Elektromobilität

Stecker fürs Elektroauto: Mennekes, CCS und CHAdeMo

von Dirk Kunde

CCS, Mennekes und CHAdeMo: Wer ein Elektroauto schnell laden möchte, kommt an diesen Wörtern nicht vorbei. Doch was bedeuten sie und was steckt dahinter?

Mennekes Typ 2, CCS und CHAdeMO im Vergleich.
Für das schnelle Aufladen von Elektroautos braucht es aktuell bestimmte Anschlüsse. Mennekes, CCS und CHAdeMO sind die verbreiteten Technologien.

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Tesla im Model 3 auf CCS-Stecker setzt
  • Was sie mit den Mennekes-Steckern gemein haben
  • Was die Abkürzung CHAdeMo bedeutet

Nach Hause kommen, das Elektroauto anschließen, am nächsten Morgen mit einem vollem Akku wieder los fahren: An sich ist das Laden von Elektroautos ziemlich einfach. Doch wer sich für Elektromobilität interessiert und mit dem Gedanken spielt, sich ein Elektroauto zu kaufen, ist schon beim Thema Stecker irritiert. Neben dem klassischen Schuko-Stecker für die Haushalts-Steckdose gibt es Mennekes-Stecker, CHAdeMo-Stecker und CCS-Stecker.

Die Frage ist jetzt: Was unterscheidet diese Stecker fürs Elektroauto voneinander? Wir klären auf.

Tesla: Model 3 kommt mit CCS nach Europa

Ende 2016 stellte Elon Musk das Tesla Model 3 vor. Nach Schwierigkeiten bei der Produktion und Auslieferung soll es 2019 nach Europa kommen. Wann genau, ist jedoch weiter unklar. Sicher ist jetzt hingegen, dass sich das Fahrzeug im Vergleich zur US-Variante in einem entscheidenden Punkt unterscheidet.

Drew Bennett, bei Tesla für die Organisation der globalen Ladeinfrastruktur zuständig, gab das kürzlich gegenüber “Auto Express” bekannt. Demnach setzt das Model 3 in Deutschland und dem Rest von Europa auf einen CCS-Anschluss. Der ermöglicht die schnelle Aufladung an entsprechenden Ladesäulen.

Apropos Ladesäulen: Damit das Model 3 auch an den Superchargern des Unternehmens laden kann, rüstet Tesla diese mit Zweifach-Ladekabeln nach. Damit sind sie für den Anschluss CCS Comb 2 und DC Type 2 bereit. Doch was ist CCS eigentlich?

CCS-Stecker: Ein Typ für alle Fälle

CCS steht für "Combined Charging System" und bündelt das Aufladen per Wechsel- und Gleichstrom in einem Stecker.

Nach der Vorstellung 2011 haben unter anderem alle Volkswagen-Marken, Mercedes, BMW, Ford, Chrysler und General Motors angekündigt, in ihren Elektrofahrzeugen auf diesen Schnelllade-Standard zu setzen. Auch im neuen Audi e-tron ist er verbaut.

CCS-Stecker mit maximaler Ladeleistung.
Der CCS-Stecker basiert auf dem Mennekes Typ 2, bietet aber zusätzliche Kontakte. So kommt er auf eine besonders hohe Ladeleistung.

Das funktioniert aktuell mit bis zu 50 Kilowatt (kW) und soll bis auf 350 kW Leistung erweitert werden. Mehrere deutsche Autohersteller haben den Aufbau eines eigenen Ladenetzes mit 400 Schnellladesäulen beschlossen.

Und es kommt noch besser, denn laut deutscher Ladesäulenverordnung muss jede öffentlich zugängliche Ladestation einen Typ-2-Stecker für Wechselstrom und einen CCS-Stecker für Gleichstrom-Ladung anbieten.

Technisch handelt es sich um eine Abwandlung des Mennekes-Steckers, ergänzt um zwei zusätzliche Kontakte für die Schnellladung per Gleichstrom.

Mennekes-Stecker: Vom Laden zum Schnellladen

Was Tempo mit dem Taschentuch gelang, hat eine Firma aus Kirchundem im Kleinen mit dem nach ihr benannten Mennekes-Stecker geschafft. Dieser Anschluss mit der Fachbezeichnung Typ-2 lädt bei einphasigem Wechselstrom mit bis zu drei kW – bei drei Phasen mit bis zu 43 kW.

Das ist zwar besser als die Haushalts-Steckdose zu Hause, die im Schnitt mit 3,7 kW lädt, aber immer noch zu wenig, um eine Elektroauto-Batterie wirklich schnell zu füllen.

Mennekes Typ 2 mit maximaler Ladeleistung.
Der Mennekes Typ 2 kommt in modernen Elektroautos häufig zum Einsatz. Seine Ladeleistung ist ordentlich, aber es geht noch besser.

Trotzdem hat Mennekes großes vollbracht. Denn die meisten öffentlichen Ladesäulen basieren auf Wechselstrom, erst die sogenannten Schnellladesäulen bieten Gleichstrom und damit deutlich kürzere Ladezeiten an. Um aber tatsächlich beide Systeme nutzen zu können, müssen Sie jeweils das passende Kabel inklusive Stecker dabei haben.

Tesla zum Beispiel löst dieses Problem über eine abgewandelte Version des Mennekes-Steckers, mit dem sowohl das firmeneigene Superchargernetzwerk als auch die Destination-Charger genutzt werden können. Letztere sind Wandboxen, die auf Wechselstrom basieren und an öffentlich zugänglich Orten installiert sind.

CHAdeMO-Stecker: Der Standard aus Frankreich und Japan

Eine weitere Möglichkeit des Schnellladens bietet das CHAdeMO-System, ein 2010 von entwickelter Standard, der das Schnellladen für die Marken Nissan, Mitsubishi, Kia, Citroen und Peugeot ermöglicht.

CHAdeMO mit maximaler Ladeleistung.
Hinter dem komplizierten Namen CHAdeMO verbirgt sich ein Anschluss für Schnellladesysteme aus Japan. Entsprechend kommt er oft bei Marken aus Fernost zum Einsatz.

Der etwas kryptische Name steht für CHArge de MOve – hier wird der französische Touch von Renault-Nissan spürbar. Der Name soll aber auch eine Ableitung des japanischen "Wie wäre es mit einer Tasse Tee?" sein – weil die Reise nach einer Tasse Tee schon wieder fortgesetzt werden könne.

Der Stecker bietet eine Gleichstromladung von bis zu 50 kW, eine Erweiterung auf bis zu 150 kW ist vorgesehen.

Fazit: Es ist noch ein weiter Weg bis zum weltweiten Stecker

Der CCS-Stecker macht vieles besser als andere und ist im Moment für die meisten Fälle die beste Lösung, um ein Elektroauto zu laden. Bis zum weltweit einheitlichen Stecker für alle ist allerdings noch ein weiter Weg.

In der Zwischenzeit arbeiten die Autohersteller und Stromkonzerne an einer deutlich bequemeren Alternative – dem kabellosen Aufladen.

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