Technik

Smart Farming: Jetzt fährt sogar der Traktor autonom!

von Sabrina Lieb

Smart Farming: Jetzt fährt sogar der Traktor autonom!
Dieser Trend wird Spuren hinterlassen: Der Traktor fährt von allein über das Feld. Foto: CC0: Unsplash/Jordan Nelson

Das erfahren Sie gleich:

  • Die Digitalisierung erobert jetzt auch die Landwirtschaft
  • Der Traktor braucht künftig gar kein Führerhaus mehr
  • Hersteller Claas lässt Bauern das Düngen per App planen

Die Landwirtschaft wird digital: Traktoren fahren von alleine, die richtige Düngung bestimmt eine App – und ein Bauer aus Bayern hat das schon vor 20 Jahren vorhergesehen.

Der Traktor hat kein Lenkrad

Und da fährt er von dannen, auf riesigen Rädern, darüber eine aerodynamisch geschwungene Karosserie in Rot-metallic und mit fein gezeichneten Rücklichtern, die auch einem Maserati gut stünden. Auf den ersten Blick wirkt das seltsame Gefährt des Herstellers Case IH wie eine bizarre Konstruktion aus Monstertruck und Sportwagen. Der Bolide für Bauern ist so groß wie ein normaler Traktor, kommt aber ohne Führerhaus und Lenkrad aus.

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Vorbei die Zeiten des kleinen Familienbetriebs, bei dem der Landwirt noch gemütlich auf seinem Traktor über die Felder tuckerte.

Autonome Trecker in der Landwirtschaft, bei der Baumwollernte, beim Pflücken reifer Erdbeeren, als Düngeexperten oder als selbständig fahrender Fütterautomat im Kuhstall – die konservative Bauernschaft denkt offensichtlich schon viel moderner als gedacht. Einen Beweis lieferte jüngst die weltgrößte Landtechnikmesse Agritechnica in Hannover. Vorbei die Zeiten des kleinen Familienbetriebs, bei dem der Landwirt noch gemütlich auf seinem Traktor über die Felder tuckerte. In Zukunft wird der Kontrollraum im heimischen Büro immer mehr zum entscheidenden Arbeitsplatz der autonomen Landwirtschaft. Der Bauer hingegen schlüpft in die Rolle des Operators, der Fahrzeuge und Geräte überwacht, anstatt sie selbst zu bedienen und zu fahren.

Autonomer Traktor von Case IH
Da steht die Zukunft: Der Traktor von Case IH fährt autonom und braucht weder Lenkrad noch Führerhaus. Foto: Case IH

Claas hat sogar eine Dünge-App entwickelt

Digitale Lösungen scheinen die Marschroute der zukünftigen Landwirtschaft zu sein. Die wichtigsten Trends bei der Digitalisierung auf dem Acker sehen Experten vor allem im autonomen Fahren, der Überwachung und dem Monitoring sowie der vorausschauenden Wartung der Maschinen, beispielsweise indem sie bei drohenden Schäden bereits frühzeitig Alarm schlagen und nicht etwa mitten in der Erntezeit ausfallen. Mögliche Anwendungen könnten auch intelligente, also sensorüberwachte Traktorreifen sein, die in Zukunft ihren Luftdruck selbst anpassen.

Der Landtechnikhersteller Claas gibt den Landwirten hingegen eine App an die Hand. Per Smartphone und mit Hilfe von Satellitenbildern können diese Informationen über den Zustand ihrer Felder abfragen. Denn was das menschliche Auge zunächst nicht sieht: Felder bestehen aus vielen unterschiedlichen Zonen und Bodenqualitäten. Mit Hilfe der Ernteapp „Farm Scout“ sollen Landwirte gezielt düngen können, indem die Anwendung die optimale Düngermenge berechnet. Zudem können Mitarbeiter über die App mobil miteinander chatten, sich bereits gefahrene Strecken auf dem Display anzeigen lassen oder Aufgaben untereinander verteilen.

Mähdrescher bei der Ernte
Moderne Feldarbeit: Nach Smart Home kommt jetzt Smart Farming Foto: Unsplash/Shaun Coward

Smart Farming kommt bei den Bauern an

Die Digitalisierung und Vernetzung von Maschinen und Arbeitsabläufen innerhalb der Landwirtschaft ist schon lange keine Zukunftsmusik mehr. Mittlerweile greift jeder Zweite in der Landwirtschaft auf digitale Lösungen zurück, etwa um die Fahrwege auf dem Feld zu kartographieren oder die Zusammensetzung des Bodens zu analysieren. Nach einer Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom und des Deutschen Bauernverbands (DBV) wollen drei Viertel der 521 befragten Landwirte durch Smart Farming langfristig ihre Kosten senken, 67 Prozent gaben an, dass diese auch die Qualität der landwirtschaftlichen Erzeugnisse verbessere. Weitere Vorteile der digitalen Landwirtschaft sahen die Befragten in der Zeitersparnis, der höheren Produktionseffizienz, der körperlichen Entlastung sowie in der geringeren Umweltbelastung.

In Bayern digitalisierte ein Landwirt schon 1997 seinen Hof.

Gestern schon an Morgen gedacht: Einen guten Riecher, wie die Landwirtschaft der Zukunft ticken wird, hatte ganz offensichtlich der Stürzerhof in Germering. Auf dem Hof, rund 20 Kilometer westlich von München gelegen, fiel der Startschuss für die datenbasierte Landwirtschaft schon um 1997. Damals begann Max Stürzer junior mit der Ertragskartierung per Mähdrescher, bei der die Maschine kontinuierlich die Erntemenge misst und die dazugehörigen GPS-Koordinaten festhält.

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