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Statt Plastikflaschen: Wasser in essbarer Hülle

von Sabrina Lieb

Statt Plastikflaschen: Wasser in essbarer Hülle
Eine kleine Kugel könnte die Welt des Trinkens revolutionieren: Statt Plastikflaschen gibt es Wasser bald in essbaren Hüllen. Foto: Skipping Rocks Lab

Das erfahren Sie gleich:

  • Ein Londoner Unternehmen hat es geschafft, Wasser in essbaren Hüllen zu verpacken
  • Bei der Entwicklung treffen Molekularküche und pflanzliche Vorbilder aufeinander
  • Die essbaren Wasserkugeln könnten die Produktion von Plastikflaschen erheblich reduzieren

Flaschen ganz einfach mitessen – eine nachhaltige Verpackung für Wasser kommt auf den Markt. Ein neuer Schritt in Richtung Zero Waste?

Eine Kugel Wasser, bitte

Wir gehen auf eine Wanderung, sind eine längere Strecke zu Fuß oder mit dem Auto unterwegs. Was der gesundheitsbewusste Mensch mit dabei hat, ist in der Regel eine Flasche Wasser. Auch wenn viele in der Zwischenzeit auf wiederverwendbare Flaschen umgestiegen sind, sind Wasserflaschen aus Plastik weltweit noch immer das dominierende Packmittel bei Getränken. Allein die USA verbraucht rund 50 Milliarden Plastikflaschen jährlich, dies entspricht einem Rohstoff-Verbrauch von rund 17 Millionen Fässern Rohöl.

Eine Kugel Wasser, bitte
Ein kleiner Sieg für Zero Waste: Inspiriert wurden die Entwickler der Wasser-Kugel von natürlichen Hüllen – wie der Schale der Weintraube. Foto: Katherine Fawssett/Skipping Rocks Lab

Der Geschmack des Wassers bleibt dabei neutral.

Auch der Blick in die heimischen Gefilde spricht Bände: Im Schnitt verbraucht jeder Deutsche 207 Einwegflaschen pro Jahr. Eine britische Erfindung könnte die Produktion von Milliarden Plastikflaschen künftig überflüssig machen – und einen großen Schritt in Richtung Zero Waste ermöglichen. Geht es nach den Gründern von Ooho, sollen Wasserflaschen in Zukunft essbar sein. Die drei Unternehmer Rodrigo García Gonzàlez, Guillaume Couche und Pierre-Yves Paslier haben es geschafft, kleine Wasserkugeln herzustellen, die man entweder aufbeißen oder ganz einfach mitessen kann. "Der Geschmack des Wassers bleibt dabei neutral", versprechen die Gründer.

Zero Waste – in Zukunft ohne Plastikflaschen

Auf den ersten Blick wirkt das essbare Wasser etwas befremdlich. Der neuartige Wasserbehälter sieht aus wie ein großer Tropfen und fühlt sich glitschig an. Was dahinter steckt ist eine Doppel-Membran, die zu hundert Prozent aus Pflanzen und Seetang besteht und das Wasser dicht umschlossen hält. Vorbild ist die natürliche Verpackung von Früchten – also Haut und Schale. Dass ihre Innovation dabei ein wenig an ein Brustimplantat erinnert, empfinden allerdings auch die drei jungen Männer als Manko. Trotzdem könnte die Erfindung die Verpackungsindustrie flüssiger Nahrung in zahlreichen Bereichen revolutionieren. Denn die neuartige Membran ermöglichen es, unterwegs Wasser zu trinken ohne Müll zu fabrizieren.

Sollte sich Ooho auf dem Markt der Wasserflaschen etablieren, wäre ein weiterer, wichtiger Schritt in Richtung Zero Waste getan. Insbesondere wenn man auf Herstellung und Entsorgung von Plastikflaschen blickt. Für die Produktion einer einzigen Flasche werden sieben Liter Wasser und rund 150 Zentiliter Öl benötigt. Plastik braucht außerdem rund 700 Jahre, um völlig zu verrotten. "Die große Herausforderung sehen wir darin, die Wasserblase der Gesellschaft vorzustellen und dieses neuartige Konzept des Wassertrinkens zu etablieren“, heißt es auf der Webseite des Unternehmens.

Das Geheimnis liegt in der Membran

Zero Waste – in Zukunft ohne Plastikflaschen
Ausschlürfen wie ein Wassereis: Mit der Erfindung ist unterwegs und zuhause das Schleppen von Plastikflaschen Geschichte. Foto: Skipping Rocks Lab

Sphärifikation lautet das Geheimrezept, um die essbare Membran herzustellen. Das Verfahren kommt ursprünglich aus der Molekularküche. Es dient dazu, Flüssigkeiten zu verdicken bzw. gelartige Hüllen herzustellen, die einen flüssigen Kern umschließen. Ansonsten wirkt das Herstellungsverfahren recht simpel: Bei der Produktion der essbaren Wasserflaschen wird zunächst ein großer Eiswürfel in eine Lösung aus Kalziumchlorid oder Kalziumlaktat getaucht. Im Anschluss wandert er in ein Wasserbad mit Alginat. Die Salze der Alginsäure finden vor allem als Verdickungs- und Geliermittel Verwendung. Das Kalziumchlorid der ersten Schicht verbindet sich nun mit dem Natriumalginat zu einer transparenten Membran, die sich schließlich am Eiswürfel ablagert. Die Wasserkugeln sind verzehrfähig, sobald das Eis komplett geschmolzen ist.

Der Verkaufsstart der Wasserkugeln ist für 2018 geplant. Dabei sollen die Kugeln voll Wasser auch in unterschiedlichen Größen produziert werden und vor allem auf Events mit erhöhtem Wasserkonsum ihre Runden drehen, etwa Musikfestivals oder Marathons.

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