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Elektromobilität

SAEV: Autonome Elektrotaxis gegen Umweltverschmutzung

von Paul Bandelin

Nahaufnahme eines Taxischildes.
Sterben die klassischen Taxis aus? Forscher der Universität von Kalifornien sehen autonome Elektrotaxis als Rettung vor Umweltverschmutzung und Verkehrsinfarkt. Foto: Shutterstock / GagliardiImages

Das erfahren Sie gleich:

  • Was die Vorteile von autonomen Elektrotaxis im Kampf gegen die Umweltverschmutzung sind
  • Warum mehr Ladestationen besser als mehr Reichweite ist
  • Wie New York gegen den Verkehrsinfarkt kämpft

Autonome Elektrotaxis könnten in Städten bei der Bekämpfung von Umweltverschmutzung und Verkehrsinfarkten helfen. Dafür braucht es aber mehr Ladestationen.

Was die Vorteile von autonomen Elektrotaxis im Kampf gegen die Umweltverschmutzung sind

Seit dem ersten tödlichen Unfall mit einem selbstfahrenden Auto im März 2018 im US-Bundesstaat Arizona stehen autonome Fahrzeuge vermehrt in der Kritik. Doch autonome Mobilitätsdienste mit Elektrofahrzeugen könnten die Umweltverschmutzung durch Autoabgase massiv verringern – zumindest laut Forschern der Universität von Kalifornien in Berkeley.

In einer aktuellen Studie untersuchten sie den Einfluss, den die sogenannten SAEV haben könnten. Die Abkürzung steht für "Shared Automated Electric Vehicle" – auf deutsch in etwa: "Gemeinsam genutztes, automatisches elektrisches Fahrzeug".

Die Forscher untersuchten, wie es Energieverbrauch, Kosten und Umweltverschmutzung beeinflussen würde, wenn tatsächlich mehrere Passagiere so ein Fahrzeug gemeinsam nutzten.

Diese Analysen setzten sie ins Verhältnis zu Datenmaterial, das über Jahre während rund zehn Millionen Taxifahrten durch New York gesammelt wurde. Die Quintessenz war, dass die SAEV bis zu zehnmal günstiger wären als die angestammten Taxen. Energieverbrauch und Umweltbilanz würden sich ebenfalls verbessern – der Ausstoß von CO2 wäre rund 73 Prozent geringer als mit einer Flotte aus autonomen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.

Ein erstaunliches Ergebnis der Studie lautet, dass die Kosten für ein SAEV rund 18 Prozent geringer sein sollen als bei einem Auto mit Verbrennungsmotor. Üblicherweise weisen Elektroautos einen deutlich höheren Preis auf, was als einer der großen Nachteile von Elektroautos gilt.

Im Interview mit aio hatte bereits Zukunftsforscher Lars Thomsen darauf hingewiesen, dass Mobilität mit solchen autonomen Gefährten billiger sein könnte als heute das Busfahren.

Warum mehr Ladestationen besser als mehr Reichweite ist

Derzeit liegt die durchschnittliche Reichweite eines Elektroautos bei 320 Kilometern. Einer der Initiatoren der Studie meint, dass der Bedarf für große Distanzen in der Stadt aber gar nicht gegeben sei.

Der Forscher Jeffery Greenblatt sagt: „Wir haben am Tag viele Gelegenheiten gefunden, bei denen ein Teil der SAEV zum Laden pausieren könnte, und wenn es auch nur für ein paar Minuten ist.“

Somit könnte man den Akku kleiner halten und die Kosten bedeutend minimieren. Allein Manhattan müsste allerdings die Anzahl der Ladestationenfür Elektroautos verdreifachen; zur Zeit sind es 500.

Um ihre Ergebnisse weiter zu verdeutlichen, schufen die Forscher ein Modell, das 7.000 Taxifahrten an einem Tag durch Manhattan simuliert. Andere Modellanalysen befassten sich mit den ungefähren Betriebskosten sowie den optimalen Ladestationen. Vorrangig ging es darum, die Kosten möglichst gering zu halten.

In ihrer Studie kommen die Forscher zu dem Schluss, dass es völlig ausreicht, wenn das Elektroauto eine durchschnittliche Reichweite zwischen 80 und 150 Kilometern aufweist. Zudem wäre es optimal, auf einer Fläche von 2,5 Quadratkilometern entweder 66 Ladestationen mit einer Leistung von 11 Kilowatt aufzustellen oder 44 Ladestationen mit 22 Kilowatt.

Wie New York gegen den Verkehrsinfarkt kämpft

In der Zwischenzeit kämpfen die Politiker mit anderen Maßnahmen gegen den Verkehrsinfarkt. Jeden Tag aufs Neue sind die Innenstädte der großen Metropolen weltweit verstopft. Die chronisch an Verkehrsinfarkten leidende Stadt New York will mit einer Innenstadtmaut dagegen steuern. Wer dort fahren will, muss bezahlen.

Überflüssige Strecken wären passé, die öffentlichen Verkehrsmittel könnten höhere Einnahmen verzeichnen und somit einen besseren Service bieten. Der genaue Betrag soll sich laut derzeitigen Plänen aus der Größe und dem Gewicht des jeweiligen Fahrzeugs zusammensetzen.

Einige wenige Städte haben dieses System bereits erfolgreich getestet und für gut befunden. Als Vorreiter gilt der Insel- und Stadtstaat Singapur, der bereits 1975 eine Citymaut einführte. Zehn Jahre später folgte Bergen in Norwegen als erste europäische Stadt diesem Vorbild.

Verkehrsexperten sind sich einig, dass eine Innenstadtmaut der beste und wahrscheinlich auch einzige Weg ist, den urbanen Verkehr zu reduzieren. Es ist allerdings nach wie vor schwer, den Bürgern zu erklären, dass sie für einst frei befahrbare Straßen plötzlich Geld zahlen sollen.

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