Elektromobilität

Warum für Unfälle mit selbstfahrenden Autos Leitlinien nötig sind

von
Marten Zabel

Damit ein selbstfahrendes Auto nach einem Unfall keine Gefahr für Feuerwehr und andere Retter darstellt, bedarf es Verhaltensregeln und Konstruktionsstandards.

Bremsspuren auf Asphalt.
Bei einem Unfall ist bei einem autonomen Fahrzeug einiges anders als beim normalen Wagen – für Sanitäter und die Feuerwehr soll es deshalb künftig Verhaltensleitlinien geben. Foto: Shutterstock / Zhao jian kang

Das erfahren Sie gleich:

  • Warum ein Unfall mit einem selbstfahrenden Auto ungeahnte Folgen haben kann
  • Weshalb Waymo Richtlinien für den Umgang von Rettern mit autonomen Fahrzeugen herausgebracht hat
  • Wie sich mit diesen klaren Regeln die Gefahren von Elektroautos und Selbstfahrern für Feuerwehr und andere Retter minimieren ließen

Ein autonomes Auto wird im Falle eines Unfalls für Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst zur unbekannten Gefahrenquelle. Denn das Verhalten der Fahrzeuge ist bisher noch unberechenbar für Helfer und Insassen. Befinden sich verletzte Personen im Fahrzeug oder ist dieses schwer beschädigt, kann diese Unberechenbarkeit sehr gefährlich werden.

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Aber auch bei leichten Schäden ist nicht abzusehen, ob der Wagen sich nicht einfach unvorhergesehen in Bewegung setzen könnte. Genau für diese Situationen hat Waymo erste Richtlinien veröffentlicht. Ließen sich diese gesetzlich verankern, so wäre der Umgang mit den Wagen für Einsatzkräfte sehr viel simpler.

Mit selbstfahrenden Autos kommt ein neuer Unsicherheitsfaktor auf Retter zu: Auch ein leicht verunfalltes Fahrzeug kann sich anfühlen, wie eine tickende Zeitbombe, wenn man nicht weiß, ob es nicht plötzlich losrollt und eine schlimme Situation noch drastisch verschlechtert. Wenn das Fahrzeug dann noch ein Elektroauto ist, also nicht ein noch laufender Motor verrät, dass der Computer jederzeit verwirrt beschleunigen könnte, wird eine Rettung riskant.

Autonome Fahrzeuge mit eigenen Begebenheiten

Damit Polizei, Feuerwehr und Sanitäter wissen, wie sie in dieser Situation reagieren sollen, hat Waymo als erster Betreiber von autonomen Fahrzeugen Verhaltensregeln aufgestellt, die sie an eben diese Retter verteilen wollen. Ähnliche Regeln kennen etwa die Fahrer von Hybridautos bereits, bei denen diese oft hinter die Sonnenblende geklemmt sind. Sie erklären möglichen Rettern, wie sich die Batterie abklemmen lässt, um gefährliche Stromschläge zu verhindern.

Bei selbstfahrenden Autos geht die Sache allerdings noch einige Schritte weiter:

  • Zunächst einmal können Rettungskräfte Kontakt mit der Verkehrszentrale des Betreibers aufnehmen, indem sie entweder eine kostenlose Hotline anrufen oder im Fahrzeug auf einen entsprechenden Knopf drücken
  • Experten des Betreibers sollen dann nicht nur Instruktionen liefern können, sondern auch aus der Ferne auf die Funktionen des Fahrzeugs zugreifen, um es abzusichern
  • Des Weiteren gibt es genaue Anweisungen, wie Ersthelfer vor Ort die Selbstfahrfunktion deaktivieren oder das Fahrzeug komplett ausschalten und die Batterie abklemmen können

Sicherheit muss natürlich vorgehen und es wäre äußerst gefährlich, wenn das Auto auf eine durch Retter zerbrochene Scheibe mit Vollgas reagiert. Bislang gilt die Anleitung für die von Waymo eingesetzten modifizierten Chrysler Pacifica.

Es ist zu hoffen, dass sich Hersteller und/oder Regierungen auf eine Standardisierung der Verhaltensregeln für Rettungskräfte bei verunfallten autonomen Fahrzeugen einigen können. Geschieht das nicht, müssten Retter sich für jeden Hersteller eigene Prozeduren merken. In der Praxis wäre das fatal und vermutlich kaum umsetzbar, schließlich sollen sich Feuerwehr und Sanitäter in erster Linie um Verletzte kümmern, nicht um deren Autos.

Schon vor dem Elektroauto gab es neue Gefahren für die Feuerwehr

Das Aufkommen autonomer Fahrzeuge lässt sich ein wenig mit der Einführung von Airbags vergleichen. In der Frühphase dieser Technologie waren weltweit vielerorts Feuerwehrleute verletzt oder sogar getötet worden, wenn ein Airbag sich erst nach dem Unfall auslöste und sich der Retter gerade über einen verletzten Fahrer ins Auto beugte.

Das führte im Jahr 2001 zur Aufstellung der AIRBAG-Regel, nach der Feuerwehr und Sanitäter agieren, wenn sie sich um Patienten in Unfallfahrzeugen kümmern. Als weitere Maßnahme setzt die Feuerwehr bei unausgelöstem Airbag ein Netz auf das Lenkrad, um sich vor der Sprengladung des Ballons zu schützen.

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Autonome Fahrzeuge werden den Straßenverkehr sicherer machen, da sind sich alle Experten einig. Diejenigen Unfälle, die dennoch geschehen, werden aber vermutlich anders ablaufen, als das bisher der Fall ist. Damit die Gesellschaft darauf vorbereitet ist, bedarf es klarer Regeln für die Hersteller und Betreiber der Fahrzeuge, wie sich diese im Falle des Falles zu verhalten haben.

Diese können von einem Hersteller, wie in diesem Fall Waymo, aufgestellt werden, müssen dann aber von staatlicher Seite verpflichtend gemacht werden. Sonst wird es am Ende doch noch gefährlich und schwierig, Verletzten zu helfen.

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