Technik

SpaceX: Weniger Recycling bei der Rakete Falcon 9

von Carsten Fischer

Private Raumfahrtunternehmen wollen Reisen ins All ermöglichen. Die Technik soll möglichst nachhaltig sein. Doch SpaceX rudert ein wenig zurück.

SpaceX und Co.: Private Raumfahrt ist nachhaltiger
Völlig losgelöst von der Erde: Private Raumfahrt macht den Weltraumtourismus möglich – und zwar nachhaltig. Foto: Unsplash/Nasa

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum zunehmend Privatunternehmen in die Raumfahrt drängen
  • Welche Rolle dabei wiederverwertbare Teile spielen
  • Wie Menschen in den kommenden Jahren ins All reisen könnten

Wie schon in den 1960er-Jahren beherrscht derzeit ein Wettlauf im All die Raumfahrt. Dieses Mal sind allerdings nicht verfeindete Staaten die Beteiligten, sondern Privatunternehmen, die mit Weltraumtourismus und dem Transport von Satelliten neue Einnahmequellen erschließen wollen. In einer Welt, die auch weiterhin Satelliten für Kommunikation, Forschung und Erdbeobachtung braucht, hat das einen großen Vorteil: Indem die privaten Konzerne versuchen, Geld zu sparen, verschmutzen sie die Umwelt gleichzeitig weit weniger, als dies bei herkömmlichen Raketenstarts der Fall ist, denn sie setzen auf wiederverwendbare Raketen.

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Deren Vorteil liegt auf der Hand: Statt die Trägerraketen nach dem Start als Weltraummüll zurückzulassen, landen sie wieder auf der Erde, können neu bestückt und ein weiteres Mal genutzt werden.

SpaceX: Weniger Recycling bei der Falcon 9 geplant

Eigentlich wollte SpaceX so viel von der Rakete Falcon 9 wiederverwerten, wie nur irgendwie möglich ist. Doch offenbar fährt das private Raumfahrtunternehmen die Pläne nun etwas zurück. Firmenchef Elon Musk teilte per Twitter mit, dass er die Idee einer Weiterverwertung der zweiten Stufe aufgebe.

Ursprünglich war geplant, das Vakuumtriebwerk Merlin-1D-Vac mit einem großen Ballon langsam zurück zur Erde schweben zu lassen und es mit einem Schiff aufzufangen. Anschließend sollte es für weitere Starts zur Verfügung stehen.

Stattdessen möchte sich die Firma von Musk verstärkt auf die Entwicklung der “Big Falcon Rocket” (BFR) konzentrieren. Auch sie soll eine zweistufige Rakete sein, die dann wirklich in Gänze recyclebar ist – zumindest zum Teil.

SpaceX als erfolgreicher Vorreiter

SpaceX ist mit seinen erfolgreich gelandeten und teilweise wiederverwertbaren Raketen vom Typ Falcon 9 klarer Platzhirsch in der privaten Raumfahrt. Das mag an CEO Elon Musk liegen, der auch den Elektroautokonzern Tesla leitet. Musk betrachtet nicht nur diese beiden Firmen als Projekt für die Zukunft der Menschheit, sondern lässt zum Beispiel auch eine Magnetschwebebahn entwickeln.

SpaceX plant für die nahe Zukunft die Nutzung der hauseigenen wiederverwendbaren Raketen und Raumkapseln, um Menschen als Touristen um den Mond zu schicken, aber auch um die Crew der Internationalen Raumstation zu transportieren. Dabei fällt weniger Raketenschrott zur Erde als bei bisherigen Trägersystemen – schließlich kehren die Trägerraketen wieder zur Erde zurück.

Rakete Falcon 9 von SpaceX
Die Senkrechtstarter: Das Weltraumunternehmen SpaceX von Elon Musk gilt als Vorreiter der privaten Raumfahrt. Foto: SpaceX

Stratolaunch baut größtes Flugzeug der Welt

Microsoft-Mitbegründer Paul Allen hat Stratolaunch Systems gegründet, das derzeit noch an der Fertigstellung seines gewaltigen Trägerflugzeugs arbeitet. Einmal fertig soll das Flugzeug mit 120 Metern Spannweite zwischen seinen beiden Rümpfen eine kleinere Trägerrakete auf Starthöhe bringen, um Satelliten ins All zu schießen. Erste Flugtests mit einer verminderten Geschwindigkeit von 145 km/h waren bereits erfolgreich.

Die Nutzung regulärer Triebwerke auf den ersten Höhenkilometern dürfte im Gegensatz zu bislang benutzten Raketen eine Menge Treibstoff sparen – und Satellitenstarts so günstiger und sauberer machen.

Das SpaceShip Two hebt wieder ab

Ebenfalls von einem Flugzeug startet das SpaceShip Two von Virgin Galactic, dem Weltraumunternehmen von Milliardär Richard Branson. Einstmals hatte das Unternehmen mit dem SpaceShip One den Xprize gewonnen, eine mit zehn Millionen Dollar dotierte Förderung der privaten Raumfahrt, und als erste Privatfirma einen Menschen über die 100-Kilometer-Grenze befördert.

Nach einem Absturz mit einem Todesopfer im Jahr 2014 wurde es ruhig um das Projekt. Im April 2018 vermeldete Branson jedoch einen erfolgreichen Testflug mit dem SpaceShip Two. Das soll aus eigenem Antrieb in 26 Kilometer Höhe über die Mojave-Wüste gekreist sein.

Für einen Satellitenstart oder einen Flug zur ISS reicht der Schub des SpaceShip Two zwar nicht – zahlungskräftige Kunden müssen aber hier auch keine riesige Rakete bewegen, um einen kleinen Sprung über die Grenze der Atmosphäre zu wagen.

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Amazon plant Weltraumtourismus zum Mond

Amazon-Gründer Jeff Bezos betreibt neben dem Online-Handel ebenfalls eine private Raumfahrtfirma. Ähnlich wie SpaceX arbeitet Blue Origin mit wiederverwertbaren Raketen. Auch hier ist bereits die Landung geglückt: Die New Shepard, die Touristen ähnlich wie das SpaceShip Two für ein paar Minuten ins All bringen soll, legte Ende 2015 nach einem Testflug eine sanfte Landung hin. Das Unternehmen arbeitet zudem an weiteren Raketen, die größer und leistungsfähiger werden sollen. Selbst über Weltraumtourismus zum Mond wird hier bereits nachgedacht.

So sauber wie möglich

Wiederverwertbare Raumfahrzeuge sind nach dem Ende des Spaceshuttles, dem überholten und wenig nachhaltigen Programm der NASA, keine Science-Fiction mehr. Jedes Kilogramm Schrott, das nicht in die Luft gebracht wird, nur um dann wieder zu Boden zu fallen, schont die Umwelt. Über den Nutzen der Raumfahrt lässt sich mit Sicherheit streiten – wenn sie stattfindet, dann sollte sie auf jeden Fall so sauber sein wie möglich.

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