Technik

SpaceIL: Erstes privates Landemodul auf dem Weg zum Mond

von
Marten Zabel

Eine Falcon 9 von SpaceX bringt den ersten privaten Mondlander zum Erdtrabanten. Beresheet wird dort nicht viel erforschen – aber Eindruck hinterlassen.

Eine Falcon 9 von SpaceX mit dem Mondlander Beresheet an Bord.
Eine Falcon 9 von SpaceX mit dem Mondlander Beresheet an Bord. Foto: picture alliance / newscom

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie SpaceX einen privaten Lander auf den Mond bringt
  • Wie SpaceIL Raumfahrt-Geschichte schreiben will
  • Wie lange der Lander Beresheet auf dem Mond überleben kann

Bisher haben nur Sonden und Raumfahrzeuge die Mondoberfläche besucht, die von Nationalstaaten auf die Reise geschickt wurden. Das soll sich bald ändern: An Bord einer Falcon 9 von SpaceX ist ein Mondlander namens Beresheet ins All gestartet.

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Beresheet ist das israelische Wort für „Schöpfung“ und bezeichnet den Teil der Tora, in dem die Schöpfungsgeschichte von Himmel und Erde beginnt. Der gleichnamige Mondlander soll im Auftrag einer israelischen Non-Profit-Organisation als erstes privates Raumfahrzeug auf dem Erdtrabanten aufsetzen.

Diese Mission wird zwar nicht viele wissenschaftliche Erkenntnisse liefern, gilt aber trotzdem als großer Meilenstein der privaten Raumfahrt-Technik.

SpaceIL: Erfolgreiche Spendenjäger

Die Organisation SpaceIL hatte sich ursprünglich von Israel aus angeschickt, den Lunar-X-Prize zu gewinnen. Um diesen zu gewinnen, hätte es eine private Organisation schaffen müssen, einen Rover zum Mond zu bringen und diesen dort auch noch eine Strecke von einem halben Kilometer fahren zu lassen.

Dafür hatten die Tüftler und Unternehmer von SpaceIL erfolgreich geworben und rund 100 Millionen Dollar an Spendengeldern eingesammelt, unter anderem von Milliardär Morris Kahn und der Israel Space Agency (ISA).

Weitere Teams aus aller Welt entwickelten Mondrover, konnten jedoch das Problem des Transports zum Erdtrabanten nicht lösen: Die Deadline des Wettbewerbs lief nach zweimaliger Verlängerung Anfang 2018 ohne einen Sieger aus.

Beresheet wird nur zwei Tage auf dem Mond überleben

SpaceIL machte dennoch weiter – das Resultat ist Beresheet. Das Gefährt kann zwar im Gegensatz zu den ursprünglichen Zielsetzungen des Lunar-X-Prize nicht fahren, soll es aber immerhin auf den Mond schaffen. Beresheet hat etwa zwei Meter Durchmesser und eine Höhe von 1,5 Metern.

Von 585 Kilogramm Masse sind 400 Kilogramm Treibstoff, der auf dem Weg zum Mond und zur Landung von einem mehrfach verwendbaren LEROS-Triebwerk verbrannt wird.

Die Triebwerke der Falcon-9-Rakete zeichnen einen goldenen Bogen in den Nachthimmel.
Abflug: Die Falcon 9 startete Ende Februar 2019 ins All Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Der Mondlander startete gemeinsam mit einem indonesischen Kommunikationssatelliten als sekundäre Nutzlast ins All und wird auf äußerst sparsamen, langsam erweiterten Orbitalbahnen langsam zum Mond reisen.

Am 12. April soll er dann auf dem Erdtrabanten aufsetzen. Dort wird Beresheet allerdings nicht lange überleben: Der Lander hat keine Temperaturkontrolle und wird so innerhalb von gerade einmal zwei Erdtagen überhitzen.

Beresheet hinterlässt Dokumente der Menschheitsgeschichte

In den zwei Tagen des Betriebs soll ein Magnetometer des Weizmann Institute of Science das Magnetfeld des Mondes untersuchen. Die gewonnen Daten sollen Forschern helfen, die Entstehung des Mondmagnetfelds zu verstehen.

Nach dem Ende der aktiven Zeit beinhaltet Beresheet allerdings noch eine passive Nutzlast, die auch ohne funktionsfähige elektrische Systeme ihren Zweck erfüllen wird.

Zum einen trägt Beresheet eine Konstellation von Reflektoren für die Einmessung von Laserstrahlen. Derartige Systeme gibt es auf dem Mond bereits, so wird etwa der sowjetische Rover Lunokhod 1 noch immer von Zeit zu Zeit für Messungen verwendet.

Im Erdorbit gibt es mehrere passive Satelliten, die zum Teil schon seit vielen Jahrzehnten eine derartige Funktion innehaben, etwa die beiden Satelliten der LAGEOS-Konstellation aus den 1970er Jahren.

Zum anderen hat Beresheet einen Zeitkapsel-Datenträger im Gepäck. Darauf gespeichert finden sich mehr als 30 Millionen Seiten von Daten, die auf dem Erdtrabanten theoretisch für Jahrmillionen überdauern können.

Auf dem Speichermedium befinden sich unter anderem eine Kopie der gesamten englischsprachigen Wikipedia, die Bibel, Zeichnungen von Kindern, die aufgezeichneten Erinnerungen eines Holocaust-Überlebenden, die israelische Nationalhymne, die israelische Flagge und die israelische Unabhängigkeitserklärung.

Mondlandung: Wer bisher auf dem Trabanten gelandet ist

Für den Lunar-X-Prize hätte sich das Projekt SpaceIL vermutlich mit den Spendengeldern der ISA ohnehin als privates Raumfahrtprojekt disqualifiziert. Jetzt schreiben die Israelis Geschichte, indem sie das erste private Fahrzeug auf die Mondoberfläche bringen.

Die Non-Profit-Organisation reiht sich damit in eine kurze Liste ein, in der bislang nur Staaten zu finden sind: Die Sowjetunion, die USA und China sind bisher erfolgreich mit Sonden auf dem Mond gelandet.

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In diesem Jahr bekommt die Mondoberfläche ungewohnt viel Verkehr: Am 3. Januar war der chinesische Lander Chang'e 4 das erste Raumfahrzeug, das weich auf der erdabgewandten Seite des Trabanten aufsetzte. Im Verlauf des Jahres sollen noch weitere Fahrzeuge den Mond erreichen.

Und in den nächsten Jahren will auch die NASA zum Mond zurückkehren – und das sogar bemannt und möglicherweise mit einer permanenten Präsenz auf der Oberfläche.

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