Technik

Spritverbrauch senken: So funktioniert ein Effizienzassistent

von Hannes Rügheimer

Mit elektronischem Weitblick hilft der Effizienzassistent in modernen Autos, den Spritverbrauch zu sparen. Was steckt hinter der cleveren Technik?

Ein weißes Auto fährt eine kurvige Bergstraße herunter.
Gasgeben lohnt hier nicht: Auf Basis der präzisen Straßendaten weiß der Effizienzassistent, was hinter der nächsten Kurve kommt – und welche Fahrweise sich damit anbietet. Foto: CC0: Unsplash/Johannes Hofmann

Das erfahren Sie gleich:

  • Mit welchen intelligenten Funktionen der Effizienzassistent dem Fahrer hilft, seinen Spritverbrauch zu senken
  • Wo die Informationen herkommen, die der E-Horizon für seine Hinweise an den Fahrer nutzt
  • Wie Lkw-Fahrer seit Jahren mitgeholfen haben, dass Pkw-Fahrer heute präzise und aktuelle Straßendaten haben

Effizienzassistent: Das Gaspedal wehrt sich

In normalen Worten geht die Szene so: Der Fahrer des Autos drückt das Gaspedal herunter. Doch sofort spürt er Widerstand – mit sanftem Gegendruck am Gaspedal signalisiert das Auto ihm : "Stärkeres Beschleunigen erscheint mir in der aktuellen Situation nicht sinnvoll."

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Und jetzt die gleiche Szene in der Sprache der Automobil-Ingenieure: Der Effizienzassistent signalisiert dem Fahrer über ein Force-Feedback-Pedal, dass der im Auto verbaute E-Horizon von einer Erhöhung der Geschwindigkeit abrät.

Welche Sprache man auch wählt: Solche Effizienzassistenten finden sich auf der Ausstattungsliste von immer mehr aktuellen Premiumfahrzeugen. Sofern es der Fahrer wünscht, unterstützt ihn clevere Technik dabei, den Spritverbrauch seines Autos spürbar zu senken.

Dabei behält der Fahrer jedoch immer die Entscheidungshoheit. Wenn er den Vorschlag des Assistenten durch Gasgeben über den vom Pedal aufgebauten Gegendruck hinaus überstimmt, beschleunigt sein Fahrzeug entgegen der elektronischen Empfehlung.

Der E-Horizon senkt den Spritverbrauch

Doch auf welcher Basis entscheidet das System, wann Gasgeben sinnvoll ist und wann nicht? Wer gern schnell fährt, muss sich keine Sorge machen, dass die Assistenzfunktion eine eingebaute Spaßbremse sein könnte und das Fahrzeug beispielsweise bei Autobahnfahrten immer auf die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h drosseln möchte.

Die Entscheidungskriterien und -wege der Elektronik sind wesentlich ausgefeilter. Eine wichtige Rolle spielt dabei der sogenannte elektronische Horizont oder „E-Horizon“.

Hochpräzise digitale Straßenkarten und zusätzliche Datenquellen erhöhen die Reichweite der Bordsensoren deutlich.

Die Idee dahinter: Hochpräzise digitale Straßenkarten und zusätzliche Datenquellen erhöhen die Reichweite der Bordsensoren deutlich. Zu diesem Zweck ist lokal im System eine digitale Straßenkarte gespeichert, die nicht nur die Streckenführung, sondern auch die Anzahl von Spuren, Steigungen und Gefälle, Kurvenradien, Geschwindigkeitsbegrenzungen und weitere Straßenmerkmale enthält.

Von diesen Daten kann der Effizienzassistent schon manche sinnvolle Empfehlungen ableiten: Wartet hinter der nächsten Kurve etwa eine Geschwindigkeitsbeschränkung, die der Fahrer noch nicht sieht? Dann lohnt es sich nicht, vorher noch mal auf erheblich höhere Geschwindigkeit zu beschleunigen.

Folgt hinter der aktuellen Steigung ein Gefälle? Dann rät das System ebenfalls dazu, nicht zu viel Kraftstoff zum Beschleunigen einzusetzen – hinter der Kuppe wird die Bergab-Fahrt schließlich ohne zusätzlichen Spritverbrauch ganz allein für höhere Geschwindigkeit sorgen.

Vernetzte Systeme für weniger Spritverbrauch

Weitere intelligente Schlussfolgerungen kann der Effizienzassistent ziehen, wenn er mit dem Navigationssystem kooperiert. Weiß das Fahrzeug beispielsweise dank aktiver Zielführung, dass es demnächst von der Autobahn oder Bundesstraße abfahren muss, nimmt es auch diese Information zum Anlass, dem Fahrer sanft zu raten, seinen Gasfuß auf den letzten paar hundert Metern bis zur nahenden Abfahrt zu zügeln.

Bevor diese Technik in Pkws eingeführt wurde, kam sie übrigens schon einige Jahre lang in Lkw zum Einsatz. Transportunternehmern leuchtete der Vorteil schnell ein, mit elektronischer Hilfe Sprit zu sparen. Und in diesem Umfeld hat sich die beschriebene Technik bereits seit längerem bewährt.

Da das System zudem die lokal gespeicherte Karte permanent durch aktuelle Sensorendaten des Fahrzeugs ergänzt (und so etwa Änderungen in der Spurführung, neue Verkehrsschilder und ähnliches vermerkt) und diese streckenbezogenen und anonymisierten Datensammlungen beispielsweise bei Werkstattaufenthalten wieder ausgelesen werden konnten, haben viele Brummi-Fahrer dazu beigetragen, dass heute Pkw-Fahrer von aktuellen und exakten Kartendaten profitieren.

Auf einer Landstraße fahren Autos durch den Nebel.
Dicke Suppe: Ist der E-Horizon mit der Umwelt vernetzt, kann er auch vor Wettereinflüssen wie Nebel warnen. Foto: CC0: Unsplash/Tomasz Zagorski

Der E-Horizon in der Cloud

Den E-Horizon gibt es als unvernetzte, reine Onboard-Version. Doch in manchen Fahrzeugen steht er auch in noch höherer Ausbaustufe zur Verfügung – nämlich als mit anderen Fahrzeugen vernetzte Variante. Dann ergänzt er die lokal gespeicherten Kartendaten durch Informationen, die aktuell von anderen Pkws und Lkws gesammelt und hochgeladen wurden.

Diese vernetzte Variante macht das System noch präziser – schließlich können auf diese Weise auch aktuelle Baustellen, Spurverengungen, Staus oder sogar Wettereinflüsse wie Nebel oder Glatteis berücksichtigt werden.

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Auch bei elektronischen Assistenten gilt: Von nahtloser Zusammenarbeit profitieren alle Beteiligten.

Wie bei vernetzten Fahrzeugen üblich, teilen sich in solchen Fällen mehrere Assistenzsysteme die vorliegende Datenbasis und die aktuell aus dem Netz bezogenen Informationen. Während der Effizienzassistent für möglichst geringen Spritverbrauch sorgt, kann das Navisystem Alternativrouten berechnen, die um einen angekündigten Stau herumführen. Und das adaptive Fahrwerk kann sich auf von voranfahrenden Fahrzeugen gemeldete Fahrbahnbeeinträchtigungen einstellen.

Denn auch bei elektronischen Assistenten gilt: Von nahtloser Zusammenarbeit profitieren alle Beteiligten.

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