Leben

Schlafstudie: Sind die Gene Ursache für Schlaflosigkeit?

von Marten Zabel

Europäische Wissenschaftler untersuchen in einer großangelegten DNA-Studie mit mehr als einer Million Probanden die möglichen Ursachen für Schlaflosigkeit.

Leeres Bett in dunklem Raum
Dunkelziffer: In einer großen Schlafstudie erforschen Wissenschaftler die Ursache für Schlaflosigkeit. Foto: Unsplash/Alexander Possingham

Das erfahren Sie gleich:

  • Probleme beim Einschlafen können erst die Nacht und dann den ganzen Tag verderben
  • Es gibt Hinweise, dass die Ursache für Schlaflosigkeit auch in den Genen liegen könnte
  • Eine neue Schlafstudie mit Daten von mehr als einer Million Probanden bricht den Rekord in Sachen Genforschung

Die Suche nach Ursachen von Schlaflosigkeit

Die Datenbasis ist gigantisch: Eine Datenbasis aus den Genen von rund 1,3 Millionen Menschen haben Forscher analysiert, um dem Geheimnis von Schlaflosigkeit auf den Grund zu gehen. Das Projekt unter Leitung der Neurowissenschaftlerin Danielle Posthuma von der Vrije Universität in Amsterdam sucht nach möglichen genetischen Ursachen von Schlaflosigkeit. Das ist weltweit das bisher größte Projekt, das in genetischen Informationen nach Ursachen einer krankhaften Störung fahndet. Es gibt Hinweise, dass Schlaflosigkeit vererbt werden kann – eine großangelegte Gen-Untersuchung ist also naheliegend, um den Ursachen auf die Schliche zu kommen.

Lesen Sie auch

Ladestation

aio-Empfehlung

Unter Strom! Mobilität wird elektrisch

Probleme beim Einschlafen sind quälend

Probleme beim Einschlafen oder Durchschlafen sind sehr verbreitet: Etwa 30 Prozent der Bevölkerung klagt darüber. In anderen Untersuchungen konnte schon nachgewiesen werden, dass Schlafstörungen und zu wenig Schlaf die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Betroffene sind tagsüber unkonzentriert, schneiden in Schule und Studium schlechter ab und sind anfälliger für Übergewicht und Herzerkrankungen. Bei all den negativen Begleiterscheinungen ist es nicht verwunderlich, dass die Millionen-Grenze bei einer medizinischen Studie im Zusammenhang mit Schlafproblemen durchbrochen wurde.

Schlafstudie analysiert die DNA der Probanden

Das Team um Danielle Posthuma hat die unglaubliche Menge an Geninformation von mehr als einer Millionen Probanden für die Schlafstudie analysiert. Dabei haben sie die Genomsequenzen von Personen mit und ohne Schlafstörungen verglichen. Allerdings, so Posthuma, seien die Forscher „enttäuscht“ über das magere Ergebnis: Die gefundenen Anhaltspunkte hätten alle nur einen kleinen Effekt auf die Schlafqualität. Die Gene, die als mögliche Verursacher für Schlaflosigkeit identifiziert werden konnten, erklären nur etwa zehn Prozent der Wahrscheinlichkeit, ob jemand an Schlafstörungen leidet oder nicht. Ein wirksames Medikament ist also noch nicht in Sicht – und weitere, vielleicht noch größer angelegte Studien mit mehr Probanden sind nötig.

Updates

Bleiben Sie zum Thema Leben immer informiert.

DNA-Datenbanken für die Forschung

Untersuchungen von genetischen Faktoren in Millionen-Dimensionen sind möglich, weil es große DNA-Datenbanken gibt. In diesem Fall wurden Daten aus zwei Quellen genutzt: die UK Biobank und 23andMe, ein privatwirtschaftliches Unternehmen aus Kalifornien. In der UK BioBank kann die Studie auf die genetischen Merkmale von etwa 500.000 Freiwilligen zugreifen, die sich dort registriert haben und anonym Auskunft über ihre Gesundheit geben. Die Menge an Daten hilft bei der Erforschung von genetischen Faktoren in allen möglichen Krankheiten, von Krebs, Herzleiden und Diabetes bis hin zu Depressionen oder eben Schlafstörungen.

Die DNA-Analyse verrät, wieviel Neanderthaler in der Testperson steckt oder ob sie die Veranlagung zu einer bestimmten Krankheit in sich trägt.

23andMe dagegen bietet Genanalysen für jedermann und sammelt ganz nebenbei Informationen ein, die auch für medizinische Zwecke genutzt werden können. Die Firma liefert ihren privaten Kunden vor allem Informationen über die eigene Herkunft. Man erfährt, wie hoch etwa der Anteil an chinesischer, indianischer oder irischer DNA ist. Die Analyse sagt auch, wieviel Neanderthaler in einem steckt, oder ob man die Veranlagung zu einer bestimmten Krankheit in sich trägt. Die Datenbank bietet zudem die Möglichkeit, nach genetischen Verwandten zu suchen – und als Nebeneffekt können auch Universitäten und Pharmaunternehmen diese Daten nutzen.

Auch interessant

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.

Schließen