Leben

Smartwatch am Steuer - was passiert, wenn mich die Polizei erwischt?

von
Jennifer Grasshoff

Erwischt Sie die Polizei, wenn Sie am Steuer das Handy in der Hand haben, droht ein hohes Bußgeld und ein Punkt in Flensburg – was ist mit der Smartwatch?

Eine Smartwatch am Arm eines Mannes, der ein Auto fährt.
Handy am Steuer, das wird teuer – das weiß mittlerweile jeder. Aber wie sieht es mit der Smartwatch bei der Fahrt aus? Foto: Shutterstock / FranciscoMarques

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum Ablenkung bei der Autofahrt so gefährlich ist
  • Was die StVO zur Nutzung von Smartwatches während der Autofahrt sagt
  • Warum die Nutzung der Uhr teurer werden kann als das festgesetzte Bußgeld im Katalog

Das Smartphone am Steuer ist mittlerweile die Unfallursache Nummer Eins auf deutschen Straßen. Aus einer Statistik von 2017 geht hervor, dass 500 Verkehrstote und 25.000 Verletzte aus Unfällen im Straßenverkehr auf die Nutzung eines Mobiltelefons zurückzuführen sind. Und das, obwohl die meisten Autofahrer mittlerweile wissen, wie gefährlich es ist. Ende 2017 wurde in der Straßenverkehrsordnung daher das Bußgeld für einen solchen Fall von 60 Euro auf 100 Euro angehoben. Dazu gibt es einen Punkt in Flensburg, für den, der von der Polizei erwischt wird.

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Ob Smartwatch oder Smartphone: Vorsicht vor Ablenkung

Aber wie sieht es mit einer Uhr aus? Na ja, genauer gesagt, einer schlauen Uhr. Egal, ob Apple Watch, Samsung Gear, Pebble oder wie sie alle heißen – verstoße ich gegen die StVO, wenn ich eine Smartwatch während der Autofahrt trage? Die Antwort ist: Nein. Selbstverständlich dürfen Sie während der Autofahrt eine solche Uhr an Ihrem Handgelenk tragen. Und ebenfalls nein zu der Frage, ob Sie mit einer Strafe zu rechnen haben, wenn die Polizei Sie anhält.

Es ist erlaubt, eine smarte Uhr zu tragen und hin und wieder nachzusehen, wie spät es ist – dabei muss es allerdings bleiben.

Es ist nicht erlaubt, dass Sie den vollen Umfang der Uhr, beziehungsweise enthaltene Apps, nutzen. Denn auch mit einer Smartwatch am Arm sollten Sie während der Fahrt die Hände am Lenkrad lassen. Denn, so heißt es auf der Webseite des Bußgeldkatalogs: "Schon eine Sekunde der Unachtsamkeit kann dabei schnell zu einem Verkehrsunfall führen." In diesem Fall kann es dann nicht mehr um Bußgelder, sondern ums Leben gehen.

Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.

(§ 1 Absatz 1 StVO)

In Zahlen ausgedrückt bedeute das, so rechnet der Bußgeldkatalog vor:

  • Reaktionsweg in m ≈ (Geschwindigkeit ÷ 10) x 3

Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h beträgt der Reaktionsweg im Schnitt als 15 Meter

Ist der Fahrer drei Sekunden lang abgelenkt, wird der Multiplikator am Ende der Gleichung dementsprechend erhöht:

  • Reaktionsweg in m ≈ (Geschwindigkeit ÷ 10) x (3 x 3)

Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h beträgt der Reaktionsweg dann also 45 Meter

Smartwatch-Nutzung: Das sagt die StVO

Wie das genau in der Straßenverkehrsordnung verankert ist, zeigt sich beim Lesen der StVO. Für elektronische Geräte wie Smartphone oder eben Smartwatch greift § 23 Absatz 1a StVO:

Wer ein Fahrzeug führt, darf ein elektronisches Gerät, das der Kommunikation, Information oder Organisation dient oder zu dienen bestimmt ist, nur benutzen, wenn

entweder

a) nur eine Sprachsteuerung und Vorlesefunktion genutzt wird oder
b) zur Bedienung und Nutzung des Gerätes nur eine kurze, den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen angepasste Blickzuwendung zum Gerät bei gleichzeitig entsprechender Blickabwendung vom Verkehrsgeschehen erfolgt oder erforderlich ist.

Geräte im Sinne des Satzes 1 sind auch Geräte der Unterhaltungselektronik oder Geräte zur Ortsbestimmung, insbesondere Mobiltelefone oder Autotelefone, Berührungsbildschirme, tragbare Flachrechner ...

In der StVO ist also auch die Smartwatch explizit aufgeführt: als tragbarer Flachrechner. Ein kurzer Blick auf die Uhr ist also in Ordnung – das Schreiben und Lesen von Nachrichten oder das Bedienen von Apps hingegen ist eindeutig ein Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung.

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Uhr im Auto: Nutzung kann teuer werden

Auch wenn die intensive Benutzung dieses kleinen Wearables laut Bußgeldkatalog nur eine sehr geringe nach sich zieht (10 Euro). Kommt es im Zuge dessen zur Beeinträchtigung anderer Verkehrsteilnehmer oder gar zu einem Unfall, kann das ein Fahrverbot, zwei Punkte in Flensburg und ein dreistelliges Bußgeld nach sich ziehen. Zusätzlich kann die Versicherung Probleme machen, wenn eine Teilschuld wegen Fahrlässigkeit festgestellt wird. Richtig problematisch wird es, wenn bei dem Unfall Personen verletzt wurden.

Da sollten Sie es sich zweimal überlegen, ob Sie sich von der kleinen Spielerei an Ihrem Handgelenk ablenken lassen möchten. Denn wie bei der Handynutzung am Steuer verlängert sich auch beim Herumdaddeln mit einer Smartwatch die Reaktionszeit. Und auch wenn das reguläre Bußgeld relativ gering ist, schnellen die Kosten in die Höhe, wenn eben doch mal etwas passiert. Alternativen bieten smarte Vernetzungen des Autos – wie Apple CarPlay. Ebenfalls geeignet sind vernetzte AR-Windschutzscheiben mit Head-up-Displays.

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