Leben

Sauberer Diesel: Ist ein selbstgebauter Reaktor die Lösung?

von
Sabrina Lieb

Diesel-Fahrzeuge in der Krise: In Schleswig-Holstein arbeitet das kleine Unternehmen Heion an sauberem Kraftstoff für den Selbstzünder.

Erfinder Duo: Waldemar Lewtschenko und Anton Ledwon (l.) in ihrer Keller-Werkstatt, mit Reaktor zur Synthese von Kohlenstoffmaterial
Erfinder Duo: Waldemar Lewtschenko und Anton Ledwon (l.) in ihrer Keller-Werkstatt, mit Reaktor zur Synthese von Kohlenstoffmaterial. Foto: Matthias Jung

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie ein Reaktor Dieselkraftstoff sauber machen soll
  • Warum ein altes Fahrzeug ohne Katalysator als Testobjekt dient
  • Weshalb Dieselfahrzeuge nur der Anfang für Heion sind

Der Dieselmotor hatte schon immer eine große Bedeutung für die Wirtschaft. So wurden 2016 beispielsweise rund 5,7 Millionen Pkw in Deutschland produziert, fast die Hälfte davon nutzt Dieselkraftstoff.

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Aber in Zeiten von immer neuen Dieselfahrverboten hierzulande steckt der Kraftstoff in der Krise – und macht den Autofahrern das Leben schwer.

Neuer Reaktor soll Diesel auf sauber trimmen

Auch der Absatz von Biodiesel zeigte in den letzten Jahren seine Talfahrten. Bei deutschen Herstellern besteht der Kraftstoff zu 62 Prozent aus Raps, aber auch aus Alltagsspeisefetten wie gebrauchtem Frittierfett, Soja, Palm, Tierfetten und Fettsäuren. Kritiker bemängeln hier einerseits den Verbrauch von Nahrungsmitteln für die Kraftstoffherstellung, andererseits stehen Monokulturen wie Soja in der Kritik.

Lag der Absatz von Biodiesel im Jahr 2007 noch bei 3,32 Millionen Tonnen, so lag er rund zehn Jahre später nur noch knapp bei 2,1 Millionen Tonnen. Diese Prognosen mögen wohl auch ein Antrieb für die Firma Heion aus Ahrensbrök gewesen sein. Denn sie arbeitet an einer Lösung für die Diesel-Problematik. Dabei unterscheidet sich der Ansatz der Gründer stark von der aus der Automobilindustrie.

Erfinder Duo: Waldemar Lewtschenko und Anton Ledwon (graue Haare) in ihrer Keller Werkstatt, mit Reaktor zur Synthese von Kohlenstoffmaterial.
Einige Alltagsgegenstände flossen in den Bau des Reaktors ein. Foto: Matthias Jung

Denn sie wollen den Kraftstoff auf sauber trimmen, bevor er überhaupt ins Fahrzeug gelangt. Dabei setzen sie vor allem darauf, den Kraftstoff innerhalb des Autos zu behandeln. So soll ein Endprodukt entstehen, das bedenkenlos in die Umwelt abgegeben werden kann.

Laborversuche in der Scheune: Alter Mercedes als Testobjekt

Bei den ersten Experimenten diente ein alter Mercedes-Benz ohne Katalysator als Testobjekt. Dabei wurde der Kraftstoff mit relativ wenig Aufwand auf sauberer getrimmt, indem die chemische Struktur des Diesels verändert wurde. Weil das jedoch nur unter sehr hohem Druck oder bei einer hohen Temperatur funktioniert, zündete hier ein selbstgebauter Reaktor.

Er ist Schauplatz der chemischen Reaktionen: Dabei bringen die Tüftler Diesel und Wasser bei einem bestimmten Druck miteinander in Verbindung. Was dabei entsteht ist eine Synthese. Der in dieser Struktur leicht veränderte Dieselkraftstoff lässt sich direkt in den Tank des Fahrzeugs füllen. Die durchgeführten Abgastests an dem alten Mercedes, der übrigens noch ohne Katalysator ausgeliefert wurde, zeigte positive Ergebnisse: Der Trübungswert des Abgases durch Ruß war deutlich besser als bei einem herkömmlichen Diesel.

Der Reaktor und die entsprechenden Zeichnungen für die Patentanmeldung des Diesel-Reinigers.
Der Reaktor und die entsprechenden Zeichnungen für die Patentanmeldung des Diesel-Reinigers. Foto: Matthias Jung

Neben Dieselfahrzeugen: Reaktor soll Flugzeuge reinigen

Gute Ideen für eine saubere Umwelt: Der Gründer Andreas Heine betont stolz, dass sie in eine Richtung geforscht haben, in die zuvor noch niemand geblickt hat. Jedoch ist dem Unternehmen auch klar, dass dies nur ein erster Schritt war. Im nächsten wollen sie nun unter Beweis stellen, dass die Arbeit des patentgeschützten Reaktors auch bei größeren Mengen an Ausstoß wirksam ist und auch über einen längeren Zeitpunkt funktioniert.

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Für das kleine norddeutsche Unternehmen könnte die finale Umsetzung jedoch zu einer Mammutaufgabe heranwachsen. Daher suchen die Tüftler bereits nach Kooperationspartnern aus der Industrie und an Hochschulen. Denn eines ist sicher: Die nächsten chemischen Versuche sollen in einem hochwertigen Labor stattfinden und nicht – wie bisher – in einer alten Scheune.

Dabei sollen dann auch die Fragen zur zukünftigen Weichenstellung beantwortet werden. Zum Beispiel, ob sich die Reinigung des Diesels wirtschaftlich betreiben lässt und auch, inwieweit sich das Potenzial des Verfahrens weiter ausschöpfen lässt. Denn der Reaktor soll seine Arbeit neben dem Diesel auch bei anderen Kraftstoffen verrichten können und beispielsweise auch das Kerosin in Flugzeugen reinigen.

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