Leben

Stand Up Paddling & Co.: Zukunftstrend Resonanz-Sportarten

von Dr. Kai Kaufmann

Gibt es ein gutes Leben in einer Welt der ständigen Selbstoptimierung? Ja, mit Resonanz-Sportarten wie Stand Up Paddling (SUP), so der Zukunftreport 2018.

Vier Menschen beim Stand Up Paddling auf dem Wasser; Im Hintergrund sind Segelschiffe und Wälder zu sehen.
Stille Wasser statt brausender Wellen: Das Stand Up Paddling ist der ruhige Bruder des Surfens – und gilt als eine Resonanz-Sportart, bei der Menschen zur Ruhe kommen können. Foto: picture alliance / Daniel Karmann/dpa

Das erfahren Sie gleich:

  • Was ist Beschleunigungs-Totalitarismus nach Prof. Hartmut Rosa?
  • Und warum können Trend-Sportarten wie Stand Up Paddling dagegen helfen?
  • Resonanz: Besser als Entschleunigung?

Wir leben im "Beschleunigungs-Totalitarismus"

Härtere Worte für ein Gefühl, das fast jeder von uns kennt, hat bislang kaum jemand gefunden: Wir leben in einem "Beschleunigungs-Totalitarismus", sagt Prof. Hartmut Rosa – wahlweise als Entschleunigungs-Papst, -Guru oder -Prophet bezeichnet.

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Doch das Tempo hält der Soziologe und Politologe gar nicht für das eigentliche Problem. Denn: Geschwindigkeit sei nicht per se schlecht, sondern nur dort, wo sie zur Entfremdung führe. Entfremdung von uns und von anderen Menschen.

Es gibt immer diesen Druck, sich zu beeilen und zu optimieren.

Prof. Hartmut Rosa

Druck zur Selbstoptimierung

So nostalgisch unsere Sehnsucht nach Nähe wirkt, so revolutionär wirkt heute unsere Sehnsucht nach Ruhe. Aus der Zeit gefallen, quasi.

"Es gibt immer diesen Druck, sich zu beeilen und zu optimieren", so der Soziologe in einem Gespräch mit dem SWR, am Tag seiner Ehrung mit dem Erich-Fromm-Preis (21. Februar 2018).

"Wir müssen und wollen uns permanent steigern". Diese neue Form des Totalitarismus, die nicht von Regierenden ausgehe, durchdringe jeden Lebensbereich – Arbeit, Freizeit, Beziehungen...

Wer sich jetzt an den letzten gestressten Blick im Spiegel des Gyms erinnert oder an seine beruflichen, privaten, sportlichen Ziele für 2018, der weiß sofort, wovon Rosa spricht.

Prof. Hartmut Rosa: Wir kranken am neuen Totalitarismus

Alles halb so wild? Von wegen. Unter Umständen, so Soziologe Rosa, führe dieser neue Totalitarismus zu Späterkrankungen wie Depressionen oder depressiven Verstimmungen.

Krankenkassen und Unternehmen sind längst mit diesen und zahllosen stressbedingten Folgen und Erkrankungen schmerzlich konfrontiert – vor allem aber die Menschen selbst. Rosa verteufelt die Beschleunigung nicht. Er diagnostiziert sie. Und er weiß, sie wird sich nicht umkehren lassen.

Es gibt keinen Weg zurück, aber Auswege

Dennoch gibt es einen Weg aus der Misere des "uniformellen Steigerungsregimes" der rasanten Selbstoptimierung. Entsprechend die Begründung der Jury des Erich Fromme Preises: Der Soziologe spreche nicht nur von der krank machenden Gesellschaft, sondern frage auch: "Was macht eine gute Gesellschaft und ein gelingendes Leben aus?" Rosas Lösung: mehr Resonanz!

Resonanzbeziehungen: Wir sehnen uns nach Reaktionen

"Wenn Menschen von Langsamkeit träumen, dann meinen sie eigentlich eine andere Möglichkeit mit den Menschen wirklich in Kontakt zu kommen. Dafür bin ich auf den Begriff der Resonanz gestoßen", erklärt Rosa.

Resonanz bezeichne eine andere Form des mit sich und anderen in Beziehung-tretens, wobei "Resonanz" hier für "Reaktionen hervorrufen" steht. Nichts anderes ist gemeinsames und geteiltes Erleben.

Heilend: Resonanz der Natur

Dabei weitet Rosa diese gesunde Form der Resonanz-Beziehungen erfreulicherweise auf unser Verhältnis zur Natur aus. Denn auch hier hat – für uns alle offensichtlich – längt eine gesteigerte Entfremdung stattgefunden.

Was liegt nun näher als gemeinsame, lustvoll erlebte Aktivitäten in der Natur, als eine nahezu therapeutische Form der Heilung von Optimierungszwang und Beschleunigungstotalitarismus?

Eine Gruppe wandert durch eine grüne Berglandschaft.
Resonanz: Mit anderen Menschen Zeit in der Natur zu verbringen – auch das kann nach Hartmut Rosa das Gefühl der Entfremdung verringern. Foto: Unsplash/Joel Cross

Stand Up Paddling: Zukunftsinstitut setzt Zeichen

Folgerichtig erkennt das Zukunftsinstitut in dem boomenden Stand Up Paddling (SUP) ebenso wie im Surfen Resonanz-Sportarten und damit Sportarten der Zukunft. Damit setzen die Köpfe des Think Tanks der europäischen Trend- und Zukunftsforschung ein gesundes Zeichen.

Denn bei Stand Up Paddling und Surfen geht es tatsächlich meist weniger um die endlose Steigerung der eigenen Leistung, als um das gemeinsame Erlebnis, um Spaß und Freude. Und all das noch in Berührung mit dem wundervoll-sinnlichen Element Wasser. So fühlt sich Leben an, resonantes Leben.

Nur nicht zu eng denken!

Womit das Zukunftsinstitut in seinem Zukunftsreport 2018 allerdings falsch liegt, ist seine enge Definition des Begriffs Resonanz-Sport: "Der Trendsport Yoga ist introvertiert und ernst – also kein Resonanz-Sport, denn der ist immer extrovertiert und fröhlich", mahnt Autorin Oona Horx-Strathern.

Was sie dabei übersieht: Im traditionellen Yoga liegt der Sinn gerade im Erleben von Einheit von sich und der Welt, auch wenn dies nicht immer so aussehen mag.

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Resonanz muss also keineswegs etwas mit Geplapper zu tun haben. Es geht auch ganz still. Abgesehen davon: Schon mal was von Lach-Yoga oder Yoga-Stand Up Paddling – also Yoga auf dem Surfboard – gehört, liebes Zukunftsinstitut?

Was Resonanz-Sport ist und was nicht, das hängt also vor allem davon ab, wie und weshalb man etwas tut. Bei der Wahl der passenden Sportart für ein gutes, gelingendes Leben im Sinne von Prof. Hartmut Rosa wird offenes Denken, das neue Synthesen erlaubt, spannende Lösungen bereithalten.

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