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Schwimmende Windfarm sorgt für alternative Energie – auch in Deutschland

von Paul Bandelin

Windräder des schwimmenden Windparks Hywind vor der Küste Schottlands; ringsherum ist nur das Meer zu sehen, im Hintergrund ist ein wolkenverhangener Himmel.
Schwimmende Windfarmen sollen den Markt der alternativen Energien revolutionieren – und Ökostrom günstiger machen. Foto: Øyvind Gravås / Woldcam/ Statoil

Das erfahren Sie gleich:

  • Was ist eine schwimmende Windfarm?
  • Warum bei alternativen Energien erneut Skandinavien die Nase vorn hat
  • Wie eine schwimmende Windfarm auch in Deutschland den Ökostrom voranbringen soll

Die erste schwimmende Windfarm von Statoil soll alternative Energien revolutionieren – ein wichtiger Schritt in Richtung grüne Energie für E-Autos.

Hywind: Prototyp der schwimmenden Windfarm

Im September vergangenen Jahres nahm der norwegische Öl-Gigant Statoil mit Hywind die erste schwimmende Windfarm in Betrieb. Rund 25 Kilometer vor der nordöstlichen Küste Schottlands ragen fünf je 175 Meter hohe Turbinen aus der Nordsee und erzeugen seitdem täglich je sechs Megawatt Energie.

Das sind 65 Prozent der Leistung, die sie maximal an einem Tag generieren können. In den Frühlings- und Sommermonaten wird die Leistung erwartungsgemäß leicht zurückgehen, was den dann fehlenden klimatischen Aktivitäten zuzuschreiben ist.

Trotzdem hat die Windfarm Hywind gegenüber ihren dichter an den Küsten liegenden Pendants große Vorteile. Der Wind ist auf dem offenen Meer einfach weitaus stärker und beständiger. Andere Turbinen direkt an der Küste erzielten im Winter nur eine durchschnittliche Leistung von 50 Prozent.

Hywind ist wie ein schwimmender Bohrturm gebaut, der am Meeresboden mit einem Bucket-Fundament verankert ist. Dabei steht der Turm auf einem zylinderförmigen, offenen Stahlfundament, das mit der Öffnung nach unten durch Erzeugung eines Unterdrucks in den Boden eingesaugt wird.

Der von dem Fundament umschlossene Bodenkörper nimmt bei der Stabilisierung des Fundaments eine wichtige Rolle ein. Diese Gründungsart eignet sich jedoch nur für Sedimentböden, die eine hindernisfreie Beschaffenheit aufweisen.

Die futuristische Technik sorgt für eine ungeahnte Stabilität. Dem Herbststurm Ophelia, der mit Windgeschwindigkeiten von bis 125 Kilometern pro Stunde über die Nordsee brauste, trotzte Hywind problemlos.

Alternative Energien: Skandinavien ist Vorreiter

Große Teile Mittel-, Süd- und Nordeuropas befassen sich seit Jahren intensiv mit alternativen Energien. Wobei die skandinavischen Staaten eine Vorreiterrolle einnehmen. Neben Solaranlagen, deren Energie Forscher aus Norwegen in Zement speichern wollen, stehen vor allem vor der dänischen Küste zahlreiche Offshore-Windparks.

In Schweden will selbst Vattenfall den Ausstieg aus den fossilen Energien bewältigen. Die norwegische Regierung ist ebenso angetan von den schwimmenden Windfarmen und hat ihrerseits vor, diese vor den heimischen Küsten zu etablieren. Dabei steht die Windenergie in möglichst tiefen Gewässern im Vordergrund.

Bislang lassen sich die 11.500 Tonnen schweren Turbinen aufgrund ihrer komplexen Verankerung nur in einer Wassertiefe von bis zu 500 Metern installieren – Tendenz steigend.

Trotz des heute noch vergleichsweise teuren Aufbaus einer Anlage ist eine Kostensenkung in naher Zukunft nicht unrealistisch. Der norwegische Öl-Gigant Statoil gibt an, Parks mit 50 bis 100 Turbinen auszustatten. Somit will das Unternehmen bis 2030 einen Preis von 40-60 Euro pro Megawattstunde Energie erzielen.

Ökostrom aus Deutschland – grüne Energie für E-Autos

Auch in Deutschland ist das Thema Ökostrom angekommen und viele Unternehmen sehen großes Potenzial in der neuen Technologie der schwimmenden Windfarmen. Die Ingenieur- und Beratungsgruppe Gicon konstruiert momentan eine Plattform auf vier Schwimmkörpern. Mittels zahlreicher Stahltrosse ist sie an einem gigantischen Betonblock am Meeresgrund befestigt.

Noch in 2018 hat das Unternehmen vor, die schwimmende Turbine erst in einem nahe der Ostsee gelegenen Hafen zu montieren und dann vor der zwischen Rostock und Stralsund liegenden Halbinsel Fischland-Darß in Gänze ins Meer zu lassen. Dieser Schritt würde die Kosten für Logistik und Produktion enorm senken – und so umweltfreundliche E-Autos noch grüner machen.

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