Elektromobilität

Sozialverträgliche Energiewende: Ökostrom aus dem Kohlekraftwerk

von
Manuel Berkel

Ökostrom braucht massenhaft Energiespeicher. Forscher wollen dafür Kohlekraftwerke umfunktionieren – und so die Energiewende sozialverträglich machen.

Der Blick aus einem Kühlturm eines Kraftwerks.
Kohlekraftwerke gelten derzeit noch als Umweltsünder – sie könnten aber auch Teil der Energiewende werden. Foto: Shutterstock / TinnitusDoll

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Strom aus erneuerbaren Energien bald aus Kohlekraftwerken kommen könnte
  • Wie Speicherkraftwerke der Energiewende und dem Ökostrom helfen
  • Wie so der Kohleausstieg sozialverträglich sein könnte

In der Debatte um den Kohleausstieg wird wieder einmal ein Manko der erneuerbaren Energien heiß diskutiert: Während einer sogenannten Dunkelflaute, wenn nachts oder bei bewölktem Himmel auch noch kaum Wind weht, helfen selbst noch so viele Windräder und Solaranlagen nicht.

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Bisher gibt es dafür vor allem zwei Lösungsansätze: der Bau neuer Energiespeicher oder eine ganze Reserveflotte von Gaskraftwerken. Die sind zwar klimafreundlicher als Kohlemeiler, doch auch Gaskraftwerke stoßen noch Kohlendioxid aus.

Strom aus erneuerbaren Energien – aus dem Kohlekraftwerk

Speicher wiederum sind teuer und nicht unumstritten. Konventionelle Pumpspeicher wurden bisher in waldreichen Mittelgebirgen gebaut, dafür gibt es in Deutschland jedoch kaum noch Akzeptanz. Wissenschaftler sind deshalb auf die Idee gekommen, einfach nicht mehr benötigte Kohlekraftwerke zu gigantischen Stromspeichern umzurüsten.

Das Konzept dafür stammt ausgerechnet von den erneuerbaren Energien, nämlich sogennanten solarthermischen Kraftwerken. Die nutzen die Wärme der Sonne, um Wasser zu erhitzen und Dampf zu erzeugen. Unter hohem Druck lassen sich damit eine Turbine und ein Generator antreiben, um Strom zu erzeugen.

Speicherkraftwerke helfen dem Ökostrom

Kohlekraftwerke funktionieren ebenfalls mit Dampf. Doch statt die nötige Hitze wie bisher durch das Verbrennen von Kohle zu gewinnen, soll die Wärme nach dem Umbau der Kraftwerke aus überdimensionalen Tauchsiedern oder Heißluftgebläsen kommen. Die nötige Energie ziehen sie in Form von Strom aus dem Netz. Ökostrom ließe sich so zunächst in Wärme umwandeln und im Kraftwerk anschließend wieder verstromen.

Die Wärme wird zwischendurch gespeichert, wofür es in der Wissenschaft verschiedene Konzepte gibt. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Stuttgart will wie in solarthermischen Kraftwerken Tanks mit flüssigem Salz nutzen. Das Solar-Institut Jülich setzt dagegen auf Keramik oder Sand als Wärmebunker. Durch solche feste Speichermedien lassen sich Temperaturen von bis zu 1000 Grad erzielen, was den Wirkungsgrad verbessert und verhindert, dass ein Großteil der Energie ungenutzt verloren geht.

Konzept eines umgebauten Kohlekraftwerkes des DLR.
Das DLR will durch zusätzliche Wärmespeicher alte Kohlekraftwerke fit für die Energiewende machen. Foto: DLR

Sozialverträgliche Energiewende

Der Essener Steinkohlekonzern Steag, der in Spanien auch ein solarthermisches Kraftwerk betreibt, hat bereits Modellrechnungen für die Umrüstung von Kohlekraftwerken erstellt. Wirtschaftlich sei der Umbau aber noch nicht. Interessierte Unternehmen hoffen deshalb auf eine millionenschwere Förderung durch die Politik – wie sie bereits für die Elektromobilität verfügbar ist.

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Die Bundesregierung könnte vor allem ein Argument überzeugen. Denn in Tagebauen, Kraftwerken und bei Dienstleistern sind derzeit noch zehntausende Menschen beschäftigt. Um ihre Zukunft zu sichern, hat die Bundesregierung eigens die Kohlekommission ins Leben gerufen. Laut Steag blieben nach dem Umbau eines Kraftwerks zumindest in den Meilern selbst die Hälfte der Arbeitsplätze erhalten.

Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft hat deshalb bereits die Frage aufgeworfen, ob Speicherkraftwerke nicht eine Lösung für einen sozialverträglichen Kohleausstieg sein könnten. Die Regierungsparteien CDU/CSU und SPD haben jedenfalls in ihrem Koalitionsvertrag bereits zugesichert, die Idee zu prüfen – und so die Energieversorgung und damit verbunden die Elektromobilität möglicherweise grüner zu machen.

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