Elektromobilität

Elektroauto im Winter: Wie viel Reichweite verliere ich?

von
Leonie Butz

Im Winter verliert ein Elektroauto an Reichweite – und auch die Heizung kostet Akkuleistung. Mit den aio-Tipps kommen Sie warm und sicher durch den Winter.

Luftaufnahme eines verschneiten Mischwalds, über dem Nebel liegt.
Wenn draußen die Temperaturen sinken: Auch das Elektroauto braucht im Winter speziellen Schutz gegen die Kälte – und den Verlust der Reichweite. Foto: Unsplash/Atle Mo

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie groß ist der Verlust der Reichweite im Elektroauto bei Minustemperaturen?
  • Wie bereite ich eine Fahrt mit dem Elektroauto im Winter vor?
  • Wie sollte man eine Strecke mit dem Elektroauto im Winter planen?

In Teilen Deutschland ist der Winter bereits in vollem Gange. Schneemassen und vereiste Straßen sorgten im Süden bereits für Chaos. Für Fahrer eines Elektroautos eine harte Zeit, denn sie stehen vor einigen Problemen. Das ist zumindest die landläufige Meinung – nicht selten kommt sie gemeinsam mit einem verschmitzten Lächeln.

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Tatsächlich verlieren Elektroautos im Winter etwas an Reichweite. Doch ist es wirklich so schlimm und wie lässt sich der Akku bei Minusgraden schützen? Vorneweg: Die Heizung muss nicht zwingend ausgeschaltet bleiben.

Wie groß ist der Verlust der Reichweite im Winter?

Beim Elektroauto kann die Reichweite im Winter um mehr als 50 Prozent sinken. Ein ähnliches Phänomen ist Ihnen vielleicht bereits beim Akku des Smartphones begegnet. Denn auch das muss im Winter schneller wieder an den Strom als im Sommer.

Was beim Handy aber noch vergleichsweise harmlos ist, kann bei der Elektromobilität bedeuten, dass Sie unterwegs einfach liegenbleiben. Denn die Reichweite verringert sich im Winter deutlich.

Der ADAC hat den Verlust an einem Mitsubishi i-MiEV exemplarisch für alle Elektroauto getestet und kam zu folgendem Urteil:

Bei Geschwindigkeiten um die 100 km/h sind die relativen Verluste bei der Reichweite noch vergleichsweise gering:

  • Bei 20 Grad schafft das Elektroauto 91 Kilometer.
  • Bei 0 Grad schafft es 82 Kilometer.
  • Bei minus 20 Grad sind es noch 70 Kilometer.

Ein sehr viel höherer Verlust der Reichweite zeichnet sich hingegen bei Geschwindigkeiten von 30 km/h ab:

  • Bei 20 Grad schafft das Elektroauto 188 Kilometer.
  • Bei 0 Grad schafft es 93 Kilometer.
  • Bei minus 20 Grad sind es noch 68 Kilometer.
Eine Straße, rechts und links ein verschneiter Wald.
Dank der Heizung ist es im Auto auch im Winter schön warm – aber das saugt die Batterie schnell leer und mindert die Reichweite des Elektroautos enorm. Foto: Unsplash/Dan Otis

TÜV Süd: Keine Angst vor elektrischen Fahrten im Winter

Die Angst vor Fahrten im Winter ist bei Besitzer eines Elektroautos oft unbegründet. Der TÜV Süd nennt als gutes Beispiel das Land Norwegen. Dort sind bereits heute viele Einwohner mit elektrischen Fahrzeugen unterwegs – bei im Schnitt niedrigeren Temperaturen als in Deutschland.

“Wer ein paar grundsätzliche Regeln beachtet, beispielsweise die Batterie nicht zusätzlich belastet, die Bordelektronik clever einsetzt und die Fahrdynamik kennt, für den ist das Elektroauto ein zuverlässiges Fahrzeug – rund ums Jahr. Die Batterietechnologie ist winterfest”, so Volker Blandow, Head of E-Mobility bei TÜV Süd.

Das Elektroauto fit für den Winter machen: 7 Tipps

Aber wie bereite ich mein Elektroauto ideal auf den Winter vor? Und muss ich im Winter anders fahren als im Sommer? Wir klären die wichtigsten Fragen.

