Technik

Ein Berliner Start-up beweist: Strom gibt es an jeder Ecke

von Ji-Hun Kim

Als Ladestation für E-Autos könnten künftig Straßenlaternen dienen. Die Technik dazu kommt aus Berlin – aber ausgerechnet in deutschen Großstädten kommt sie noch nicht zum Einsatz.

Ein Berliner Start-up beweist: Strom gibt es an jeder Ecke
Volle Ladung unterwegs: Mit dem schlauen Stromkabel kann jede Stromquelle zur Ladestation werden – weil der eingebaute Computer die Abrechnung übernimmt. Foto: Ubitricity

Das erfahren Sie gleich:

  • Elektroautos könnten an jeder Laterne laden
  • Reichweite wäre kein Problem mehr
  • Berliner Start-up erfolgreich in London

Wie lange hält die Batterie?

Wer mit einem Elektroauto unterwegs ist, den beschäftigen vor allem zwei Fragen – und beide haben mit Strom zu tun:

  • Wie lange hält die Batterie?
  • Wo kann ich mein Auto aufladen?

Experten und Psychologen sprechen bei diesem Phänomen von „Reichweitenangst“ – der Angst, mit leerem Akku auf halber Strecke stehen zu bleiben. Sowohl die fehlende Reichweite von E-Autos, wie auch das dünne Netz von Ladestationen werden gerne von Kritikern moniert. Zwar zeigen Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts, dass der durchschnittliche Autofahrer täglich nicht mehr als 38 Kilometer absolviert; für den Weg zur Arbeit und zum Einkauf würde für die meisten ein E-Auto völlig reichen. Aber die Angst um die Reichweite hält sich trotzdem hartnäckig.

Eine Ladestation kostet 10.000 Euro

Das Berliner Unternehmen Ubitricity glaubt daran, dass die Mobilität der Zukunft elektrisch ist und hat sich eine kluge Idee patentieren lassen. Denn bislang hatten gerade Kommunen das Problem, ausreichend Ladestationen zur Verfügung zu stellen – eine herkömmliche Ladestation kosten bis zu 10.000 Euro. Gerade komplexe Abrechnungstechnologien machen solche Systeme aufwendig und anfällig für Software-Probleme. Das Start-up der beiden Gründer Knut Hechtfischer und Frank Pawlischek hat für dieses Problem eine denkbar einfache Lösung parat und damit unter anderem Siemens begeistert – der Konzern hat sich an Ubitricity beteiligt.

SmartCable von Ubitricity zum Laden an der Laterne
Auf eigene Rechnung: Mit dem SmartCable kann der Stromverbrauch für jeden Nutzer individuell abgerechnet werden, da jedes Kabel personalisiert ist. Foto: Ubitricity

Ubitricity verlagert die Technologie in das sogenannte SmartCable: ein Ladekabel, das mit einem eigenen Computer ausgestattet ist. Der Stromverbrauch kann individuell, genau und einfach für den jeweiligen Nutzer abgerechnet werden, da jeder Nutzer über ein personalisiertes Kabel und einen individuellen Stromvertrag mit Ubitricity verfügt. Die Monatsabrechnung kommt per Mail. Das Geld wird vom Konto oder der Kreditkarte abgebucht. Das Aufstellen komplizierter Ladestationen könnte somit entfallen. Die Vision von Ubitricity: jegliche Stromquellen können nach unkompliziertem Umrüsten für das Laden von E-Autos genutzt werden. Vor allem also Straßenlaternen - denn die stehen ja an jeder Ecke.

Akku aufladen an jeder Laterne

In den Londoner Stadtteilen Twickenham und Barnes wurden im Sommer 2017 bereits 36 Straßenlaternen mit den sogenannten Simple Sockets von Ubitricity ausgerüstet.

So können erste Londoner E-Autobesitzer im Rahmen eines Testlaufs ihren Akku während des Parkens an jenen Straßenlaternen aufladen. Die Installation der SimpleSockets ist mit 300 bis 500 Euro um einiges günstiger als konventionelle Ladestationen.

Wir müssen alles tun, um Fahrzeugemissionen zu eliminieren.

Und da in Großbritannien bereits 7,5 Millionen Laternen stehen, sehen die Verantwortlichen ein großes Potential, CO2-Emissionen und Luftverschmutzung in den Städten nachhaltig einzudämmen. „Die schlechte Luftqualität in London ist derzeit eines der größten Probleme der Stadt“, erklärt Peter Buckwell, Kabinettmitglied des Richmond Council gegenüber der englischen Daily Mail. „Wir müssen alles tun, um Fahrzeugemissionen zu eliminieren. Das Etablieren von E-Autos hat daher Schlüsselpriorität.“

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Elektrische Antriebs­technologien im Mittelpunkt

Die Batterien können wieder kleiner werden

Zwar dürfte klar sein, dass Stromlaternen über keine so große Stromleistung verfügen wie große Ladestationen. Mit rund 6 Kilowatt (kW) wird nur ein Bruchteil der teils möglichen 100 kW von heutigen Superchargern erreicht. Dafür könnte beim weiteren Ausbau des Netzes eine flächendeckende Energieversorgung bewerkstelligt werden, die nicht nur ein Aufladen an weitaus mehr Stationen als bislang ermöglicht, sondern auch das Elektrizitätskonzept von urbanen Räumen neu definiert. Eine große Reichweite ist dann gar nicht mehr so wichtig, weil überall nachgeladen werden kann. Die Batterien können damit wieder kleiner werden.

Laden an der Laterne mit Ubitricity
Plug-in: In seiner Heimatstadt hat das Berliner Start-up Ubitricity das Laternenladen getestet, der erste größere Einsatz fand aber in London statt. Foto: Ubitricity

Fünf Stadtwerke in Deutschland zählen zu den Kunden von Ubitricity, aber ausgerechnet hierzulande fehlt noch eine Großstadt auf der Liste. Immerhin müssen interessierte Stadtväter künftig nicht mehr nach London reisen, um das System im Einsatz zu erleben – demnächst soll Ubitricity in Kopenhagen getestet werden.

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