Technik

Smartphones und Apps für Senioren: Top oder Flop?

von Carsten Fischer

Senioren-Smartphone und Co.: Welche Produkte sind sinnvoll, welche gar beleidigend? Senioren sind Marketing-Goldgrube und -Minenfeld zugleich.

Älterer Mann hält Smartphone mit Gesundheits-App in der Hand
Das Leben in die eigene Hand nehmen: Senioren können beispielsweise ihre Gesundheitsdaten mit dem Smartphone überwachen. Foto: picture alliance / Westend61

Das erfahren Sie gleich:

  • Brauchen und wollen Senioren spezielle Smartphones?
  • Überwachungs-Apps für Senioren stoßen bei Demenz an ihre Grenzen
  • Intuitiv bedienbar: Tablets kommen bei Senioren oft besonders gut an

Immer mehr Smartphones für Senioren

Segmentierung und zugespitztes Targeting: Produkte, die stark auf eine bestimmte Zielgruppe ausgerichtet sind, liegen voll im (Marketing-)Trend. Ob Senioren aber wirklich spezielle Smartphones oder besondere Apps brauchen? Die Palette an sehr spezifischen Produkten ist jedenfalls groß.

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Der ein oder andere lehnt das Senioren-Smartphone möglicherweise ab, weil er sich selber nicht gerne als alt ansieht.

So ist etwa eine Riesenauswahl an Seniorenhandys auf dem Markt. Einfache Telefone mit großen Leuchttasten, die Oma davor bewahren, ungewollt Fotos zu versenden – weil die Funktion fehlt – oder robuste Touchscreen-Geräte mit programmierbarer Notruftaste, die fast alles können, was ein normales Smartphone kann. Wer aber ein normales Smartphone bedienen kann, lehnt das Senioren-Smartphone möglicherweise ab, weil er sich selber nicht gerne als alt ansieht. Motto: „Alt werden will jeder, alt sein will niemand“.

Diejenigen, die wirklich alt sind und sich dieser Tatsache nicht mehr verweigern können, sind dagegen mit zu viel Technik häufig überfordert. Da sind die einfachen Handys mit den großen Tasten gerade richtig. Und wer schon etwas Honig im Kopf hat, stört sich auch nicht am Radetzky-Marsch als Klingelton. Ansonsten ist so eine herstellerseitige Voreinstellung eher merkwürdig.

Überwachung von Senioren per App

Manche Produkte machen das eigene Heim seniorentauglicher, beispielsweise smarte Lampen, deren eingebauter Bewegungssensor nicht nur Licht einschaltet. Registriert der Sensor einen Sturz, schlägt die Lampe Alarm. Das klingt sinnvoll, aber eben nur, wenn man in Sensorreichweite hinfällt. Auch bei anderen Produkten gibt es häufig eine Einschränkung: Etwa Pillendosen, die daran erinnern, dass man ein Medikament nehmen sollte. Die gibt es mit einfachem Piepton oder sogar mit Bluetooth und einer Erinnerungs-App, die bei Bedarf auch Verwandte oder Pflegepersonal über eine versäumte Einnahme informiert. Nur nützt das nichts, wenn die betreffende Person langsam dement wird und den Alarm nicht mehr zuordnen kann.

Viele Anwender mögen die klobige Uhr gar nicht tragen.

Auch ein cleveres System wie beispielsweise das „Lili Smart Toolkit“ stößt spätestens bei dementen Senioren an seine Grenzen: Das Toolkit besteht aus Bewegungssensoren, einer App und einer Smartwatch. Die Sensoren melden der App zum Beispiel, wenn Kühlschrank oder Haustür geöffnet werden. Die App zeichnet Veränderungen in den Gewohnheiten auf und kann die Betreuer bei bestimmten Ereignissen alarmieren. Die Smartwatch vibriert und zeigt ein Pillensymbol an, wenn die Einnahmezeit für ein Medikament gekommen ist. Viele Anwender mögen die klobige Uhr aber gar nicht tragen, und bei zunehmender Demenz wird irgendwann das Pillensymbol nicht mehr verstanden. Die Idee ist gut, hat aber mehr die Betreuer im Fokus als die Betroffenen.

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Überfordert oder unterschätzt

Es ist nicht einfach, wirklich hilfreiche Produkte für Senioren zu entwickeln. Entweder sind die Dinge mit einem Stigma behaftet – wie zum Beispiel spezielle Telefone für Alte und der auf der CES 2018 vorgestellte Hüft-Airbag. Oder das Produkt ist zu kompliziert und überfordert diejenigen, für die es eigentlich gedacht ist. Manche Dinge treffen einfach nicht den ästhetischen Geschmack der Zielgruppe, wie die klobige Lili Smartwatch: Schwierig, wenn man vielleicht vorher eine edle Automatik- oder eine zarte Damenuhr aus Gold getragen hat.

Alexa, Smart Home und Tablets für Senioren

Die besten Produkte für Senioren sind gar nicht speziell für diese Zielgruppe entwickelt worden. Ob sie es nun selbst entdecken oder technikaffine Enkelkinder haben: Per Sprachkommando das Licht ein- und auszuschalten oder einen Anruf zu starten, das finden eben alle praktisch. Während Computer bei der Großelterngeneration eher auf Abneigung stoßen, sieht das bei Tablets ganz anders aus. Ob nun Apple oder Android – Tablets sind schön leicht und intuitiv zu bedienen. Genauso funktionieren tolle „Senioren-Produkte“, sie sind häufig ganz einfach gut für jede(n).

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