Elektromobilität

Dachdecker rüstet VW-Transporter für 32.000 Euro auf E-Antrieb um

von Roland Kontny

Jörg Ewald steckte 32.000 Euro in einen E-Antrieb für einen 15 Jahre alten Transporter. Ist er verrückt oder kühler Rechner? aio hat nachgefragt.

Der elektrifizierte T4-Transporter.
Auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich: Der T4 Transporter mit E-Antrieb. Foto: Heinz Ewald GmbH

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie sich mit dem E-Antrieb Geld sparen lässt
  • Wie der Transporter dank Wechselrichter als Stromquelle dienen kann
  • Wie lange das Umrüsten gedauert hat
  • Warum Jörg Ewald auf einen Erfolg der E-Mobilität hofft

Die Reichweite – ein leidiges Problem für viele Interessierte an der Elektromobilität. Dass diese nicht für jede Art des Fahrzeugs relevant ist, zeigt der VW-Transporter von Jörg Ewald. Den 15 Jahre alten VW T4 hat er mit einem E-Antrieb ausstatten lassen.

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Wie er mit einer Reichweite von ziemlich genau 100 Kilometern auskommt, warum sich das Umrüsten auch für ältere Fahrzeuge lohnen kann und wie der Dachdecker überhaupt auf die Idee kam, 32.000 Euro in einen 15 Jahre alten Transporter zu stecken – das verriet er aio in einem Interview.

Jörg Ewald vor einer seiner Solaranlagen.
Der Dachdecker Jörg Ewald ist ein Verfechter der Solarenergie. Foto: Jörg Ewald

Wie sich mit dem E-Antrieb Geld sparen lässt

aio: Herr Ewald, Sie haben für 32.000 Euro einen 15 Jahre alten VW-Transporter zum Elektroauto umgerüstet. Andere kaufen sich dafür ein nagelneues Fahrzeug mit Garantie und moderner Technik an Bord. Warum tun Sie sowas?
Jörg Ewald: Da steckt schon eine ideologische Haltung dahinter. Seit 30 Jahren bin ich selbständiger Dachdecker und installiere Photovoltaik-Anlagen, begrüne und dämme Dächer fast ausschließlich mit recycelten Materialien. Passend dazu wollte ich mich schon immer so energie- und abgasneutral wie möglich verhalten.

Darum habe ich in dieser ganzen Zeit kein einziges Neufahrzeug mit Verbrennungsmotor gekauft. Auch der jetzt umgerüstete VW T4 war bei der Anschaffung schon zwei Jahre alt. Die einzigen Neuwagen waren vor acht Jahren zwei EcoCarrier, aber das sind ja Elektroautos.

Als Unternehmer muss man aber auch rechnen. Lohnt sich der Umbau auch nur ansatzweise?
Statt Diesel tankt das Auto nun Strom, den wir auf unserem eigenen Dach gewinnen. Da kostet die Kilowattstunde nur 12 Cent. Bei 8000 Kilometern im Jahr macht das über zehn Jahre einen Vorteil gegenüber Diesel von 4320 Euro. Zudem spare ich durch die Steuerbefreiung in den kommenden zehn Jahren 1480 Euro. Und es fallen Wartungskosten etwa für Öl oder den Ölfilter weg. Auch der alte Dieselmotor hat noch 800 Euro gebracht. Ganz so schlimm, wie es sich anhört, ist es also nicht.

Der Elektromotor des T4 Transporters.
Elektromotor statt Diesel: Der Transporter dient auch als zusätzliche Stromquelle. Foto: Heinz Ewald GmbH

Dank Wechselrichter ist der Transporter auch Stromquelle

Aber 32.000 Euro sind das noch lange nicht.
Andere Vorteile lassen sich nicht direkt in Geld messen. Der ökologische Gewinn spielt auch eine Rolle. Bei einem Neukauf hätte allein die Produktion des Transporters viele Tonnen CO2 verursacht. Dieser Umbau dagegen ist sehr nachhaltig. Das Fahrzeug muss außerdem nie wieder zu einer Tankstelle gelenkt werden, das spart Zeit und Kraftstoff.