1. Wie bereite ich eine Fahrt mit dem Elektroauto im Winter vor?

Im Winter sollten Sie den Fahrzeuginnenraum bereits während des Ladens heizen. An der handelsüblichen Steckdose kann dabei mehr Strom in die Wärme als in den Akku fließen. Deshalb dauert das Laden zwar etwas länger, die Heizung muss aber dann nicht von Null starten, um das Auto zu wärmen. Ein weiterer Vorteil: Die Scheiben sind von Eis befreit.

Haben Sie also sowohl den Akku als auch die Wärme im Blick. Denn ist das Auto zwar schön warm beim Start, der Akku aber nicht vollgeladen, haben Sie ein ähnliches Problem wie ohne das Vorheizen.

2. Gibt es Alternativen zum Vorheizen?

Bei einigen neueren Modellen haben die Hersteller bereits eine Wärmepumpe nachgerüstet, um den Akku warmzuhalten. Das Problem: die Pumpe ist nicht immer serienmäßig, sondern oft nur gegen Aufpreis erhältlich. Wer also plant, sich in nächster Zeit ein E-Auto zu kaufen oder zu leasen, der sollte in Hinblick auf die kalten Temperaturen auf eine Wärmepumpe achten.

3. Wie funktioniert die Heizung im Elektroauto?

Statt Abwärme vom Verbrennen des Treibstoffs zu nutzen – wie bei Diesel- oder Benzinautos –, zapft die Heizung im Elektroauto den Akku an, der auch das Auto antreibt. Der ADAC fand heraus, dass das bis zu 5 kW sein können.

Bei Akkukapazitäten zwischen 17 und 41 kWh für Kleinwagen und maximal 100 kWh für Oberklassewagen geht einer Batterie also sehr schnell die Puste aus. Beim Mitsubishi i-MiEV etwa – mit einer Kapazität von 16 kWh – macht der Verbrauch bereits einen großen Teil der Batteriekapazität aus.

4. Muss mein Elektroauto im Winter in die Garage?

Unbedingt! So verhindern Sie, dass das Elektroauto – und vor allem der Akku – völlig auskühlt. Besonders niedrige Temperaturen können im schlimmsten Fall sogar bleibende Schäden an der Batterie verursachen.

5. Sollte ich eine Strecke mit dem Elektroauto im Winter anders planen?

Generell sollten Sie im Winter immer etwas Reserve bei der Reichweite einplanen. Idealerweise legen Sie bereits vor der kalten Jahreszeit eine detaillierte Analyse Ihrer regelmäßigen Strecken und des Verbrauchs an. Sinken dann die Temperaturen, lässt sich bereits prüfen, wo es im Winter knapp werden könnte.

Ein Drittel der Batterie-Leistung sollten Sie bei der Streckenplanung als Reserve aufbewahren – dazu rät der ADAC.

6. Was mache ich, wenn ich mit dem Elektroauto im Schnee steckenbleibe?

Wer mit dem Elektroauto im Schnee feststeckt, tut gut daran, den Eco-Modus zu nutzen. Denn damit wird das Drehmoment verringert, um die Reifen vor dem Durchdrehen zu schützen.

7. Veränderungen an der Fahrdynamik bedenken

Die verringerte Leistung der Batterien sorgt auch für eine langsamere Beschleunigung. Überholmanöver dauern im Winter deshalb meist etwas länger. Mit der von wärmeren Tagen gewohnten Kraft sollten Fahrer eines Elektroautos deshalb nicht rechnen. Auch das Bremsverhalten verändert sich. Weil das Auto bei Minusgraden schlechter rekuperieren kann, fallen elektrische Bremsungen weniger Wirkungsvoll aus.

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Fahrer eines Elektroautos sollten deshalb im Winter lieber öfter den Fuß auf das Bremspedal drücken. Einen wichtigen Tipp gibt Volker Blandow vom TÜV Süd E-Moblisten noch mit auf den Weg: “Auch bei geringerer Beschleunigung, wegen der kalten Batterie: Bei glatter Fahrbahn immer an das hohe Drehmoment denken.”

Fazit: Auch mit dem Elektroauto kommen Sie gut durch den Winter. Ein besonderes Augenmerk sollten Sie dabei auf den Akku richten: In der Garage wird er nicht zu kalt. Außerdem sollen Sie das Elektroauto bereits vor der Fahrt heizen, um den Verlust der Reichweite so gering wie möglich zu halten. Wer im Winter auch gerne mit dem E-Bike unterwegs ist, kann auch das sattelfest für frostige Temperaturen machen.

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