Elektromobilität

Strafen oder Förderung: Was bringt die Elektromobilität in Europa weiter?

von
Gertrud Teusen

Fahrverbote oder Privilegien – bei der E-Mobilität steht die Frage ständig im Raum. Wie machen es die europäischen Nachbarn Italien, Holland oder Belgien?

Eine riesige Kreuzung mit duzenden Autos.
Die Straßen werden immer voller – in einigen Teilen Europas werden es immer mehr Elektroautos. Wie funktioniert das? Foto: Shutterstock / LP2 Studio

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum einige Länder auf Restriktionen setzen – andere Subventionen für Elektroautos bevorzugen
  • Wie die Nachbarn Italien, Belgien, Holland oder die Schweiz mit Elektromobilität umgeht
  • Welche Anreize der E-Mobilität wirklich helfen
  • Weshalb Europa auf Subventionen und radikale Maßnahmen setzen sollte

Das ehrgeizige Ziel der Bundesregierung, dass in Deutschland bis 2020 eine Million Elektroautos unterwegs sein sollten, dürfte trotz steigender Zulassungszahlen wohl nicht erreicht werden. Es tut sich zwar viel, aber leider nicht genug, um den hartnäckigen Akzeptanzproblemen entgegenzutreten. Die zahlreichen Dieselfahrverbote spielen der sauberen E-Mobilen nicht mehr Käufer zu. Deutliches Indiz dafür ist der Fördertopf des Umweltbonus, der noch immer nicht ausgeschöpft ist.

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Geht es nach Listenpreis, sind die meisten E-Autos noch deutlich teurer als ihre vergleichbaren Verbrenner-Kollegen. Da kann auch oft ein Umweltbonus von 4000 Euro nicht wirklich viel ändern. Trotzdem zeigen Vergleiche in den Gesamtkosten der beiden Fahrzeugtypen, dass sich ein E-Auto auf längere Sicht deutlich rechnet.

Wie gering der Anreiz derzeit ohne staatliche Unterstützung jedoch ist, zeigen die Beispiele Holland und Dänemark. Hier gibt es kaum Förderung bzw. diese ist bereits ausgelaufen. Aber offensichtlich bringen auch Fahrverbote bisher nicht den gewünschten Effekt – von China abgesehen, das Restriktionen jedoch ganz anders umsetzen kann.

Ein Elektroauto lädt an einer Ladestation.
Um den Nutzern die Angst vor zu wenig Reichweite zu nehmen, sind genügend Ladestationen entscheidend. Foto: Shutterstock / Matej Kastelic

Elektromobilität in Italien, Belgien, Schweiz, Holland

Einigkeit besteht in Europa nur selten – und auch in Bezug auf die Zukunft der Mobilität kocht jedes Land sein eigenes Süppchen. Dass sich etwas ändern muss und dass die Verbrenner langfristig ein Auslaufmodell sind, darüber ist man sich einig. Doch in welche Richtung es geht, da kommt man auf keinen gemeinsamen Nenner.

Boom-Country für alternative Antriebe ist beispielsweise Italien. Allerdings spielen dort Stromer nur eine eher untergeordnete Rolle. Die Italiener kaufen lieber mit Gas oder Ethanol angetriebene Fahrzeuge. 2017 wurden dort beispielsweise 162.000 (gemäß ACEA) solche Autos verkauft. Übrigens auf Platz zwei in diesem Ranking liegt Polen mit 6500 Fahrzeugen.

Bei der Akzeptanz von Elektromobilität spielen kulturelle und länderspezifische Besonderheiten durchaus auch eine Rolle. So laufen Initiativen für mehr E-Autos beispielsweise in Belgien und der Schweiz noch schleppend an, eben weil die Menschen dort weniger Wohneigentum besitzen. Es sind die Länder der "Laternenparker" und Mietwohnungsbewohner. Sie wissen eben nicht, wo sie ihr Elektroauto, denn aufladen sollten und sich deshalb nicht für E-Mobilität erwärmen können. Wenn umweltbewusst, dann bevorzugen die Schweizer und Belgier deshalb einen Plug-in-Hybrid.

Anteil der E-Autos beim Neuwagenkauf

  • Land
  • Anteil E-Autos beim Neuwagenkauf
  • EU-Durchschnitt
  • 3 Prozent
  • Deutschland
  • 1, 8 Prozent
  • Italien
  • 2,2 Prozent
  • Österreich
  • 2,6 Prozent
  • Spanien
  • 3 Prozent
  • Großbritannien
  • 3,3 Prozent
  • Frankreich
  • 3,9 Prozent
  • Niederlande
  • 9 Prozent
  • Norwegen (nicht EU-Staat)
  • 40 Prozent

Stand: 2017; Quelle: ACEA

Der direkte Nachbar von Belgien ist Holland. Die geographische und sprachliche Verbundenheit legt den Verdacht nahe, dass es dort ähnliche Probleme gibt. Doch in der Tat sind die Niederländer im EU-Ranking zur Elektromobilität ziemlich weit vorn.

