Elektromobilität

Von Schwalbe bis Unu: So funktioniert der Motor beim Elektroroller

von
Stefan Adrian

Auch bei einem Elektroroller sorgt der Akku für die Energie, der Motor für die Geschwindigkeit. Doch welche Arten kommen zum Einsatz und warum?

Unu bei der Fahrt auf einer Straße.
Elektroroller wie der Unu des gleichnamigen Start-ups aus Berlin sollen die ideale Alternative zum Auto im Stadtverkehr sein. Foto: picture alliance / Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB

Das erfahren Sie gleich:

  • Welche Rolle der Motor in einem Elektroroller spielt
  • Warum der Radnabenmotor die am häufigsten verbaute Variante ist
  • Welcher Hersteller die meisten Elektromotoren für Roller baut

Berlin ist eine Stadt, in der ständig Altes auf Neues trifft: Alteingesessene treffen auf Zugezogene, Altbackenes trifft auf Avantgardistisches, Antiquiertes auf Progressivität.

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Letzteres ist auch im Straßenverkehr vorzufinden. Da rattert da und dort nämlich immer noch eine "Schwalbe" über den Asphalt der Hauptstadt, begleitet von ihrem unmissverständlichen Auspuffröhren aus Vorwendejahren.

Von Schwalben und Elektroschwalben

Der DDR-Kultroller, von 1964 bis 1986 von Simson gebaut, kostete etwa 1.200 Ostmark, brachte knapp 80 Kilo auf die Waage und ist heute ein Sammlerobjekt. An diesem schießen da und dort ähnlich gelbe Schwalben vorbei. Sie tun das jedoch leiser - und meist wesentlich schneller.

Es sind Elektroschwalben, gebaut von der Münchener Firma Govecs, die seit letztem Jahr den Straßenverkehr bereichern. Diese Roller sind zwar mit ca. 135 Kilo (als Modell mit zwei Akkus, es gibt auch eines mit einem Akku) wesentlich schwerer, dafür aber flotter und vor allem wesentlich grüner als ihre nostalgischen Vorgänger.

Der Vintage-Elektroroller beschleunigt von Null auf 45 km/h in weniger als fünf Sekunden. Dafür verantwortlich ist ein 4 kW starker Elektromotor, der bei der Beschleunigung für ein Drehmoment von 329 Nm (Newtonmeter) sorgt, während für die Kraftübertragung ein Doppelriemenantrieb zuständig ist.

Die E-Schwalbe abgestellt auf dem Seitenständer.
Moderne Technik in altem Gewand: Govecs bringt die Schwalbe als Elektroroller zurück. Foto: GOVECS / Markus Rössle

Radnabenmotor als Standard bei Elektrorollern

Das Herzstück der Elektromobilität ist - bekanntermaßen - der Akku. Über ihn wird zumeist geschrieben, er steht im Mittelpunkt der Debatten. Er ist jedoch nicht - und nicht jedem ist das bewusst - gleichbedeutend mit Motor. Der Motor ist wie beim benzinbetriebenen Roller auch beim Elektroroller ein eigenständiges Objekt - wenn sich auch beide natürlich voneinander unterscheiden.

Bei den meisten Elektrorollern am Markt haben sich heute bürstenlose Gleichstrom-Radnabenmotoren als Standard etabliert. Der Radnabenmotor ist ein Motor, der direkt in ein Rad eingebaut ist und gleichzeitig die Radnabe trägt, während ein Teil des Motors das Drehmoment auf das Rad überträgt, mit dem er umläuft. Sprich das vom Elektromotor bewirkte Drehmoment erzeugt eine Zugkraft am Radausstandpunkt eines Rades. Das erlaubt, leistungsstarke Motoren auf kleinstem Raum zu verarbeiten.

Wegen seines geringeren Gewichts und Massenträgheitsmoments sitzt der Radnabenmotor meist im Vorderrad. Das erschwert die Lenkung nicht, die Kreiselmomente sind kleiner. Im Hinterrad eingebaut, erzielt das Rad eine bessere Bodenhaftung.

Da mangels Getriebe und Antriebswellen Übertragungsverluste wegfallen, bietet diese Variante eine Steigerung des gesamten Antriebssystems. Die Position im Hinterrad reduziert Platzbedarf und die Anzahl der Teile für den Antrieb.

Als Nachteil des Radnabenmotors ist häufig der höhere Anteil ungefederter Massen angegeben, der sich wiederum auf den Komfort auswirkt. Bei einigen Modellen kommen daher auch Motoren zum Einsatz, die ihre Kraft über einen Zahnriemen an das Hinterrad übertragen, wie etwa beim e-Vivacity von Peugeot.

Leistung unterscheidet sich zum Teil stark

Die meisten Modelle sind mit einem 500- und 2.000-Watt-Motor ausgestattet und ausgerichtet für Geschwindigkeiten von 20 bis 45 km/h (wofür man eine Fahrerlaubnis der Klasse AM benötigt, die man mit 16 bekommen kann bzw. in der Pkw-Führerscheinklasse B und in den Kraftrad-Führerscheinen A, A1 und A2 enthalten ist). Ein bekanntes Model hierfür ist z.B. der Elektroroller von unu, der in Leistungsstufen von 1000, 2000 und 3000 kW zu haben ist.

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Bei diesem, wie auch bei der Elektroschwalbe, kommt ein Motor von Bosch zum Einsatz. Der deutsche Hersteller hat sich eine führende Rolle bei Elektrorollern auf deutschen Straßen erarbeitet – nicht von ungefähr, immerhin verweist man darauf, dass bis 2020 schätzungsweise weltweit jährlich etwa 100 Millionen leichte Elektrofahrzeuge vom Band laufen. In Asien, so das Unternehmen, würden etwa 30 Millionen Elektroroller verkauft.

Durchaus vorstellbar, dass ein paar Schwalben darunter sind …

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