Leben

Smart City: Daten verändern das Leben in der Stadt

von Christian Merten

Schlaue Stadtplaner nutzen Daten aus zehntausenden von Sensoren, um Verkehr und Energienutzung sowie Abfallentsorgung und Wasserverbrauch automatisch zu steuern. Hochmoderne Ortungssysteme halten ihre Logistik in Gang, damit die Smart City in Echtzeit auf die Anforderungen einer Millionenstadt reagieren kann.

Smart City: Daten verändern das Leben in der Stadt
Alles miteinander vernetzt: Datenströme sollen die Städte lebenswerter machen. Foto: Unsplash/NASA

Das erfahren Sie gleich:

  • Städte sind für 70 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs verantwortlich
  • Smart Cities lösen das Problem durch Daten und Sensoren
  • Ein Vorbild ist das 2000 Jahre alte Santander

Jetzt wird die Infrastruktur vernetzt

Wer mit einem Stadtentwickler spricht, der hört in letzter Zeit häufig einen neuen Fachbegriff: „Smart City“. Gemeint ist damit: Urbane Infrastruktur wird durch dezentrale Informations- und Kommunikationstechnik vernetzt, damit die einzelnen Teile effizienter zusammenwirken und nachhaltiger sind. Das ist dringend nötig, denn Städte ersticken im Verkehr. Urbane Gebiete gehören schon heute zu den Hauptquellen für Treibhausgase, zeigen Zahlen der Vereinten Nationen, und sind für 70 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs verantwortlich – obwohl sie nur drei Prozent der Landmasse einnehmen.

Städte sind die größten Verbraucher von Ressourcen, haben aber auch das größte Optimierungspotenzial

Das klingt erst mal dramatisch, doch die Lösung für das Problem liegt in den Städten selbst. „Sie sind die größten Verbraucher von Ressourcen, haben aber auch das größte Optimierungspotenzial”, sagt Professor Ina Schieferdecker, die Leiterin des Fraunhofer-Instituts für Offene Kommunikationssysteme (Fokus). Deswegen gehen Smart Cities mit innovativen Logistik-Konzepten ihre von demografischem Wandel, Verkehr oder knappen Ressourcen verursachten Probleme an. Das große Ziel sind sorgfältig geplante Städte, die ihre Infrastruktur digital integrieren, damit sie Bewegungsfreiheit, Umweltfreundlichkeit, Ressourceneffizienz und Sicherheitsmanagement selbst bei stärkstem Bevölkerungswachstum gewährleisten können.

Vielleicht leben bald alle Deutschen in der Stadt

Denn auch in Deutschland schreitet die Urbanisierung immer weiter voran: Mehr als 75 Prozent der Einwohner leben bereits in Städten, zeigt eine Auswertung von Statista, und die Zahlen gehen weiter nach oben. Führende Stadtökonomen aus Europa und den USA halten es sogar für möglich, dass bald alle Deutschen in Städten leben.

Infrastruktur in der Stadt
Urbanisierung extrem: Immer mehr Menschen ziehen in die Stadt. Die Infrastruktur muss mitwachsen. Foto: Shutterstock / benedix

Diese Entwicklung hat aber auch viele Vorteile für die Logistik, zeigt eine Analyse des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Durch ihre Größe und Siedlungsdichte könnten Städte soziale Infrastruktur besser und günstiger bereitstellen als ländliche Gebiete. Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen erreichen viele Menschen, wodurch vor allem sozial benachteiligte Gruppen, aber auch Flüchtlinge und Migranten leichter am gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Leben teilhaben können. Moderne Smart Cities sollen diese Entwicklungen weiter verstärken und die bisherigen Probleme mit dem Verkehr in den Griff bekommen.

Santander ist besonders smart

Ein besonderes Beispiel für die Möglichkeiten zur Optimierung liefert das spanische Santander, das als „intelligenteste Stadt Europas“gilt. Dort werden täglich mindestens 150.000 Datenblöcke aus mehr als 20.000 Sensoren verarbeitet, die überall in der 2000 Jahre alten Stadt verteilt sind. Sie wurden im Boden versenkt oder auf Busse montiert und füttern eine zentrale Kontrollstelle für Logistik mit Informationen über die verschiedensten Vorgänge.

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Santander arbeitet bereits seit sieben Jahren an der Vernetzung seines ganzen Stadtgebietes und ist damit weltweit führend unter den Smart Cities. So werden beispielsweise Parkplätze auf der Straße wie ein einziges Parkhaus verwaltet. In der City stehen Anzeigetafeln, auf denen Autofahrer lesen können, ob sich die Einfahrt in bestimmte Straßenzüge überhaupt lohnt. Dadurch fließt der Verkehr besser, und an anderen Stellen werden Energie, Wasser oder unnötige Arbeit gespart. Moderne Ortungssysteme und Sensoren machen es möglich.

Sogar die Mülltonnen haben Sensoren

Selbst die Mülltonnen sind in Santander vernetzt und melden selbst, wenn sie geleert werden müssen. Kleine Sensoren senden Signale über eine Antenne, die den Füllstand an ein Kontrollzentrum funkt. Die städtischen Entsorger analysieren diese Daten und berechnen so geschickte Routen, dass die Müllabfuhr nur noch volle Container anfahren muss. Das spart erhebliche Kosten für Fahrzeuge und Personal und reduziert auch die Luftverschmutzung. In den Parks messen andere Sensoren die Feuchtigkeit des Bodens. Nur wenn es wirklich zu trocken ist, geht der Rasensprenger an. Und bald sollen außerdem intelligente Straßenlaternen dafür sorgen, dass nur noch dort beleuchtet wird, wo nachts jemand unterwegs ist. Bis zu 80 Prozent der Stromkosten können Smart Cities so einsparen.

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