Technik

Solarstraßen: Klassische Solarkraftwerke sind viel effizienter

von
Marten Zabel

Solarzellen in Straßen einzubauen schien zunächst eine gute Idee zu sein. In der Praxis bringen die Solarstraßen allerdings nicht den gewünschten Effekt.

Panelen der Solarstraße in Tourouvre au Perche.
Sie galten als Helden der Energiewende: Nach ersten Tests ist jedoch klar, dass es den Solarstraßen an Effizienz fehlt. Foto: picture alliance / Christophe Petit Tesson/EPA/dpa

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie die Bilanz der ersten Solarstraßen bisher ausfällt
  • Weshalb die Effizienz der Solarzellen auf den Straßen leidet
  • Warum Solarenergie besser aus dem Kraftwerk kommen sollte

Die ersten Ergebnisse von Praxistests mit Straßen mit eingelassenen Solarzellen sind da. Die Zahlen sind ernüchternd: Viele Faktoren senken den Effizienzgrad der teuren Sonnenkollektoren und machen diese mit regulären Solarparks nicht mehr konkurrenzfähig. Das wirft Fragen nach Alternativen auf, da offenbar weit weniger Straßen für die Stromgewinnung geeignet sind als bislang erhofft.

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Aber warum liefert eine Solarzelle in einer Straße weniger Elektrizität als ein gleich großes Paneel, das auf einem Haudach oder in einem Solarkraftwerk eingebaut ist?

Die Gründe sind vielfältig, aber eigentlich ganz einleuchtend. Vor allem dieser: Auf einem Dach oder in einem Solarkraftwerk können die Solarzellen in Richtung der Sonne ausgerichtet werden – auf der Straße liegen sie dagegen in einem flachen Winkel.

Hinzu kommen Schatten von naheliegenden Gebäuden oder Pflanzen: Schon fünf Prozent Schatten auf den Solarzellen können rund 50 Prozent weniger Leistung bedeuten.

Solarstraßen: Die Effizienz von Solarzellen leidet

Außerdem sammeln sich auf den Straßen Dreck und Staub, und die Fahrbahndecke ist eine dicke, lichtschluckende Schicht. Darüber hinaus erwärmen Glas und Autos die Solarzellen: Mit jedem Grad über ihrer idealen Betriebstemperatur verlieren die Paneele ein halbes Prozent an Effizienz.

Die negativen Faktoren addieren sich: Die Straße im französischen Tourouvre au Perche etwa hat theoretisch eine maximale Stromproduktion von 420 Kilowatt. Sie sollte mit ihren 2800 Quadratmetern laut Projektplan 800 Kilowattstunden am Tag produzieren, genug für 80 Haushalte.

Aktuelle Daten sprechen allerdings für eine Produktion von nur 409 Kilowattstunden pro Tag. Der Kapazitätsfaktor, also die durchschnittliche Stromerzeugung geteilt durch das theoretische Maximum, liegt damit bei gerade einmal vier Prozent.

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Solarenergie: Besser aus dem Kraftwerk

Die Unterschiede werden im Vergleich zu einem klassischen Solarpark deutlich: Das Cestas-Solarkraftwerk bei Bordeaux hat einen Kapazitätsfaktor von 14 Prozent. Die Teststraße hat fünf Millionen Euro gekostet, also 11.905 Euro pro installiertem Kilowatt. Das Solarkraftwerk kommt auf Installationskosten von 1200 Euro pro installiertem Kilowatt – ein Zehntel der Anschaffungskosten. Und es kommt auch noch mehr als drei Mal so viel Elektrizität dabei heraus.

Tatsächlich sind nicht alle Straßen für die Aufrüstung mit Solarzellen geeignet. Effektiver wäre es wohl, wenn die Solarzellen direkt auf Hausdächer kommen: In den meisten westlichen Ländern sind vor allem in urbanen Gebieten deutlich mehr Flächen bebaut, als von Straßen eingenommen – und deren Oberseiten sind seltener im Schatten und bieten oft auch bessere Winkel zur Sonne sowie weniger Verschmutzungsprobleme als Straßen am Boden.

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