Elektromobilität

China und Deutschland entwickeln gemeinsam Autos der Zukunft

von Carola Franzke

Deutschland und China wollen stärker kooperieren – auch bei der Elektromobilität: Mit Batteriefertigung von CATL in Thüringen oder Kooperationen in Asien.

Schanghai von oben.
China ist derzeit der wichtigste Markt und die entscheidende Ideenschmiede für die Elektromobilität. Foto: Shutterstock / Wang An Qi

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Deutschland und China im Bereich der Elektromobilität zusammenarbeiten
  • Wie deutsche Autobauer in China mitarbeiten – und chinesische Batteriehersteller, wie CATL, in Deutschland arbeiten wollen
  • Warum die Autos der Zukunft Gemeinschaftsprojekte der großen Player sind

Es ist kein Geheimnis, wie sehr die chinesische Regierung verschiedene High-Tech-Themen vorantreibt: Künstliche Intelligenz, Autonomie und Elektromobilität sind die Bereiche, in denen China mit aller Kraft einen Vorsprung auf dem Weltmarkt anstrebt.

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Das Land ist mit einem Handelsvolumen von insgesamt rund 186 Milliarden Euro mittlerweile Deutschlands wichtigster Handelspartner außerhalb Europas. Wirtschaftliche Trends aus dem Reich der Mitte bleiben also nicht ohne Folgen für Deutschland.

Elektromobilität: China und Deutschland in Kooperation

Anlässlich der deutsch-chinesischen Regierungskonsultation Anfang Juli 2018 in Berlin besuchten Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Gast, der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang, gemeinsam eine Vorführung von autonomen Autos auf dem Tempelhof-Gelände. Merkel erklärte später, dass es schön sei, wenn Deutschland und China beim autonomen Fahren „ganz vorne“ mit dabei wären, so die dpa.

Während der Zusammenkunft in Berlin verständigten sich Vertreter des Bundeswirtschaftsministeriums, des Bundesverkehrsministeriums und des chinesischen Ministeriums für Industrie und Informationstechnologie entsprechend und stellten die Weichen für eine enge Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern. Im Rahmen der Veranstaltung gaben sie aber auch verschiedene nicht-staatliche Kooperationen bekannt.

Angela Merkel und Li Keqiang bei der deutsch-chinesischen Regierungskonsultation Anfang Juli 2018 in Berlin.
Angela Merkel und Li Keqiang bei der deutsch-chinesischen Regierungskonsultation Anfang Juli 2018 in Berlin. Foto: picture alliance / AA

Deutsche Autohersteller mit chinesischen Partnern

Eine Überraschung ist für manche die Neuauflage der Kooperation von BMW und Bosch mit dem chinesischen IT-Unternehmen Baidu und Microsoft. Vor zwei Jahren hatten BMW und Baidu die Zusammenarbeit beendet, nun nahmen sie diese wieder auf.

Baidu gilt als eine Art chinesisches Google und ist in ähnlich viele Projekte involviert wie sein amerikanisches Pendant. So steckt der Suchmaschinengigant hinter „Apollo“, einerOpen-Source-Umgebung für vernetztes, autonomes Fahren. In der neuen Vereinbarung einigten sich die Partner darauf, dass BMW Mitglied im Vorstand von Apollo wird.

Darüber hinaus ist BMW eine weitere Kooperation eingegangen: Der Münchner Autobauer gründet gemeinsam mit Great Wall Motors das Joint Venture Spotlight Automotive Limited. Es soll seinen Sitz in der ostchinesischen Provinz Jiangsu nahe Schanghai haben, wo in einem neuen Werk nach modernsten Maßstäben in Zukunft elektrische Mini-Fahrzeuge gebaut werden sollen.

Ebenfalls aktiv in China: Der Ingolstädter Autobauer Audi. Er geht eine Kooperation mit dem Telekommunikations-Giganten Huawei ein. Gemeinsame Projekte sollen das vernetzte Fahren vorantreiben. Dazu gab es 2017 bereits Tests im chinesischen Wuxi, in der Nähe von Shanghai. Hier konnte Audi die Kommunikation mit der Verkehrsinfrastruktur auf Basis von LTE-V-Mobilfunkverbindungen testen.

Drei autonome Fahrzeuge von Baidu bzw. Apollo.
Von der kleinen Lieferdrohne bis zum autonomen Shuttle: Selbstfahrer von Baidu bzw. Apollo. Foto: picture alliance / Photoshot

Chinesischer Batteriebauer CATL in Thüringen

Neben den vielen Kooperationen, die auf chinesischem Boden stattfinden, gibt es aber auch den umgekehrten Transfer: Der Markt für E-Autos wächst ständig, entsprechend groß ist der Bedarf an Batterien. Bisher findet die Produktion der Akkus vor allem in China statt.

Der chinesische Batteriehersteller Contemporary Amperex Technology Ltd. (CATL) baut nun aber auch in Europa Batteriezellen: In Thüringen entsteht das erste Werk zur Batteriezellproduktion außerhalb Chinas. CATL will bis 2022 rund 240 Millionen Euro in das Werk im Industriegebiet „Erfurter Kreuz“ investieren und dort 600 neue Arbeitsplätze schaffen. Nach Tesla die zweite Ankündigung von Batteriefertigung in Deutschland.

Updates

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„Für Deutschland ein neuer Schritt und eine gute Nachricht für das Bundesland Thüringen“, so Bundeskanzlerin Angela Merkel über die geplante Produktionsstätte des chinesischen Batterieherstellers CATL während der Zusammenkunft in Berlin. Den ersten großen Auftrag in Milliardenhöhe hat BMW platziert. Es heißt zudem, der Münchner Autokonzern würde auch in den Bau der Anlage investieren. Allerdings hat BMW seine Mitbewerber ausdrücklich dazu eingeladen, ebenfalls Aufträge an CATL in Thüringen zu vergeben.

Die Autos der Zukunft als Gemeinschaftsprojekt

Die Tatsache, dass Deutschland und China bei Entwicklung und Bau von autonomen Elektroautos enger zusammenarbeiten wollen, ist insgesamt ein logischer Schritt. Angesichts der weltpolitischen und weltwirtschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Monate scheint es außerdem auch eine kluge Denkrichtung zu sein. Denn gerade bei Zukunftstechnologien wie der Elektromobilität und Autonomie sind Bündnisse mit starken Partnern ein wichtiger Schritt, um an der technologischen Weltspitze mitzuspielen. Das hat auch Tesla bereits verstanden, der in Schanghai ebenfalls eine Gigafactory plant.

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