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Streaming statt Autoradio: Das neue Familienleben an Bord

von Ralf Bielefeldt

Die Fahrt in den Urlaub hat sich fundamental verändert: Früher gab es Autoradio und Kennzeichenraten, heute ist jeder Insasse sein eigener Programmchef. Eine rasante Entwicklung.

Streaming statt Autoradio: Das neue Familienleben an Bord
Klassisches Entertainment: Abwechslung schufen früher nur das Autoradio und der Beifahrer. Foto: Unsplash/kaluci

Das erfahren Sie gleich:

  • Vom Autoradio zum WLAN-Hotspot
  • Netflix und Disney Channel kommen an Bord
  • Apps erweitern das Bordsystem

Nur das Autoradio schaffte Ablenkung

Reisen im Auto war mal eine recht kommunikative Angelegenheit. Es gab ein Autoradio. Punkt. Wenn das nicht lief, waren die Passagiere unter sich. Zeit für Gespräche, Kennzeichen-Raten und Bücher vorlesen. Zwischentöne lieferte maximal das von Zündaussetzern unterbrochene Motorengeräusch, garniert mit der Generationen übergreifenden Frage aller Fragen von der Rückbank: "Sind wir...?".

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Als DVD-Player noch Luxus waren

Lang ist es her. Aufs Kassettenfach und den CD-Schacht für die frei wählbare Beschallung aller Insassen folgten Soundsysteme und fest installierte Monitore auf der Rückseite der vorderen Kopfstützen. Die Geburtsstunde des Fond-Entertainments. Anfangs das Must-have-Feature der Oberklasse. Minikinos im Langstreckenflieger-Stil gab es nur für sündhaft teures Geld und ausschließlich für die Rückbank von Reiselimousinen. Ein elitäres Vergnügen, das der tragbare DVD-Player im Handstreich zum Massenphänomen machte. Damit setzte er dank 12V-Kompatibilität nahtlos fort, was in den 1980er Jahren mit dem batteriebetriebenen Walkman begann: das Massenphänomen "Entertainment to go".

Vom Walkman zum Smartphone

Sony revolutionierte mit seinem kleinen Kassettenabspielgerät das Musikhören: Der Walkman avancierte zum Statussymbol und Sinnbild einer ganzen Generation. Bis 2004 wurden weltweit über 335 Millionen tragbare Kassettenplayer verkauft.

Jeder Passagier wurde sein eigener Musikprogrammchef.

Sonys Mutter aller MP3-Player machte Kopfhörer salonfähig, Radios überflüssig und entkoppelte ganze Großfamilien vom Vater-Mutter-Kind(er)-Miteinander – auch im Auto. Jeder Passagier wurde sein eigener Musikprogrammchef: Bangles für die Mädels, Kiss für die Kerle, Schlager für Muttern. Vater lauschte derweil den Verkehrsmeldungen.

Das iPhone: Gameboy und Walkman in einem

Die Elektronikbranche fing an, die Automobilindustrie vor sich herzutreiben. Immer schneller drehte der Multimedia-Boom das Karussell der Geräte-Generationen, immer leistungsfähiger wurde die Technik. Und vor allem: immer smarter, immer begehrenswerter, immer erschwinglicher. Apple stellte 2007 alles bislang Dagewesene auf dem Kopf: Das iPhone fusionierte Musik, Mobiltelefon, Kamera, Gamekonsole und Internet. Das Smartphone war da. Und gebar das iPad beziehungsweise Tablet, den optimalen Multiplayer für unterwegs, sowie Millionen von Apps. Jetzt hören die Mädchen hinten nicht mehr Bangles, sondern streamen den Disney Channel, die Jungs verzichten auf Kiss und gucken stattdessen irgendwas auf Netflix. Oder umgekehrt.

Android Auto und Apple CarPlay

Die Autoindustrie machte aus der Not eine Tugend: Digitalisierung und Vernetzung machen die Digitalgranden aus dem Silicon Valley zu Verbündeten. Smartphone-Anbindungen wie Apple Carplay und Android Auto ersetzen lange unersetzlich Geglaubtes: Citroën zum Beispiel bietet für seine neue Großraum-Familienlimousine Spacetourer kein CD-Laufwerk mehr an. Auch für den Volvo XC90 gibt es ein CD-Laufwerk nur noch als Einzeloption, nicht mehr als natürlichen Bestandteil eines Audio-Pakets. Stattdessen werden "Smart Devices" gekoppelt Auf Wunsch auch mit dem fahrzeugeigenen WLAN-Hotspot.

Das Wearable verknüpft sich mit dem Auto

Eigene Applikationen der Automobilhersteller rücken zunehmend in den Mittelpunkt. Sie koppeln nicht nur Fahrzeug und Smartphone, sondern kümmern sich auch um den Fahrer. Bestes Beispiel: Audi Fit Driver. Das 2016 vorgestellte Projekt stellt das Wohlbefinden und die Gesundheit des Fahrers in den Mittelpunkt. Ein Wearable – ein Fitnessarmband oder eine Smartwatch – überwacht wichtige Vitalparameter wie Herzfrequenz und Hauttemperatur. Ergänzend liefert die Fahrzeugsensorik Informationen über Fahrstil, Atemfrequenz sowie relevante Umfelddaten wie Wetter oder Verkehrslage. Aus der Kombination dieser Daten wird der aktuelle Zustand des Fahrers erkannt, zum Beispiel erhöhter Stress oder Müdigkeit. Die Fahrzeugsysteme stellen sich dann entspannend darauf ein, sei es vitalisierend oder auch schützend. In einer späteren Ausbaustufe könnte Audi Fit Driver die Assistenz- und Sicherheitssysteme mit einbeziehen beziehungsweise die künftigen Systeme für das pilotierte Fahren. In Extremsituationen könnte das Auto dann einen pilotierten Nothalt durchführen und per eCall-System einen Notruf absetzen. Ganz im Sinne der Familie.

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