm

Das Problem bisher: Die Anlagen waren bis vor kurzem in Deutschland nicht offiziell zugelassen. Sie verletzten Auflagen einer DIN-Norm des Verbands der Elektrotechnik (VDE) und der Deutschen Kommission Elektrotechnik (DKE) – und ohne Norm geht in Deutschland bekanntlich nichts. Deshalb konnten und wollten der Verband und die Kommission keine Gewähr gegen Überlastung oder Bränden geben. Dabei erfüllen die Solaranlagen seit Jahren die geforderten Sicherheitsstandards. Das wiesen unter anderem Greenpeace oder das Fraunhofer Institut nach. Mit einer Neuregelung der entsprechenden DIN-Norm (VDE 0100-551), können moderne Anlagen mit Wechselrichtern jetzt problemlos ihren Dienst aufnehmen – eigentlich. Denn noch nicht alle Stromversorger lassen solche Anlagen offiziell zu. Und bisher ist der Mieter verpflichtet, sowohl seinen Vermieter als auch seinen Stromanbieter über die Anlage zu informieren.

Aufgrund des Drucks von allen Seiten werden andere Anbieter jetzt nachziehen.

Mit einem Gerichtsverfahren gegen den Energieversorger Stromnetz Hamburg könnte sich das jetzt ändern. Neben der Änderung der DIN-Norm forderte das Gericht auch andere Stromversorger auf, zügig unkomplizierte Anmeldeverfahren für die Anlagen zu integrieren. Mit dem Urteil würde auch die Pflicht des Mieters entfallen, den Vermieter über die Anlage zu informieren. Der Stromversorger ist außerdem verpflichtet, eine Anlage, die die Sicherheitsstandards der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) erfüllen, zu erlauben. Bei einigen Stromversorgern ist der Wandel bereits angekommen. Westnetz, ein Tochterunternehmen von Innogy, hat dem unkomplizierten Anschluss der Anlagen bereits zugestimmt. Aufgrund des Drucks von allen Seiten werden andere Anbieter schnell nachziehen.

Nur die Bedienbarkeit der Anlagen muss noch einfacher werden. Denn in unzähligen Foren klagen Nutzer über die oft viel zu komplizierte Installation einer Mini-Solaranlage. Für eine neue, bedienerfreundliche DIN-Norm setzten sich die Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) und Greenpeace ein. Damit stünde der privaten Solarstrom-Ernte auf dem heimischen Balkon nichts mehr im Wege.

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