Weil es keine gefährlichen Stoffe wie Öl oder Diesel mehr gibt, kann ich den Dreck vom Auto guten Gewissens auch auf unserem Betriebsgelände abspülen. Zudem sorgt der Elektro-Transporter für ein glaubwürdiges Image und macht kostenlose Werbung, weil er perfekt zu unserer Arbeit und unseren Produkten passt.

Ein ganz praktischer Vorteil ist der Wechselrichter an Bord. Damit können wir aus dem Fahrzeug-Akku Strom für schweres Gerät entnehmen, das wir vor Ort brauchen. Auch kann ich ab sofort über das Urteil aus Leipzig lachen, das nun zu Fahrverboten auch für fast neue Fahrzeuge mit Dieselmotor führt. Betrifft mich alles nicht mehr. Wenn ich all diese Vorteile zusammenrechne, ist es für mich pari.

Wie sind Sie auf die Idee mit der Umrüstung gekommen?
Das war Zufall. Als die Entscheidung „Austauschen oder Aufarbeiten?“ für den schon etwas verbeulten und mitgenommenen T4 im Raum stand, fand ich kein passendes Fahrzeug. Den elektrischen Street Scooter gibt es bis heute nicht mit einer bei uns benötigten Anhängerkupplung. Die großen Hersteller haben gar nichts Elektrisches in der Größe im Programm, was mich echt enttäuscht, denn dass Dieselabgase krebserregend sind, habe ich schon vor 40 Jahren gehört. Jedenfalls las ich in dieser Phase in der Zeitung vom Umrüster E-Cap Mobility und nahm Kontakt auf.

Drei Monate für die Umrüstung

Mussten Sie lange überlegen oder gar schwer schlucken, als Sie das Angebot für die Umrüstung auf dem Tisch hatten?
Nein, ich fackle bei so etwas grundsätzlich nicht lange. Der Umrüster machte einen sehr erfahrenen und überzeugenden Eindruck. Als ich die Zahl das erste mal hörte, verging nur eine Woche bis zur Entscheidung zugunsten dieses Upcyclings der etwas größeren Art. Zwischen Auftragserteilung und Auslieferung lagen dann etwa drei Monate.

Vorher hatte der VW-Transporter einen Dieselmotor mit ein paar hundert Kilometern Reichweite. Wie weit kommen Sie damit heute?
Ziemlich genau 100 Kilometer. Das klingt nach wenig, reicht aber für unsere Zwecke völlig aus, weil wir viel in der Stadt unterwegs sind. Unsere beiden EcoCarrier kommen seit Jahren mit 80 Kilometer Reichweite aus. Und wird es doch mal knapp, können wir beim Kunden an die Steckdose.

Stellen Sie irgendwelche Nachteile im Alltag fest?
Nicht wirklich. Die Batterien sind dort, wo mal die hinteren Sitze waren. Die kann man nun nicht mehr nutzen, was wir aber auch vorher nicht getan haben. Dort transportieren wir – wie schon zuvor – etwas Werkzeug.

Ewald hofft auf Hersteller, die es ernst mit der E-Mobilität meinen

Gehen Sie beim nächsten Fuhrpark-Mitglied genau so vor?
Jetzt sind alle Fahrzeuge erstmal wieder auf Vordermann und kein Austausch nötig. In fünf Jahren ist der nächste T4 fällig. Meine Sehnsucht ist, dass es bis dahin endlich einen Hersteller gibt, der etwas Passendes im Angebot hat. Wenn die wirklich wollen, schaffen die das auch.

Noch älter als der T4 geht es aber auch: Warum E-Oldtimer voll im Trend liegen – und welche tollen Modelle bereits auf den Straßen unterwegs sind, das lesen Sie ebenfalls bei aio.

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