Leben

Neuer Trend: Fracht-Sharing macht die Spedition günstiger

von Sabrina Lieb

Große Gegenstände versenden? Das war bisher teuer und aufwendig. Ein Startup aus Leipzig hat jetzt ein System zum Fracht-Sharing entwickelt. Und lässt damit die Preise purzeln.

Übereinander gestapelte Container
Buntes Angebot: Bisher waren Transporte im Container vor allem für Großversender interessant. Über die Frachtenbörse wird der Versand auf diesem Weg auch für Privatleute erschwinglich. Foto: CC0: Unsplash/Guillaume Bolduc

Das erfahren Sie gleich:

  • Privatleute und Gelegenheitsversender können sich den Frachtraum im Lkw jetzt teilen
  • Die bessere Auslastung führt zu niedrigeren Preisen für den Transport
  • Auch die Spedition profitiert von der innovativen Frachtenbörse

Viele Lkw sind überhaupt nicht ausgelastet

Rund 400.000 Lkw und Transporter sind Tag für Tag auf deutschen Straßen unterwegs und transportieren rund drei Milliarden Tonnen Güter im Jahr. Dabei ist mehr als die Hälfte aller Fahrzeuge nicht ausgelastet. Je weniger Leertouren eine Spedition jedoch fahren muss, umso preiswerter ist ihre Lieferung und umso weniger wird die Umwelt belastet. Hier kommt eine Frachtenbörse ins Spiel, die für Versender eine Spedition findet, die noch genügend Platz für eine weitere Sendung hat. „Die Lkw sind sowieso unterwegs. Warum also nicht zusammenbringen, was ohnehin den gleichen Weg hat? Sharing Economy heißt für uns, freien Laderaum für Fracht zu nutzen. Davon profitieren Versender, Speditionen und nicht zuletzt die Umwelt“, so die Gründer Felix Wiegand und Steven Qual von Pamyra.

Sperrgut schnell und günstig transportieren

Einfach mal Luft aus den Lkw lassen – was bringt zwei junge Männer dazu, eine Plattform für mehr Effizienz im Transportgewerbe aufzubauen? „Ich habe meinem Schwiegervater zugehört“, lautet die Antwort von Felix Wiegand. Dabei muss der studierte Informatiker selbst ein wenig schmunzeln. Der Vater seiner Frau war lange Zeit Niederlassungsleiter eines Logistikunternehmens und erwähnte das Problem der vielen Leerfahrten und verschenkten Kapazitäten. Die Idee zu Pamyra war geboren. Und Leipzig wurde um ein Startup reicher.

Ein Algorithmus ermittelt, ob sich eine weitere Fracht noch lohnt – und was sie kostet

Das Sharing-Konzept basiert dabei auf einem ausgeklügelten Algorithmus, mit dem sich schnell errechnen lässt, ob sich für eine zusätzliche Ladung noch ein Umweg lohnt und auch, zu welchen Kosten. „Der Vorteil besteht darin, dass wir damit für gelegentliche Bedarfstransporte eine schnelle und günstige Lösung online anbieten. Gleichzeitig werden Transporte besser ausgelastet“, so Wiegand.

Lkw auf einem Rastplatz
Gutes Geschäft: Viele Lkw fahren halbleer durch die Europa. Fracht-Sharing hilft deshalb auch den Speditionen. Foto: CC0: Unsplash/Nigel Tadyanehondo

Eine Frachtenbörse für Privatleute

Finanziert wird die Leistung ausschließlich durch die Speditionen, die ihre Fahrten online anbieten und öffentlich gelistet haben. Vom Kleintransporter bis zum großen Sattelzug - nach einer einmaligen Registrierung erhalten die Transportunternehmen automatisch Zuladungen, etwa von Privatversendern oder Unternehmen, die keine eigenen freien Kapazitäten mehr haben oder nicht über entsprechende feste Transportverträge verfügen. Shared Logistics sei dabei kein Anliegen, das ausschließlich Großunternehmen betrifft. Im Gegenteil. Laut den Gründern besteht die größte Zielgruppe vor allem aus Versendern, die nur gelegentlich eine Transportmöglichkeit benötigen oder ein sehr unregelmäßiges Aufkommen an Fracht haben.

Dabei sei Pamyra anderen Frachtenbörsen noch einen Schritt voraus: „Bei den üblichen Frachtenbörsen müssen Versender einen organisatorischen Aufwand betreiben und selbst Angebote vergleichen. Wir filtern die günstigsten Transportangebote direkt heraus. Der Nutzer benötigt keine zeitraubenden Telefonate oder Mails. Das System funktioniert dabei ähnlich wie die Preisvergleichsportale im Internet“, meint Steven Qual.

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Felix Wiegang und Steven Qual von Pamyra.
Sie wollen das Transportgewerbe umkrempeln: Pamyra-Gründer Felix Wiegand (links) und Steven Qual. Foto: Pamyra

Über 100 Speditionen machen mit

Seit seiner Gründung 2015 hat sich Pamyra zu einem aufstrebenden Sharing-Konzept entwickelt. Momentan sind Preise und Leistungen von über hundert Speditionen aus ganz Deutschland vergleichbar. Neben den Leerfahrten macht Pamyra mittlerweile auch die Haustarife der Transportunternehmen transparent. Umweltfreundliche und kostengünstige Mobilitätslösungen – Shared Mobility hält zunehmend auch im Logistikbereich seinen Einzug.

Und doch hat Pamyra noch ein paar Hürden vor sich. Wo Carsharing schon ordentlich PS auf die Piste bringt, geht es bei den Speditionen noch etwas schleppend voran: „Die Unternehmerschaft ist hier eher konservativ. Die ersten paar Speditionen mussten wir erst einmal davon überzeugen, dass wir für beide Seiten eine praktikable und zuverlässige Plattform für die Vermittlung von Ladung und freiem Frachtraum sind. Nachdem aber in den letzten zwei Jahren ein massiver Umbruch in der Logistik stattfindet und die dringliche Bedeutung der Digitalisierung endlich wahrgenommen wird, kommen die Spediteure nun auch auf uns zu”, so Wiegand.

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