Elektromobilität

Electreon baut Smartroads, die den ÖPNV von Tel Aviv laden

von Michaela Gerganoff

Das Start-up Electreon hat eine Technik entwickelt, die Batterien und Ladestationen für Elektroautos überflüssig machen: Induktives Laden auf Smartroads.

Ein Bus in Tel Aviv.
In Tel Aviv fährt der Bus bald elektrisch – und lädt in ersten Tests auf Smartroads. Foto: Shutterstock / rasika108

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie das israelisches Start-up Electreon mit Smartroads und speziellen E-Bussen den öffentlichen Nahverkehr revolutionieren will
  • Wie Kupferleitungen im Straßenbelag Emissionen reduzieren und Kosten sparen können
  • Weshalb durch diese Leitungen in den Straßen Batterien bei Elektroautos überflüssig werden könnten

Kein Suchen mehr nach Ladestationen, keine Sorge um den Batteriespeicher oder die Reichweite, kein Zeitverlust durch das Aufladen beim Tankstopp – einfach fahren und aufladen, völlig ohne Batterie. Was für ein unkompliziertes und bequemes Szenario für die Elektromobilität! Ferne Zukunft? Nein!

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In Tel Aviv arbeitet das israelische Start-up Electreon (ursprünglich ElectRoad) seit 2013 an dem einzigartigen DWPT-System (Dynamic Wireless Power Transfer). Es könnte den herkömmlichen Ladevorgang überflüssig machen. Spezielle Smartroads machen es dank eingebauter Kupferleitungen möglich, das Auto während der Fahrt zu laden – und bieten so eine Alternative zu Oberleitungen, die ebenfalls in der Erprobung sind.

Start-up Electreon will den Nahverkehr revolutionieren

Das israelische Verkehrsministerium und das regionale Busunternehmen Dan unterstützen den Gründer Oren Ezer bei der Umsetzung seiner Idee. Und auch die EU fördert das Projekt mit dem Programm „Forschung und Innovation Horizont 2020“. Daneben investiert das französische Unternehmen Hutchinson. Die Umsetzung konzentriert sich im Moment vor allem auf den Nah-Verkehr bei Tel Aviv.

Das Ziel ist es, den öffentlichen Transport schadstofffrei zu machen. 2017 wurde eine Strecke von 18 Kilometern zwischen Eilat und dem internationalen Flughafen Ramon in Betrieb genommen – ein viel befahrener Abschnitt, der sich perfekt als Teststrecke eignet.

Dass dieses junge Unternehmen ausgerechnet aus Israel kommt, ist nicht ganz überraschend: Kein anderer Ort der Welt hat so viele Firmengründungen. Gemessen an seiner Einwohnerzahl wimmelt es nur so von erfolgreichen Gründern. Die Start-up-Szene boomt! Business wird mit erneuerbaren Energien gemacht und anderen Hightech-Innovationen. Das kurbelt die Wirtschaft an – insbesondere im Raum Tel Aviv! Das junge Land entwickelt sich zu einem Zentrum für Elektroautos

Emissionen reduzieren und Kosten sparen dank Smartroads

Schadstofffrei fahren ist längst in unserer Gegenwart angekommen. Dennoch wird im Vergleich zu E-Autos wenig Augenmerk gesetzt auf die Straßen, deren Belag sich in den letzten Dekaden kaum verändert haben. Genau das möchte das Unternehmen Electreon mit der neuen Technologie ändern.

Das ist die erste Technologie, die eine kabellose Lösung für Elektrofahrzeuge anbietet, und zwar sicher und günstig.

Electreon-CEO Oren Ezer

Zuerst soll sich auf den Nahverkehr konzentriert werden, um die Stinker rauszuholen aus der Stadt. Die Idee: Elektro-Busse, ausgerüstet mit dem neuen DWPT-System, sollen auf den eigens vorbereiteten Smartroads fahren. Die Kupferleitungen im Belag versorgen sie kontaktlos mit Strom. Somit bekommen sie eine unbegrenzte Reichweite.

Das soll nicht nur die Emissionen und Smog-Problematik in Metropolen reduzieren. Es gibt auch weitere Vorteile im Vergleich zu herkömmlichen E-Bussen, die sich in der Praxis immer wieder anfällig für Probleme zeigen:

  • Einsparung von 73 Prozent Energie aufgrund des reduzierten Gewichts – ohne Batterie
  • Deutlich günstigere Instandhaltungskosten
  • Kein teurer und nachhaltig umstrittener Batterie-Austausch nach wenigen Jahren
  • 90 Prozent der Energie innerhalb eines Fahrabschnitts auf der Smartroad lassen sich unter Autos und Bussen aufteilen

Energieübertragung durch Kupferleitungen in der Straße

Um Fahrspuren zu einem stromerzeugenden Straßenbelag zu präparieren, bedarf es spezieller Maschinen: Ein Kilometer pro Tag kann damit umgerüstet werden – zumindest in der Theorie. Beim ersten Versuch war die Umsetzung noch deutlich aufwendiger.

Für die zukünftige Installation bedeutet das: Der Belag muss aufgerissen und die Kupferleitungen eingefügt werden. Sobald die Kupferleitungen liegen, und mit dem öffentlichen Stromnetz verbunden sind, werden sie wieder mit einer Schicht Teer überzogen. Die Kupferleitungen leiten dann den Strom kontaktlos an darüberfahrende Fahrzeuge weiter. Das funktioniert mithilfe eines Empfängers, der an der Unterseite des Fahrzeugs sitzt und den Elektromotor mit Strom versorgt.

Updates

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Selbst ungeplante Umwege sind künftig damit kein Problem: Die Busse fahren mit der gespeicherten Energie auch etwa fünf Kilometer ohne Elektro-Straße. E-Tankstellen und Ladesäulen ade! Induktives Laden durch Magnetfelder gibt es übrigens schon längst in unserem Alltag – bei elektrischen Zahnbürsten oder Mobiltelefonen. Außerdem könnte die Technik grundsätzlich noch mehr als Laden: Etwa die smarten Autos auf den Straßen miteinander zu vernetzen.

Ob das innovative System eines Tages auch Ladekabel und Steckdosen von Elektroautos verdrängt, steht noch in den Sternen. Vorerst müssen sich der Erfolg, die Leistung und Langlebigkeit der Technologie noch bewähren – und das auch in Tests etwa in China, Australien oder Schweden.

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