Elektromobilität

Solarauto: Studenten treiben die Entwicklung voran

von Carola Franzke

Immer wieder tüfteln Studenten an Solarautos, um an Wettbewerben wie der World Solar Challenge teilzunehmen. Daraus sollen irgendwann Serienautos entstehen.

Ein Solarauto fährt über eine Landstraße, im Hintergrund sind zwei andere Fahrzeuge zu erkennen.
3000 Kilometer durch Australien: Teilnehmer bei der World Solar Challenge 2017. Foto: World Solar Challenge

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum die Entwicklung des ersten marktfähigen Solarautos vor allem in den Händen von Studenten liegt
  • Wie die World Solar Challenge die Entwicklung von Solarautos vorantreibt
  • Wieso die American Solar Challenge hauptsächlich als Innovationsmotor gesehen wird

Die Zukunft der Elektromobilität - vielleicht entsteht sie gerade in einem Unigebäude irgendwo auf der Welt. Denn Studenten rund um den Globus wetteifern darum, als erste ein alltagstaugliches, nachhaltiges Solarauto auf die Straße zu bringen.

Der neue Audi e-tron

Das kann der erste elektrische SUV von Audi.

Mehr erfahren

audi.de/DAT-Hinweis

Einer der Haupttreiber für die Entwicklung dieser Solarautos ist die World Solar Challenge, die alle zwei Jahre stattfinden – das nächste Mal vom 13. bis 20. Oktober 2019. Die teilnehmenden Solarautos müssen hierbei eine rund 3000 Kilometer lange Strecke von Darwin nach Adelaide bewältigen. Oder anders gesagt: Den Kontinent einmal von Nord nach Süd durchqueren.

Die Teilnahme an der Challenge ist unter Studenten inzwischen zu einem festen Bestandteil des Uni-Daseins avanciert, wie Springbreak in Daytona Beach oder die MIT Mystery Hunt.

Siegerautos der letzten World Solar Challenges wurden immer wieder von Studenten aus den Niederlanden gebaut: Die Teams der Universitäten in Delft und Eindhoven waren ausgesprochen erfolgreich. In den letzten drei Rennen konnten beide Universitäten in zwei der Kategorien jeweils den ersten Platz sichern, und das Team der Delfter Universität ist sogar seit 2001 konstant unter den ersten drei Plätzen des Rennens.

Die World Solar Challenge

Die World Solar Challenge hat drei verschiedene Kategorien:

  • Challenge
  • Cruiser
  • Adventure

In jeder Klasse müssen die Fahrzeuge jeweils andere Auflagen für die Teilnahme erfüllen, etwa die Solarpanelgröße und Batteriekapazität betreffend. Für die jüngste Klasse – Cruiser – und für die Challenge-Klasse gilt unter anderem, dass die Fahrzeuge...

  • vier Räder haben
  • ein vorgeschriebenes Maximum an Solarzellen-Fläche einhalten
  • eine Obergrenze für das Gewicht des Akkus nicht überschreiten

Bei der Adventure-Klasse sind die Regeln weniger streng, hier geht es vor allem um Sicherheit im Straßenverkehr und den Spaß am Dabeisein.

Die Jury achtet nicht allein auf Geschwindigkeitsrekorde, sondern zunehmend auf praktische, vermarktbare Ausstattungen: Hier ist insbesondere die Cruiser-Klasse im Fokus, denn diese Solarautos müssen mindestens zwei Personen transportieren können.

Das Siegerauto „Stella Vie“ der Cruiser-Klasse 2017 wurde vom Team der Eindhovener Universität gebaut. Es ist mit einer App ausgerüstet, die sonnige Parkplätze empfehlen kann, so dass die Solarpanels das Auto während des Parkens laden können. Der Innenraum ist komfortabel gepolstert und mit fünf Sitzplätzen und einer Kindersitz-Halterung ausgestattet.

Der Stella Vie der Uni Eindhoven fährt über eine Straße. Im Hintergrund ist australische Steppe zu erkennen.
Fünfsitzer mit Solardach: Der "Stella Vie" der Uni Eindhoven gewann 2017 die Cruiser-Klasse der World Solar Challenge. Foto: picture alliance / Photoshot

Die American Solar Challenge

Das amerikanische Pendant, die American Solar Challenge (ASC), findet ebenfalls alle zwei Jahre statt, zuletzt im Juli 2018 von Ohio nach South Dakota. Das Rennen, in Anlehnung an die Formel Eins (englisch „Formula One“) auch „Formula Sun“ genannt, hat mit knapp 3200 Kilometern eine ähnliche Streckenlänge wie das Rennen quer durch Australien.

Die Teilnahme gilt als einer der Inkubatoren für junge Techniktalente – so war auch der Google-Mitgründer Larry Page als Student unter den Teilnehmern der Challenge.

Die Teams, die bei der ASC mitfahren, sind immer wieder sehr bunt gemischt und sorgen für Aufsehen. Darunter sind beispielsweise Schüler, die ein Fahrzeug aus Pizzakartons und Alufolie konstruierten, oder ein reines Frauenteam aus dem patriarchalisch geprägten Indien.

Solarauto in Serienproduktion

Vielversprechende Konstruktionen und viel Aufsehen – das haben beide Wettbewerbe gemeinsam. Die Frage, warum es noch kein Serienauto mit Solarantrieb gibt, liegt durchaus nahe: Eines der australischen Rennen wurde von einem Team schon mal in unter 30 Stunden absolviert, während Google Maps für die Strecke eine Fahrzeit von 32 Stunden angibt. Das klingt also durchaus alltagstauglich.

Doch neben dem für 2019 angekündigten Sono Sion, der seine Energie sowohl über das Stromnetz als auch über Solarzellen beziehen kann, bleibt bisher überwiegend bei Studienprojekten, denn so viel Sonnenlicht wie im australischen Outback oder im Sommer des amerikanischen Mittleren Westens gibt es eben nicht immer und überall. In Städten mit hoher Bebauung gibt es zudem viel Schatten.

Dort, wo kein Schatten ist, gibt es ein praktisches Hindernis, das die Hitzewelle im deutschen Sommer 2018 gerade deutlich vor Augen führt: Kaum jemand möchte in ein Auto einsteigen, was in der prallen Sonne geparkt stand – und das wäre für ein Solarauto essentiell.

Updates

Bleiben Sie zum Thema Elektromobilität immer informiert.

Die Beschäftigung mit Solarautos ist vor allem ein Innovationstreiber – in Vorbereitung der diesjährigen ASC hat beispielsweise ein Student der Universität von Michigan, Xiaozhou Che, ein neues Solarpanel-Design entwickelt, das die Effizienz des Panels verbessert.

Erfolgreiche und besonders kreative Studententeams werden zweifellos von potentiellen Arbeitgebern beachtet, und gute, innovative Ideen werden aufgegriffen und weiterentwickelt – auch, wenn ein rein solarbetriebenes Auto wohl noch lange Zukunftsmusik bleibt.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.

Schließen