Elektromobilität

Strom tanken: Probleme mit dem Eichgesetz endlich gelöst

von
Carola Franzke

Deutsche Gründlichkeit und das Eichgesetz stehen dem Ausbau der Ladeinfrastruktur im Weg. Frisch zugelassene Messmodule dürften das jetzt endlich ändern.

Nahaufnahme einer Ladesäule mit eingestecktem Ladekabel.
Bislang rechnen die Anbieter von Ladestationen entweder pauschal pro Vorgang ab oder nach Ladezeit. Foto: Shutterstock / Phanat

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum das deutsche Eichgesetz bisher den Ausbau der Ladeinfrastruktur gebremst hat
  • Wie dank neu zugelassener Messgeräte bald Strom nach Verbrauch getankt werden kann
  • Weshalb mit fairem, günstigen Laden von E-Autos eine Anschaffungshürde fallen wird

Das E-Auto laden und dabei nach Verbrauch abrechnen – das wird bald möglich. Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig hat zwei entsprechende Module für E-Ladesäulen zugelassen.

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Damit kann der tatsächliche Verbrauch im Einklang mit dem Eichgesetz erfasst und abgerechnet werden, nicht nur nach Zeit oder Vorgang – ein wichtiger Schritt in Richtung kundenfreundliche Elektromobilität.

Das war bisher nicht möglich, weil es keine entsprechende Einrichtung gab. Das Speicher- und Anzeigemodul (SAM) des Ladesäulenherstellers EBG Compleo und das Abrechnungsmodul SLAK DUO des niederländischen Anbieters ecotap haben nun die Baumusterprüfbescheinigung der PTB erhalten und dürfen damit auf den Markt kommen.

Neue Module erfüllen das Eichgesetz

Das Abrechnungsmodul SAM speichert die Ladevorgänge und die zugehörigen Messwerte über längere Zeiträume. Es hat ein Display und Tasten für die Bedienung. So kann der Kunde zu einem späteren Zeitraum erneut einsehen, wie viel Strom er getankt hat.

"Abrechnungen sind ab sofort transparent. Analog zu Zapfsäulen an Tankstellen oder auch Waagen im Einzelhandel bescheinigt SAM dem Kunden mit seinem Prüfsiegel die Richtigkeit seiner Messungen", erklärt Kai Schönenberg, Teamleiter Marketing bei EBG.

Der Technik-Mittelständler aus dem nordrhein-westfälischen Lünen ist kein Unbekannter in Sachen E-Mobilität. EBG compleo stellte 2009 seine erste Ladestation vor, und Lösungen von EBG compleo sind an mehr als 13.000 Ladepunkten in Europa im Einsatz.

Das SAM-Modul soll auch nachträglich in Ladesäulen eingebaut werden können. Auch der niederländische Anbieter engagiert sich schon länger im Bereich E-Mobilität und stellt seit 2011 Ladestationen für alle möglichen Elektrofahrzeuge her.

Strom tanken nach Verbrauch

Das deutsche Eichgesetz erlaubt eine Abrechnung des getankten Stroms nach Verbrauch nur dann, wenn das System die Werte speichert. So können Kunden und Prüfer diese später nachvollziehen. Die Mess- und Eichverordnung (MessEV, §7 Abs. 3 und 4) fordert, dass Messgeräte "gegen Verfälschungen von Messergebnissen geschützt" sind und die "Messergebnisse in geeigneter Form darstellen und gegen Verfälschung gesichert verarbeiten".

Erst dann darf tatsächlich nach Verbrauch abgerechnet werden. Das Messen der Strommenge beim Laden ist problemlos möglich, nur die weiteren Anforderungen standen bisher im Weg. Das Gesetz soll dem Käufer eine Überprüfbarkeit seines Kaufs ermöglichen, da er ja erst zu einem späteren Zeitpunkt und nicht direkt an der Ladesäule bezahlt.

Falls es also Reklamationen gäbe, muss zu einem späteren Zeitpunkt zweifelsfrei geklärt werden können, wie viel Strom getankt wurde, damit eine solche Abrechnungsform zulässig ist.

Die Umsetzung des Eichrechts im Bereich Elektromobilität ist sehr komplex. Da wird unsere deutsche Gründlichkeit zum Stolperstein.

Ulf Schulte, Geschäftsführer des Berliner Ladeinfrastrukturanbieters Allego Germany, gegenüber golem.de

Ladesäulenbetreiber rechnen bisher überwiegend pauschal pro Ladevorgang ab, weshalb sich Laden eigentlich nur lohnt, wenn der Akku weitgehend leer ist. Das dauert dann aber recht lange, wodurch die Ladesäule blockiert ist. Insofern behindert das Eichrecht in Deutschland den Ausbau der Ladeinfrastruktur.

Die Front eines Elektroautos mit geöffneter Klappe und eingestecktem Ladekabel.
Die als lückenhaft empfundene Ladeinfrastruktur hält viele Menschen vom Kauf eines Elektroautos ab. Foto: Shutterstock / vodograj

Faires Laden, mehr E-Autos?

Undurchsichtige Abrechnungsmodelle, schlechte Kennzeichnung und teils komplizierte Anmeldevorgänge: Wer Strom tanken will, muss bisher hart im Nehmen – und auf Reisen sogar abenteuerlustig – sein.

Das scheinbar komplizierte Laden eines E-Autos außerhalb der heimischen Stromquelle schreckt ohne Zweifel nicht wenige potentielle Käufer ab. Wer etwa kein Eigenheim hat, befürchtet Schwierigkeiten, wenn er auf öffentliche Ladesäulen angewiesen ist.

Mit der Zulassung von SAM und dem niederländischen SLAK DUO dürfte zumindest in Sachen Abrechnung etwas Ruhe einkehren. Zudem prüft die PTB nach eigenen Angaben weitere Systeme, die Wechselstrom-Ladesäulen eichrechtskonform machen sollen.

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Mit ‚SAM‘ statten wir unsere Ladestationen mit der Technik für eine roaming-fähige Abrechnung nach allen Anforderungen des deutschen Eichrechts aus.

Andreas Pfeiffer, Leiter E-Mobilität bei Eon

Als einer der ersten Stromanbieter hat Eon die Zusammenarbeit mit EBG Compleo angekündigt. In einer gemeinsamen Pressemitteilung heißt es: "Eon wird die Ladestationen seines Netzwerkes großflächig mit der eichrechtskonformen Lösung ‚SAM‘ von EBG Compleo ausrüsten. Damit ermöglicht Eon eine kilowattstunden- und minutengenaue Abrechnung von Ladevorgängen von Elektroautos."

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