Technik

Selbstfahrende Busse: Deutsche Bahn erreicht wichtigen Meilenstein

von Carola Franzke

Autonome Taxis und selbstfahrende Busse gehören in immer mehr Städten zum Alltagsbild. Ein Test der Bahn zeigt: Angst braucht vor ihnen niemand zu haben.

Ein autonom-fahrender Mini-Bus fährt in Bad Birnbach (Bayern) auf einer Straße.
Der selbstfahrende Bus in Bad Birnbach (Bayern) wird von der Deutschen Bahn betrieben. Foto: picture alliance / Amelie Geiger

Das erfahren Sie gleich:

  • Wo der Nahverkehr schon heute autonom wird
  • Wie die Tests in Mainz und anderen Städten laufen
  • Wie autonome Taxis den öffentlichen Nahverkehr ergänzen

Sie fahren elektrisch, sie fahren autonom: Die Tests von Kommunen und Unternehmen mit selbstfahrenden Bussen oder autonomen Taxis sind in vollem Gang. Bereits in wenigen Jahren sollen die Fahrzeuge im großen Stil durch den Verkehr rollen.

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DB erreicht Meilenstein in Bad Birnbach

In der bayrischen Gemeinde ist seit Oktober 2017 ein selbstfahrender Linienbus der Deutschen Bahn unterwegs. Die Strecke ist mit etwa 600 Metern recht überschaubar. Dennoch ist Bad Birnbach von dem Testbetrieb begeistert: Die Kurgäste können vom Stadtzentrum zur Therme und zurück fahren.

Bis Oktober 2018 nutzten insgesamt 20.000 Passagiere diesen Service – vollkommen kostenlos. Die sorgen von Bürgern und Verkehrsteilnehmern kann der Test offenbar erfolgreich ausräumen: Wie der Bürgermeister Josef Hasenberger gegenüber der dpa mitteilte, kam es im ersten Jahr zu keinen Unfällen.

Besser noch, ist der Bus bisher vollkommen ohne Pannen unterwegs. Die von der Bahn eingesetzten Fahrbegleiter, die zur Sicherheit bei jeder Fahrt an Bord sind, hatten also wenig Arbeit. Weil das Projekt so gut läuft, soll künftig ein stärkerer Bus das Modell mit der Bezeichnung EZ10 ersetzten. Der schafft dann 25 statt 15 km/h und soll so auch für einen neuen Abschnitt bis zum örtlichen Bahnhof freigegeben sein.

Doch das beschauliche Bad Birnbach ist nicht die einzige Region, die autonome Busse testet. Auch in anderen Städten rollen bereits erste Selbstfahrer.

Selbstfahrende Busse erobern die Städte

Beispiel Mainz: Im August 2018 fuhr "EMMA" am Mainzer Winterhafen. Der Name EMMA steht für "Elektromobilität Mainz autonom" und bezeichnet den selbstfahrenden Elektro-Kleinbus, der vier Wochen lang auf einer Teststrecke in der Stadt am Rhein zum Einsatz kam. Der Testbetrieb sollte die Akzeptanz von autonomen Fahrzeugen im öffentlichen Nahverkehr untersuchen.

Ein weißer Kleinbus rollt über einen Platz in Mainz
In Mainz fährt der autonome Bus EMMA am Winterhafen. Foto: Mainzer Stadtwerke AG

EMMA pendelte auf einer Teststrecke, die nur 700 Meter lang war. Zur Sicherheit von Passagieren und Fußgängern war immer geschultes Personal an Bord, das im Notfall eingreifen konnte.

Trotzdem versprachen sich die Verantwortlichen aus der Stadtverwaltung und der Projektleitung aufschlussreiche Erkenntnisse von dem mehrwöchigen Test, die in zukünftige Entscheidungen für die Stadtentwicklung einfließt.

Beispiel Wien: In Österreich sollen ab 2019 im Wiener Bezirk Donaustadt kleine autonome Elektrobusse fahren, genau wie EMMA vom französischen Anbieter Navya produziert. Die Wiener Verkehrsbetriebe testen allerdings noch auf einem nicht-öffentlichen Betriebsgelände, bevor sie die Busse auf den realen Straßenverkehr loslassen wollen.

In der Schweiz ist man einige Schritte weiter, hier gibt es verschiedene Städte und Gemeinden, in denen bereits selbstfahrende Fahrzeuge in Betrieb sind.