Ein simples Beispiel ist der Flughafen Schiphol in der Nähe von Amsterdam. Wer dort ein Taxi braucht steigt in einen Tesla, denn das ist das bevorzugte Fahrzeug der Transportunternehmer. In jedem Parkhaus finden sich mindestens ein Dutzend Ladesäulen für E-Autos. Dort ist auch im Gespräch, Parkgebühren von E-Auto-Besitzern zu verlangen, die länger parken als sie laden. Ein Konzept, das auch hierzulande bereits zur Diskussion steht.

Welche Anreize der E-Mobilität wirklich helfen

Holland und Norwegen machen vor, wie man die Entwicklung von E-Mobilität attraktiv und am Laufen hält. Es ist eben nicht damit getan, dass der Kauf gefördert und die Kfz-Steuern erlassen werden. Es muss ein Privileg sein, umweltfreundlich und energieeffizient unterwegs zu sein.

Deutschland kann vom Beispiel der Niederlande nicht nur lernen, wie man Elektromobilität erfolgreich fördert, sondern auch welche Fehlanreize es zu vermeiden gilt.

Sonja Munnix, Leiterin der Abteilung für Elektromobilität im niederländischen Wirtschaftsministerium gegenüber dem manager-magazin

Parkplatz-Privilegien

Das deutsche Elektromobilitätsgesetz (EMOG) sieht vor, dass Parkgebühren für E-Autos reduziert oder erlassen werden können. Wo und wie das allerdings geschieht, liegt im Ermessen der Kommunen. An der Umsetzung jedoch hapert es. Da war Spanien schneller, in Madrid beispielsweise parken E-Mobile in der Innenstadt kostenfrei.

Freigabe von Bus- und Taxispuren

Fragt man die Deutschen, was ihre Kaufentscheidung pro Elektro beeinflussen würde, dann wünschen sich 60 Prozent die Möglichkeit die Busspuren benutzen zu dürfen. Im Elektromobilitätsgesetz ist diese Möglichkeit vorgesehen – wird aber den Kommunen überlassen. Wie das aussehen kann, zeigen die ersten Umweltspuren in Düsseldorf. In Wien dürfen E-Autos die Taxi- und Busspur schon länger benutzen.

Taxis parken auf einem Taxi-Halteplatz.
Privilegien für E-Autos: Wien und Düsseldorf machen Taxi- und Busspuren für Stromer nutzbar. Foto: Shutterstock / Stephan Walochnik

Kostenlose Mautstraßen

Von Norwegen ließe sich abschauen, dass nicht nur sehr niedrige Kraftfahrzeugsteuern ein Kaufargument sind, sondern auch die unentgeltliche Nutzung der Mautstraßen und staatlichen Fährschiffe. Auch in London zahlen Stromer-Fahrer keine City-Maut.

Aufheben von Tempolimits

Damit machten unsere alpenländischen Nachbarn Furore: Elektroautos sind in Österreich künftig von manchen strengen Geschwindigkeitsbegrenzungen ausgenommen. Diese sogenannten IG-L-Limits betreffen abschnittsweise Autobahnen und Schnellstraßen. Hier ist dann statt des üblichen Tempolimits von 130 km/h nur noch 100 km/h für normale Fahrzeuge erlaubt. Für Elektroautos gilt das künftig nicht. Ein ähnliches Modell ist hierzulande jedoch eher nicht realistisch.

Ladeinfrastruktur

Ein beispielhaftes Netz an Ladestationen bauten sich die Niederlande auf: Sie ließen und lassen die Nutzer entscheiden, wo eine solche Station stehen soll. So kann sich in Amsterdam jeder Käufer eines Elektroautos, der keinen eigenen Parkplatz mit Stromanschluss hat, bei der Stadt melden, die dann in seiner Umgebung eine Ladesäule errichtet. Die ist dann nicht privat, sondern öffentlich. Allerdings entstand so das europaweit dichteste Netz an Ladesäulen.

Ebenfalls beeindruckend sieht der Plan in Großbritannien aus. Dort soll es bis 2020 mehr Ladestationen als Benzinzapfsäulen geben. Dafür rüsten einige alteingesessene Tankstellenbetreiber – etwa Shell – bereits auf Elektro statt Benzin und Diesel um.

Subventionen und radikale Maßnahmen

Weltweit wird Elektromobilität subventioniert, ohne das – so zeigt das dänische Beispiel – geht es offenbar nicht. Auch die norwegische Formel: "Wer verschmutzt, muss zahlen. Wer sauber fährt, zahlt nichts" klingt erst einmal überzeugend. Die Förderung dort geht aber weit über eine Finanzspritze beim Kauf hinaus.

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Radikal gehen das Thema auch einige Autobauer an: beispielsweise Volvo. Das schwedische Unternehmen will auf längere Sicht keine Verbrenner mehr bauen. "Wir werden Autos mit Verbrennungsmotoren auslaufen lassen," heißt es von Konzernchef Håkan Samuelsson.

Was auffällig ist, ist die Tatsache, dass (von China einmal abgesehen) gerade die Länder mit der Durchsetzung der E-Mobilität am erfolgreichsten sind, die keine eigene Autoindustrie haben. Was zur Folge hat, dass dort die Regierungen freier agieren können.

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