Elektromobilität

Strampeln gegen den Feinstaub

von Nele Justus

In die Pedale treten, um besser atmen zu können: Ein niederländischer Erfinder bringt Fahrräder auf die Straßen, die während des Radelns die Luft reinigen.

Fahrradfahrer auf dem Rennrad
Luftreinhalteplan: Künftig sollen Fahrräder den Feinstaub aus der Luft filtern können. Foto: Unsplash/jackalexander_

Das erfahren Sie gleich:

  • Greenpeace warnt vor hohen Feinstaub-Konzentrationen
  • Erfinder will Fahrräder zur Feinstaub-Bekämpfung einsetzen
  • Chinesische Regierung unterstützt das Projekt

Feinstaubalarm von Greenpeace

Peking ist eine Fahrradstadt. War sie schon immer. Nur setzen sich immer weniger Chinesen auf ihre Räder – auch weil die Luftverschmutzung extreme Ausmaße angenommen hat. Vor einer Generation fuhren noch 60 Prozent der Chinesen regelmäßig Rad, heute sind es nur noch zehn Prozent. Das hat ernste Folgen für Umwelt und Verkehr – das Land versinkt im Smog. Laut Greenpeace überschreiten 90 Prozent der chinesischen Städte regelmäßig die Feinstaub-Grenze. Mehr als 1,6 Millionen Menschen sterben jährlich an den Folgen der Luftverschmutzung. Der niederländische Erfinder Daan Roosegaarde hat jetzt ein Fahrrad erfunden, das die Welt vorm Ersticken retten soll: das „Smog Free Bike“ - ein Fahrrad, das die Luft reinigt, während man darauf fährt.

Vollelektrischer Fahrspaß

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Am Lenker wird der Feinstaub gebunden

Optisch unterscheidet es sich nur durch einen rechteckigen Kasten am Lenker von einem herkömmlichen Fahrrad. Dieser saugt beim Fahren die verschmutze Luft ein. Der darin enthaltene Feinstaub wird von Kupferspulen elektrisch aufgeladen, sodass er anschließend mithilfe von Filtern gebunden werden kann. Die gesäuberte Luft wird dann, wie etwa bei einem Staubsauger, hinten wieder ausgestoßen – in Richtung des Fahrers. Man strampelt also für einen Atemzug frischer Luft.

Vielleicht können wir die Luftverschmutzung um fünf bis 15 Prozent reduzieren.

Derzeit befinden sich die „Smog Free Bikes“ noch in der Testphase. Ende des Jahres sollen sie aber schon in großem Stile eingesetzt werden. Denn Roosegaarde ist eine Kooperation mit dem Unternehmen Ofo eingegangen, Chinas größtem Anbieter für Fahrradverleihsysteme. In Deutschland heißen die Räder City-Bikes. „Unser Ziel ist es, rund 2,5 Millionen Smog Free Bikes auf Pekings Straßen zu bringen“, sagt Roosegaarde gegenüber der Nachrichtenseite ChinaDaily. „Damit könnten wir in den kommenden zwei Jahren die Luftverschmutzung zwischen fünf und 15 Prozent reduzieren.“ Sogar die chinesische Regierung unterstützt das Projekt als Teil ihres Kampfes gegen den Smog.

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Fahrrad des chinesischen Bikesharing-Anbieters Ofo
Gelbe Flotte: Mithilfe des Bikesharing-Anbieters Ofo will Erfinder Roosegaarde 2,5 Millionen Smog Free Bikes auf die Straßen Pekings bringen. Foto: ofo

Feinstaub-Bekämpfung in der ganzen Welt

Und das könnte erst der Anfang sein. Roosegaarde ist bereits mit englischen Behörden im Gespräch. Die Niederlande sollen folgen. Mit Ofo an der Seite wäre aber noch viel mehr möglich. Denn das Unternehmen, das täglich drei Millionen Nutzer in 150 chinesischen Städten hat, ist derzeit auf Expansionskurs und will sein Verleihsystem weltweit etablieren. Indien und Singapur hat es als nächstes angepeilt. Und erste Pilotprojekte laufen bereits in Cambridge in Großbritannien und in Palo Alto in Amerika. Außerdem hat Ofo Lizenzen für mehrere Länder in der EU – unter anderem auch für Deutschland.

In der Zukunft wird der größte Luxus die saubere Luft zum Atmen sein.

Radeln wir also auch hier bald alle gegen die Luftverschmutzung an? Für Deutschland gibt es noch keine offiziellen Pläne. Verglichen zu anderen Ländern ist der deutsche Markt auch relativ klein. Rund 13.000 Räder hat Deutschlands größer Anbieter Call a Bike derzeit im Einsatz. „Mit ein paar Fahrrädern löst man vielleicht noch nicht das ganze Problem der Luftverschmutzung“, sagt Roosegarde gegenüber dem Guardian. „Aber es ist eine spannende Idee, die hoffentlich dazu führt, dass Städte wieder grüner werden.“ Sein Ziel sei es, Städter weltweit dazu bringen, ihr Auto stehen zu lassen und auf Rad umzusteigen. „Unsere Ansprüche ändern sich eben. In der Zukunft wird der größte Luxus nicht mehr eine Louis Vuitton-Tasche sein, sondern saubere Luft zum Atmen.“ Dafür lohnt es sich doch, kräftig in die Pedale zu treten.

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