Beispiel Marly im Kanton Freiburg: Hier fährt seit März 2017 der erste autonome Linienbus der Schweiz zwischen dem Stadtzentrum und dem MIC (Marly Innovation Center), einem ehemaligen Industriequartier in dem sich nun viele Start-ups angesiedelt haben.

Die schweizerische Post testet autonomes Fahren bereits etwas länger: Neben weiteren Testläufen in anderen Teilen des Landes sind seit Sommer 2016 zwei selbstfahrende Postbusse in Sitten unterwegs.

Autonome Taxis weltweit

Beispiel Singapur: Ein Gründer aus der Schweiz will in Singapur autonome Taxis "on demand" fahren lassen. Emilio Fazzoli, Professor an der renommierten technischen Universität von Zürich (ETH) und CTO des 2013 gegründeten Unternehmen nuTonomy.

Das Start-up ist eine Ausgründung aus seiner Zeit am MIT (Massachussetts Institute of Technology), wo der gebürtige Römer das Unternehmen gemeinsam mit dem Ingenieur und Schriftsteller Karl Iagnemma gründete.

Mit seinen Fahrdiensten will das Unternehmen die Nutzung von Autos in Metropolen wie dem dichtbesiedelten und verkehrsbelasteten Singapur auf lange Sicht um bis zu 60 Prozent reduzieren. nuTonomy testet autonome Taxis seit April 2018 in einem dafür freigegebenen Viertel des Stadtstaates.

Die Passagiere buchen ihren Wagen per App, und dann kommt "on demand" das autonome Fahrzeug – allerdings noch mit einer Sicherheitsperson auf dem Fahrersitz.

Im Verlauf des Jahres ist eine Ausweitung der Flotte und des Gebietes geplant, das vom Robo-Taxi bedient werden kann. In Boston kooperiert das Unternehmen mit dem Fahrservice Lyft, um auch dort in Zukunft Teil eines autonomen Taxiservice sein zu können.

"Ein unbemanntes Auto, das innerhalb von drei Minuten verfügbar ist und nach meiner Fahrt gleich zum nächsten Kunden fährt, ist der Schlüssel zum Erfolg des Carsharings", sagt Emilio Fazzoli.

Es ist ein Dienst mit unzähligen Vorteilen. Er kombiniert den Komfort des Individualverkehrs mit der Nachhaltigkeit des öffentlichen Verkehrs.

Emilio Fazzoli, nuTonomy-Gründer

Emilio Fazzoli sieht die Zukunft das autonomen Fahrens als Teil des öffentlichen Nahverkehrs. Denn autonome Autos könnten sehr viel leichter in ein Carsharing-Netz eingebunden werden, beispielsweise ohne Überprüfung von Führerscheinen und ohne Nachteile in der Versicherung.

Mit dieser Einschätzung ist der Gründer und ETH-Professor nicht allein, auch anderswo glaubt man, dass Carsharing-Modelle zukünftig das ÖPNV-Angebot abrunden.

Hindernisse für autonomen Nahverkehr

Dem autonomen Fahren steht nicht allein die gesellschaftliche Akzeptanz und die Technik im Weg, sondern auch die aktuelle Gesetzeslage. Das Wiener Übereinkommen über den Straßenverkehr von 1968 ist nach wie vor in weiten Teilen gültig.

Es ist von insgesamt fast 90 Ländern unterschrieben und mehr als 70 Ländern ratifiziert worden, und auch in Deutschland lassen sich Gesetze und die geltende Straßenverkehrsordnung darauf zurückführen.
In dem Übereinkommen ist in Kapitel 8 unter anderem festgehalten:

Updates

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  • Jedes Fahrzeug und miteinander verbundene Fahrzeuge müssen, wenn sie in Bewegung sind, einen Führer haben.
  • Jeder Führer muß die erforderlichen körperlichen und geistigen Eigenschaften haben und körperlich und geistig in der Lage sein zu führen.
  • Jeder Führer muß dauernd sein Fahrzeug beherrschen (...)

Die Vereinten Nationen haben 2014 zwar eine Ergänzung beschlossen, die Fahrassistenzsysteme zulässt, sofern sie vom Fahrzeugführer abgeschaltet werden können, aber für volle Autonomie der Stufe 4 oder gar 5 fehlen schlicht die gesetzlichen Grundlagen – und zwar fast überall auf der Welt.

Damit also EMMA, EZ10 und andere Busse irgendwann mal den Testbetrieb einstellen und ganz normal auf den Straßen fahren können, müssen erst die richtigen Voraussetzungen geschaffen werden.

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