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Satelliten zum Minipreis: Mit dem Billigflieger in den Weltraum

von Marten Zabel

Das Konzept von Billig-Airlines ist in der Raumfahrt angekommen: Start-ups bringen kleine Satelliten günstig in den Weltraum.

Die Erdkugel aus dem All gesehen.
Blick aus dem All: Dank günstiger Raketenstarts können sich immer mehr Unternehmen eigene Satelliten leisten. Foto: NASA

Das erfahren Sie gleich:

  • Wie Firmen das Konzept der Billigflieger jetzt auch für den Weltraum nutzen
  • Warum auch Privatleute Satelliten in den Weltraum bringen lassen können
  • Weshalb künftig jede Fernsehstation ihren eigenen Wettersatelliten haben könnte

Kleine günstige Raketen, die Mikrosatelliten für wenig Geld in eine erdnahe Umlaufbahn bringen, sind gerade dabei, die Raumfahrt zu revolutionieren. Schon jetzt haben private Raumfahrtanbieter wie wie SpaceX die traditionellen Raumfahrtbehörden in puncto Preis-/Leistungsverhältnis überholt. Mit den neuen Anbietern, die das Modell von Billigairlines zur Raumfahrt holen, gibt es allerdings jetzt auch auf Kundenseite ganz neue Möglichkeiten. Immer mehr Privatunternehmen können sich so den Betrieb eigener Satelliten leisten.

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Noch vor wenigen Jahren war jedes noch so winzige Stück Weltraum-Infrastruktur astronomisch teuer. Ein Beispiel: Der Start der konventionellen Trägerrakete Atlas V kostete etwa 200 Millionen US-Dollar. Jetzt bieten bereits mehrere Firmen Flüge kleinerer Mengen Nutzlast ins All für Beträge um die drei Millionen Dollar an.

Das Angebot können Firmen nutzen, die kleine und kleinste Satelliten im Orbit haben wollen – und mit immer besserer Technik können selbst Kleinsatelliten ("Cubesats") mit ihrem Volumen von gerade einmal einem Liter inzwischen die Erde beobachten und wertvolle Daten an Bodenstationen funken.

Satelliten ins All: Die NASA ist zu langsam

Im Jahr 2017 haben die Weltraum-Billigflieger mehr als 300 kleine Satelliten ins All gebracht. Das ist vor allem möglich, weil kleine Raketen und häufige Starts die Produktionskosten senken. Der Bedarf an Satelliten in privater Hand steigt, und die Preise für Starts mit der russischen Rokosmos, der NASA, Europas Arianespace oder der indischen Raumfahrtbehörde sind für die meisten potenziellen Kunden schlichtweg zu hoch.

Alles vom Vertragsabschluss über alle Lizenzen, den Export und den Einbau in die Rakete ist normalerweise ein zwölfmonatiger Prozess.

Peter Beck, CEO von Rocket Lab

Auch die Bürokratie ist dabei ein Faktor. Laut dem CEO von Rocket Lab, Peter Beck, braucht die NASA ein Jahr für die Planung und Vorbereitung eines Starts. Seine Firma schaffe das in zwölf Wochen.

Bislang mussten die Betreiber kleiner Satelliten Restnutzlast bei den Starts größerer Raketen aufkaufen. Der Nachteil: Sie mussten dann darauf warten, dass ein größerer Satellit auf eine für sie passende Umlaufbahn gebracht wurde, bei dem sie quasi per Anhalter mitfliegen konnten. Das Non-Profit-Projekt um den Sonnensegel-Satelliten Lightsail brauchte zum Beispiel zehn Jahre für eine passende Gelegenheit.

Diese Unternehmen bringen Satelliten in den Weltraum

Jetzt werden Kunden mit knapperem Startbudget und kleinen Satelliten von gleich mehreren Unternehmen spezifisch bedient:

Vector Space Systems will mit seinen beiden teilweise wiederverwendbaren Raketenmodellen Vector-R und Vector-H ab 2019 kommerzielle Starts durchführen. Das Unternehmen gibt an, bereits 280 Missionen für je drei etwa Millionen Dollar verkauft zu haben.

Ein eigenes System zur Verteilung von Cubesats, also Kleinstsatelliten in normierter Größe, soll für eine schnelle Durchführung von Missionen Sorgen – geplant sind 100 Starts im Jahr. Pro Cubesat kommt das Unternehmen auf einen fünfstelligen Transportpreis in den niedrigen Erdorbit.

Rocket Lab hat mit seiner Electron die erste Orbitalrakete im Angebot, deren Triebwerke mit elektrischen Treibstoffpumpen arbeiten. Pro Start sollen etwa fünf bis sechs Millionen Dollar fällig werden, die Kapazität ist allerdings dafür mit einer Nutzlast von bis zu 225 Kilogramm auch mehr als doppelt so hoch wie bei der Vector-H. Noch in diesem Jahr sollen acht Starts stattfinden.

Eine Rakete startet in den Himmel.
Ab geht sie: Start einer Rakete von Rocket Lap. Foto: Rocket Lap USA

Aus der Luft will Virgin Orbitals seine Rakete starten, die unter dem Flügel einer Boeing 747 in die Luft gehen. Für dieses Jahr sind erste Testflüge geplant, jeder Start soll Kunden später 12 bis 15 Millionen Dollar kosten.

Vorbesteller für Satellitenstarts gibt es bereits, und die Technologie ist prinzipiell möglich: Die Orbital Science Corporation betreibt bereits seit 1990 Starts mit ihrem Pegasus-System, das ebenfalls als Rakete von einem fliegenden Flugzeug aus startet und eine Nutzlast von 443 Kilogramm ins All bringen kann.

Eigener Wettersatellit für jeden Meteorologen

Das All wird bei Kosten von weniger als 100.000 Dollar für einen Cubesat auch für kleinere Unternehmen inzwischen immer erreichbarer. Es könnte durchaus passieren, dass Fernsehsender und Webseiten künftig eigene Wettersatelliten betreiben. Die entsprechenden Anbieter stehen bereits in den Startlöchern. Und zum Glück gibt es ja auch bereits Projekte, die den Orbit nach dem Gebrauch der Satelliten wieder von all dem Weltraumschrott befreit.

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