Technik

Smart City: Hamburg testet Ampelassistenten für grüne Welle

von Carsten Fischer

Grüne Welle für alle? In Hamburg weiß das Auto in Zukunft, wann die Ampel auf grün springt. So soll der Verkehrsfluss ökonomischer und nachhaltiger werden.

Blick auf eine wenig befahrene Straße in der Hafencity in Hamburg
Freie Fahrt in der Smart City: Das "Traffic Light Information System" zeigt Autofahrern an, ob sie mit der momentanen Geschwindigkeit die Ampel noch bei grün erreichen. Foto: Shutterstock / Jana Schoenknecht

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie die Kommunikation zwischen Auto und Ampel den Verkehr verbessert
  • Wie die grüne Welle Verkehrsteilnehmern in Hamburg zugutekommt
  • Wie der vernetzte Straßenverkehr auch Washington D.C. zur Smart City macht
  • Wie die US-Hauptstadt sich als Stadt der Zukunft etabliert

Die grüne Welle – ein kurzer Moment des Glücks, wenn beim Autofahren dicht aufeinanderfolgende Ampeln nacheinander auf grün schalten. Genau im richtigen Augenblick, sodass man im Idealfall nicht zu bremsen oder gar an der Ampel anzuhalten braucht.

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In der Praxis erweist sich die Umsetzung allzu oft als schwierig. Der Verkehr fließt oft zäh oder gerät anderweitig ins Stocken. Die Folge: Meist erreicht man die Ampel bei rot oder schießt mit überhöhter Geschwindigkeit gerade noch so über das gelbe Signal hinweg.

Assistenzsystem prognostiziert grüne Welle

Ein Problem, das in der Smart City – gewissermaßen die vernetzte Stadt der Zukunft – vielleicht der Vergangenheit angehört. Zumindest arbeiten Here Technologies und SWARCO gemeinsam mit Audi daran. In Vorbereitung auf den Weltkongress für intelligente Verkehrssysteme (ITS) 2021 haben die drei Unternehmen in Hamburg einen Ampelphasenassistenten getestet.

Wir haben uns auf den Weg Richtung Mobilität von Morgen gemacht.

Frank Horch, Senator für Wirtschaft, Verkehr und Innovation

Dieser bislang nur in Audi-Fahrzeugen eingebaute Assistent kommuniziert quasi mit den Ampeln, die entlang der Strecke stehen. So weiß der Fahrer, wie lange die vor ihm liegende Ampel noch auf rot steht oder wann sie wieder auf rot schaltet.

Das Assistenzsystem schlägt ihm anhand dieses Zeitfensters die passende Geschwindigkeit vor, um die Grünphase exakt abzupassen. Sollte das vorgeschlagene Tempo über der erlaubten Geschwindigkeitsbegrenzung liegen, zählt ein Countdown die Zeit bis zur nächsten Grünphase.

Grüne Welle spart Zeit und Nerven

Der Ampelassistent soll einen Beitrag zu ökonomischerem Fahren und einem verbesserten Verkehrsfluss leisten, indem er das Anhalten und Beschleunigen an Ampeln reduziert. Im Idealfall optimieren derartige Geschwindigkeitsempfehlungen nicht nur den Straßenverkehr, sondern verkürzen darüber hinaus auch die individuelle Fahrzeit.

Nicht zuletzt könnte auch die Umwelt von einem niedrigeren Energieverbrauch und Schadstoffausstoß profitieren.

Frank Horch, Senator für Wirtschaft, Verkehr und Innovation: "Im Ergebnis haben wir eine Entwicklung, die funktioniert, innovativ ist und den Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern einen echten Mehrwert bietet. Wir haben uns auf den Weg Richtung Mobilität von Morgen gemacht und sind wieder ein gutes Stück vorangekommen."

Das Gemeinschaftsprojekt hatte die Technologie zunächst mit insgesamt über 60 Ampeln in Hamburg erprobt. Mit Erfolg. Denn wie die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation am in einer Pressemeldung mitteilte, solle nun die "stadtweite Bereitstellung der Daten erfolgen, sodass künftig die Grünzeitprognosen für über 1000 Ampeln im Stadtgebiet möglich sein werden".

Damit der Ampelassistent "allen interessierten Nutzerinnen und Nutzern diskriminierungsfrei" die grüne Welle voraussagt, soll die Technologie auch als App auf Smartphones kommen. So bewegen sich auch Radfahrer gleichberechtigt durch die Smart City.

So wird Washington D.C. zur Smart City

Doch nicht nur Hamburg testet die Ampelanlage 2.0. Auch die USA unternehmen große Schritte Richtung Smart City: Bereits seit Mitte März 2018 können Autos in Washington D.C. mit Ampeln kommunizieren. Die Technik dahinter nennt sich "Traffic Light Information System".

Die Fahrzeug-Infrastruktur-Kommunikation gibt es bereits in fünf anderen Städten in den USA, aber die Installationen in Las Vegas, Dallas, Palo Alto, Portland und Houston haben einen bedeutend kleineren Rahmen.

Für den Fahrer bedeutet das: Das Auto muss mit dem zentralisierten Verkehrsmanagementsystem via 4G LTE verbunden sein, dann bekommt der Fahrer etwa 50 bis 70 Meter vor der Ampel angezeigt, ob er bei konstanter Geschwindigkeit noch die Grünphase schafft.

Kommt der Fahrer während einer Rotphase an, zählt das Display die Zahlen bis zur 4 herunter, bis er fahren kann. So weiß der Fahrer jederzeit, wie lange er noch stehen muss und ist auch nicht überrascht, wenn die Standphase einmal länger dauert.

Bisher funktioniert das System ausschließlich mit Audi-Modellen. Der Autohersteller selbst verbaut das System in seinen Fahrzeugen noch nicht serienmäßig, die meisten seit Anfang 2017 in den USA gebauten Modelle enthalten es aber schon.

In Washington sind bislang 600 Straßenkreuzungen mit der neuen Technologie ausgerüstet, und im Rest des Landes gibt es insgesamt weitere 1000 Installationen, also im Schnitt 200 pro Stadt.

Ein älteres Auto biegt links in eine zweispurige Straße in Washington ein
Einfahrt in die Stadt der Zukunft: 600 Straßenkreuzungen sind in Washington mit der neuen Technik ausgestattet – aber nicht jedes Auto kann sie nutzen. Foto: CC0: Unsplash/Tuce

Wie Washington sich als Stadt der Zukunft etabliert

Verkehrsexperten und Stadtplaner prophezeien: Die Stadt der Zukunft wird komplett vernetzt sein. Selbstfahrende Autos werden die Umwelt und andere Verkehrsteilnehmer erkennen können. Fahrzeuge und Signalanlagen werden in der Lage sein, miteinander zu kommunizieren.

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Bezogen auf den Verkehr bedeuten diese Neuerungen, dass die Navigation der Fahrzeuge von außerhalb gesteuert wird und somit Staus und verstopfte Straßen der Vergangenheit angehören. Die zentralisierten Systeme könnten dann beispielsweise auch voraussagen, mit welcher Geschwindigkeit sich ein Auto fortbewegen muss, um bis zum Ziel auf einer grünen Welle zu reiten.

Muriel Bowser, Bürgermeisterin von Washington, ist begeistert von diesem nächsten Schritt Richtung höhere Verkehrssicherheit: „Wir freuen uns auf dieses neue System und hoffen auf weitere Partnerschaften mit Automobilherstellern, um ein sichereres, stärkeres und smarteres Washington zu schaffen“.

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